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02 Juli 2015

1,4-Butandiol

Ein sehr ausführlicher, wissenschaftlicher Artikel findet sich hier: http://www.drogenkult.net/?file=GHB&view=0

- Wenn ich einen gestrichen vollen Teelöffel 1,4-Butandiol nehme, gerate ich in eine narkotisch-taumelige Euphorie, die mich kotzen lässt. Eine intensive körperliche Erfahrung in einem bunten, freundlichen Raum. Es ist gut daran erinnert zu werden, einen Körper zu haben.
- Ein 3/4-Teelöffel ist für mich die ideale Dosis, aber jeder sollte für sich herausfinden, wieviel er verträgt. Ein paar Freunde von mir nehmen immer einen ganzen Teelöffel ohne dass ihnen übel wird. Wenn ich Leuten die Substanz vorstellen möchte, empfehle ich ihnen nicht mehr als einen halben Teelöffel. Ich könnte es mir nie verzeihen, meine Freunde zum Kotzen zu bringen.
- Ganz wichtig: nicht mit Alkohol kombinieren, da die dämpfenden Eigenschaften der Substanz verstärkt werden. Es ist lebensgefährlich, komatös und mit Brechreiz auf dem Bett zu liegen. Als ich das erste Mal zu viel Butandiol genommen habe und gekotzt habe, sagte ich mir tausendmal: "Zum Glück. ich hab kein Alkohol dazu genommen... *kotz* niemals Alkohol dazu nehmen... *kotz* Ich bin wirklich an meiner Belastungsgrenze... *kotz* Es ist voll schön zu kotzen, aber wäre ich einen Tick komatöser, würde ich an meiner Kotze ersticken *kotz* Niemals mit Alkohol kombinieren."


- Butandiol (ich schreibe ausschließlich über 1,4-Butandiol) ist freundlicher als Alkohol. Es schadet den Organen nicht und erzeugt keinen Kater. Ich weiß, dass es süchtig und paranoid machen kann, wenn man häufig zu viel nimmt. Gerade Leute, die wie ich keine Aufgabe im Leben haben und sich unbeobachtet im Abseits der Gesellschaft im Kreis drehen, sind besonders gefährdet, Süchte zu entwickeln. Ich hätte nichts dagegen, wenn irgendeine Substanz meinem Leben ein bisschen mehr Struktur verschafft, bisher bin ich aber an nichts kleben geblieben.

- Butandiol ist anders als beispielsweise Cannabis keine Substanz, die kreativ macht oder die Gedanken/den Intellekt anregt. Butandiol lässt den Körper zu seinem Recht kommen und vernachlässigte / unterdrückte / vergessene Bedürfnisse hervortreten, ebenso intensiviert es akustische und visuelle Eindrücke. Warum? Butandiol wird im Körper zu einem Stoff umgewandelt, der chemisch verwandt mit Neurotransmittern ist, die u.a. für Entspannung sorgen. Der Intellekt tritt zurück, dieser nervig skeptische, nervig verklemmte, idealistische Spaßverderber. Butandiol sorgt dafür, dass man alles mal richtig wirken lassen kann, alles körperlich erfahren kann, ohne es bewerten und einordnen zu müssen.
-> Vorsicht! Nur weil du entspannt bist, heißt das nicht, dass alle Ängste falsch sind und alle Menschen deine Freunde sind. Nur weil du offen bist und unverkrampft, heißt das nicht, dass alles okay ist.
- Auf Butandiol habe ich keine Lust mich zu verteidigen oder mich auch nur für irgendwas zu rechtfertigen. In einer Umgebung, die wirklich schlecht für mich ist, unter Menschen die ekelhaft und bösartig und dumm und gefährlich sind, könnte das bös ausgehen...
- Butandiol enthemmt, aber macht nicht - wie Alkohol - aggressiv oder dumm, sondern eher kindlich-blauäugig und empfindsam, geradezu dünnhäutig.
- Manchmal reicht es, unter Butandiol-Einfluss ein rührendes, fast kitschiges Lied zu hören, und ich fang an zu heulen. Ich kenne keine Substanz, die mich so sentimental macht. Vorhin habe ich ein Bild angeschaut, das Cioran zeigt, der traurig auf seinem Bett sitzt und ich hatte Tränen in den Augen. Ich vermute, dass man, wenn man weniger an seinem coolen, erwachsenen Ego festhält, viel häufiger weinen würde.
(-> Butandiol erinnert dich dran, dass du immer noch in dem Körper steckst, in dem du als Kind gesteckt hast und dass es immer noch genau die selben Gründe gibt, zu heulen...)

