Ich wünschte, meine Freunde würden mich nicht so oft überschätzen. Ich rede viel, aber kann und weiß ziemlich wenig. Cannabis intensiviert das noch und macht es extrem erträglich, man ist sich selbst so extrem erträglich, dass man sich kaum noch spürt.
- Warum sollte es wichtig sein, etwas zu wissen, wenn man es den ganzen Tag genießen kann, ohne ein Ich durch die Welt zu trödeln und mit Freunden Musik zu machen?
- Die Realität und die Welt der Worte sind voneinander abgetrennt.
- Es lohnt sich nur über unangenehme Dinge ernst zu reden: denn dadurch entkräftet man sie. Die angenehmen Dinge tragen sich von selbst.
- Sprache ist arroganter als Musik, zumindest wenn man sie nicht benie bena benunumomutschtzsch
- Selbstsicherheit ist immer eine Illusion, auf die man verzichten muss, wenn man sich für das Wesentliche interessiert -> Sprache bekräftigt diese Illusion, wenn sie auch hier nicht schlickfattendubi hummhummhabibaihabidu
- q3lufheqrfg qelirugheig 3pi8tz398t pü9834tu3t p983q5hz3gb aelurfgef
- nur weil es keinen Sinn ergibt, hat es trotzdem einen Grund und demnach eine Notwendigkeit und demnach eine Rechtfertigung und demnach einen Tromplohg7456
- das Keuchen des Laptops macht sich über all meine Gedanken lustig, steht im Weg wie ein bösartiges Kind, das mich nerven will
- wenn du meine Dünnhäutigkeit empfangen kannst, schreib mir eine Postkarte ...
- Langsamkeit und Zweifel. Und mit Sprache so umgehen wie mit Musik
- ich kann mich wirklich mit dir identifizieren, zB deshalb weil ich mir jetz total haspelig und weltfern und unaussprechlich zerfahren vorkomme, gerade diese Unaussprechlichkeit kann aber viel mehr sein als ein extrem-schauriger Zustand, der Selbstmord-Impulse weckt, bloß weil er nicht weiß, was er aus dem, was er gerade aufgewirbelt hat, machen kann... Es ist ein luftiger Rauschzustand, totales Wirrwarr, als total bedrückende Leere empfunden, aber der Druck kann Spaß machen, wenn man mit ihm tanzt, wenn ich jetz ins Klavier reinhauen würde, wenn ich lalalalalalallalaa machen würde, wenn ich die Spannung einfach aushalte, wenn ich hoffe, dass meine Unsicherheit, die ich in die Tastatur stecke, dass all meine ins Unkonkrete gesteigerte Zuneigung zu dir nicht dazu führt, dass du ein konkretes Gesicht machst ...
-da singt ein Vogel direkt vor meinem Fenster.
28 April 2015
20 April 2015
420
Mein erster 420 und bestimmt auch der letzte. Irgendwie lustig, so ein weltweiter, subversiver Feiertag, da bin ich gern Teil von. Hätte zwar eigentlich erstmal die letzten Tage auswerten müssen, aber wenigstens einmal will ich mich mit den Anderen verbinden. Hallo, ich bin Rael und ich komme aus der Mitte Deutschlands und gleich ist es 16.20. Heute hat Hitler Geburtstag. Eigentlich unglaublich, dass wir Deutschen nicht auf den 420-Tag gekommen sind. Ich als gesichtsloer Vertreter der unbekannten deutschen Autoren, die Cannabis nehmen, begehe also exemplarisch diese Feierstunde für alle, die es stillschweigend tun. Der mp3-Player mit Moondog und Misophone und Pink Floyd ist geladen. Gleich geht raus in den Park. Meine Sehnsucht nach einer Gemeinschaft wird metaphysisch.
18 April 2015
18.4. - Ärgere dich nicht ...
War toll gestern mit Schildi Musik machen. Immer total belebend. Wenn er gut drauf ist hat er eine tolle Energie, ich fühl mich so sehr verbunden mit ihm und jetzt mal wieder den Vaporizer benutzt mit viel Kleinkraut. Angenehm ätherisches Schweben.
Cannabis verändert das Zeitgefühl, alles ist langsamer, gründlicher, die Euphorie beim Kiffen kommt daher: das Gefühl, die Zeit kontrollieren zu können und den Tod immer weiter herauszuschieben, vertreibt das banale, lähmende Todesbewusstsein - Die Abwesenheit von Sterblichkeitsbewusstsein, von der Gewissheit des Todes unter Cannabis empfindet man als Euphorie.