- Butandiol erhöht das Bedürfnis, von süßen Freunden berührt zu werden, die Lust einen knuddligen Menschen auf dem Schoß sitzen zu haben und ihn mit Kirschen zu füttern. Es fühlt sich so an, als würde gleich jemand seine Hände unter dein T-Shirt schieben und dir das geben, was jeder Mensch braucht: echte Berührung, echte Sicherheit und Wärme und Stabilität und Vertrauen.
- Körperlichkeit, Schmusigkeit, Sexualität wird viel selbstverständlicher als sonst. Schüchternheit und Selbstzweifel nehmen ab. Die Substanz erinnert dich daran, dass du auch nur ein sterblicher Körper bist, den schlechte Gedanken und dumme Gewohnheiten vom Wesentlichen abhalten wollen.

- Butandiol macht sentimental, aber nicht auf so peinlich-brutale Art und Weise wie Alkohol. Du kannst vielleicht nicht richtig klar reden und geradeaus laufen, aber du bist nicht dumm und im Gegensatz zu Alkohol macht dich das Butandiol nicht egoistisch und bösartig.

- Die Fliege. - Als ich Sonntagnachmittag allein in meinem Zimmer darauf gewartet habe, dass jemand unangekündigt vorbeikommt, sah ich eine grünschimmernde Fliege auf meinem Schreibtisch, die auf Nahrungssuche war. Der halbe Löffel Butandiol in meinem Magen hat dafür gesorgt, dass ich eine ganz warme, kindische Freunde empfunden habe über die Fliege. Sie hat mein ranziges Messer mit ihrem haarigen Rüssel abgesaugt. Ich freute mich über unsere Koexistenz. So ein komplizierter Körperbau, diese riesigen Augen, die schnellen Bewegungen, die kurze Lebensdauer. Ich holte ihr das Tee-Thermometer aus der Küche, weil ich wusste, da ist noch ein bisschen Zucker dran (vom Umrühren). Nach einer Weile kletterte sie vom Messer runter und schleckerte den Zucker vom Thermometer. "Iss dich ruhig fein satt, liebe Fliege. Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich töte dich nicht." Ich fragte mich, ob Fliegen Ohren haben. Im Internet hab ich keine Informationen darüber gefunden. Wusstet ihr, dass es tausende von Fliegenarten gibt? Die Natur ist so vielfältig. Es ist wichtig, dass der Mensch mit anderen Lebewesen koexistiert und nicht bloß versucht alles seiner primitiven, herzlosen Gier zu unterwerfen. Nichts gegen Gier und Kaltblütigkeit, aber bitte nur im Notfall. Der Mensch muss anfangen, sich zu entspannen, sonst geht der ganze Planet kaputt. Totale Entspannung - Überwindung der Erwerbsarbeit, Lohnsklaverei, hin zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen, einer völligen Neugestaltung des Wirtschaftssystems. Alles muss sich entspannen, die perversen Vermögensunterschiede müssen ausgeglichen werden, die Umwelt muss radikal gereinigt werden. Gründliche Entspannung der Verhältnisse. Alles muss einfacher werden. Die Künstler müssen natürlich aufpassen, dass der Mensch nicht verdummt und resigniert. Keine Ideale mehr! Den Menschen herauslösen aus allen Konstrukten - Koexistenz wirklich freier Menschen. Keine Staaten, keine Religionen, keine Endlösungen, keine Leitkultur! Erwachsene sind degenerierte Kinder. Nieder mit der Sklaverei! Brutale Meditation.

- Nicht auf leeren Magen nehmen!

- Nebenwirkungen (Übelkeit, Verwirrtheit, plötzliche Schläfrigkeit, Zuckungen) können mit Koffein beantwortet werden.

- Die Wirkung hält gut zwei-drei Stunden an und blendet sich langsam aus. Bis auf ein leichtes, nicht lang anhaltendes Flauheitsgefühl und ein paar Zuckungen im Auge habe ich keine negativen Nachwirkungen gespürt.

30 Mai 2015

Daneben

(1)
HÖCHSTinteressant. die autos fahren viel zu langsam an mir vorbei, warum sind sie genau so vorsichtig wie ich? erkennen die leute was mit mir passiert ist? wissen kann ich es nicht, also kann es mir, muss es egal sein. alle meine freunde leben glücklicherweise zärtlicherweise unter meinem bett. vertrödelte leute, herumflatterndes laub, zusammengepresste knete, jazz auf leerem magen, der frühling lässt das haus klappern, heute kein besuch, die sind ja alle ganz anders als ich, unglaublich, dass sie meine freunde sind. schwankend verzärtelnd zerfährt alles. fast keine verbindung mehr. was kann ich noch in die welt stecken? ich brauche das gefühl verbunden zu sein und im internet ist immer jemand wach.
bündnisse sind wichtig.
bündnisse sind toll.
mit wem bist du verbunden?
von wem bist du getrennt?
wie lang hält die bindung?
wie lang hält die trennung?
leute die du brauchst.
leute die du nicht brauchst.
für irgendwas.
bündnisse sind schwierig.
die behörden wollen sich mein haus angeln.
die bürokraten wollen sich mein konto angeln.
die sauberen und gerechten wollen meine hoffnung angeln.
mein haus und mein konto und meine hoffnung wehren sich nicht.
und der wildeste glühendste junge der stadt klettert auf die barrikaden und flüstert:
"alles übertreiben bis nix mehr übrig bleibt und WISSEN was man tut"
ich will ihn berühren.
bündnisse sind wichtig.

(2)

Alles kann gestaltet werden.
Wer nicht überfordert ist,
mogelt sich durch.

(3)

ich hab es geschafft wenn ich nie mehr aus unserem garten komme, in dem wir tee trinken, musik machen und politiker empfangen. ich wünschte, ich hätte einen gemütlichen platz in der marktwirktschaft. ich bin körperlich und geistig auf meiner höhe, meine hose ist bloß dreckig. ich drück mich gern einfach aus, ich drück mich aus, ich drück mich aus, ich drück mich aus, gleich bin ich ausgedrückt.

(4)

niemand würde mir große gesten abnehmen, also nehm ich die kellertüre, erfülle die mir verbliebene zeit mit feinen ausweichmanövern, also bitte zeig nicht mit dem finger auf mich. sobald ich ausspreche was ich denke, verliere ich meine konturen, kann ich nichts mehr fassen. die zukunft steht nicht fest, ich kann an ihr rütteln wie ich will, sie steht niemals fest. ich würde viel weniger schreiben würde ich wissen ob ich ihm sagen sollte, dass ich ihn liebe. die unsicherheit darüber macht es mir unmöglich an irgendetwas zu glauben. haltlos haltlos haltlos klammere ich mich an worte wie haltlos haltlos haltlos bis mich alles erschreckt, was ich nicht anzweifeln kann, bis mich alles erniedrigt was stabiler ist als ich es je sein könnte. von mir etwas vollkommenes erwarten kann nur, wer nicht weiß wie mein gesicht aussieht und das gesicht von dem den ich liebe. es lohnt sich wohl sich zusammenzufalten und es dann einfach sein zu lassen.

(5)

soft calm night, waiting auf zehenspitzen, soft clean air, ten past midnight, some kind of a ausgangsposition. speaking is entscheiding. the tollpatschige science of falling apart. fill my heart und shake it. I want to be part of an Institution. Entscheidungen schnitten in mein Fleisch, die Folgenlosigkeit des Schmerzes euphorisiert mich bis zum Get-No-More. ich hab das bedürfnis mich zu bedanken (bei wem auch immer)

(6)

auf dem zenit meiner macht esse ich eine rose auf dem heimweg von dir zu mir zerkaue ich sie bis alle ihre schönheit nicht mehr da ist der heller werdende himmel interessiert sich für nichts eines tages werde ich mit meinem schweigen eine u-bahn-station nach der anderen dem erdboden gleich machen einfach nur noch glotzen.