Cannabis verrät mir durch die Blume, wie abwesend, wie ausgeklinkt ich bin. Es gibt keinen wirklichen Grund, den Fortgang meiner Existenz für selbstverständlich zu nehmen. Selbst ein Beet bunt-leuchtender, warmer, weicher Blumen könnte nicht vollständig den Gedanken aus meinem Herz fischen, dass dies der letzte Tag meines Lebens ist. - Ich habe mich oft als Kind so verloren gefühlt, manchmal sogar ein bisschen geweint, als mir bewusst wurde, dass mich noch keiner meiner Freunde richtig umarmt hat, so wie meine Mutter mich oft umarmt hat. - Ich kann wirklich froh sein, dass meine Mutter nicht so herzlos war wie ihre Mutter. - "Ich bin emotional ein Höhlenmensch mit Internetzugang.", habe ich letzten Mittwoch in der Gruppentherapie von mir gesagt und der Therapeut hat nicht gelacht, aber dafür an der Stelle, als ich gesagt habe, dass Moral Geschmackssache ist, denn so wie man sich nicht entscheiden kann ob man Spinat mag, so kann man auch nicht entscheiden, ob man am Guten oder Bösen, am Rationalen oder Emotionalen mehr Geschmack findet.
Mein Sattheitsgefühl schneidet sich in warmen Stößen durch meinen Körper. - Um ehrlich zu sein: ich empfinde ein so großes Gefallen am Cannabis-Rausch, dass ich mich fragen muss, ob es schon eine psychische Abhängigkeit ist. Am besten nur im Rausch darüber nachdenken. Das Leben ohne Cannabis ist sehr kalt, trocken, belanglos, weil oberflächlich. Cannabis pusht die Glückshormon-Drüsen, die Sinn-Drüsen. Eine heitere Wärme, die ich vermissen würde, wenn ich wie ein von Unterforderung überfordertes Gespenst durch den gemütlichen Schrottplatz meines Lebens spaziere. Draußen blüht der Frühling. Die Musik macht sich darüber lustig, dass ich nicht so erhaben bin wie sie. Heute gehe ich noch auf dem milden Abend-Sonnenteppich ins Edeka mit meinem Nachbarn und treff mich mit Katrin oder umgedreht. Die Stadtwerke wollen in zwei Wochen 550 Euro haben, die ich niemals zahlen kann. Es kommt mir wie ein Sieg vor. Mein Hang zum Heruntergekommenen, zum Hoffnungslosen kann mich nicht abbringen von meinem Ziel, öffentlich anerkannt zu werden. Mein instinktiver, fast ein wenig koketter Pessimismus soll nur der glühenden Euphorie hinter meiner Stirn und in meinem Herzen etwas entgegenstemmen. Noch ist nicht die Zeit zum Strahlen, ich muss mich in meine nackte Existenz vertiefen, um meinen Geist zu stärken. Ich darf auf kein Gefühl reinfallen, ich darf aber so tun, als würde ich nicht glauben, dass dieses Gefühl begrenzt ist und einseitig sowieso. Wenn man sich von Idealismus frei machen will, muss man einfach nicht mehr in die Zukunft schauen. - Das weiche, dornige Rosenbett meiner Kindheit öffnet sich unter Cannabis wie ein Traum. Das Leben ist ein so großes Abenteuer wie der Tod, Suizidgedanken machen, dass der Körper mehr Lust auf das künftige Abenteuer bekommt als gewöhnlich. - Solang man weiß, dass eine Halluzination eine Halluzination ist, ist doch alles gut: was ist an einer größeren Phantasie, einer tieferen Sumpfigkeit einzuwenden? Geistige Instabilität ist ein aufregender Tanz der Wirklichkeit mit der Möglichkeit. - Der Gedanke, nur Dinge zu tun, die das Leben bereichern. Auch das Leben der Anderen: anreichern mit Problemen, neuen Idealen, neuen Verhaltensweisen. - Die Deutschen arbeiten, um sich Dinge leisten zu können, mit denen sie ihre Langeweile und Existenzangst überdecken können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die sich für ihre Lebendigkeit an sich interessieren. Für sie ist das Leben nur ein Mittel zum Zweck. Für mich sind die Möglichkeiten, die ich habe, Mittel um die Qualität des Lebens an sich einzustellen. Mein Musikgeschmack beweist, dass ich nicht in die Gesellschaft gehöre. Alles was ich will ist, meinen Musikgeschmack ernst nehmen, mein Leben meinem Musikgeschmack anpassen. Die Lust, mich mit meiner Musik und meinem Schreiben unkenntlich zu machen. Man kann nur über etwas anderes als den Tod schreiben, wenn man nicht an ihn glaubt.
Glaube niemals den Gründen für deine Gefühle. Ärger dich nicht wenn du deine Gefühle nicht erklären kannst. Karl ist manchmal bösartig, weil er von mir erwartet, dass ich seine Probleme genau so bewerte wie er. Ich möchte mich einfach ausagieren und mich nicht rechtfertigen. Er ist ein schleimiges Monster, so wie ich neben einem seiner cholerischen Anfälle wie ein kaltes, schwächliches, dummes, autistisches Kind wirke. Ich mag es, wenn ich aus Reflex eine Rolle annehme, die ich nicht rechtfertigen kann, aber ich hasse es, dafür beurteilt zu werden. Wenn mich Karl nochmal in seine ekelhaft selbstsüchtige, kindische, affige Paranoia reinzieht, muss ich ihm die Kniescheiben einschlagen ... ganz stumm und ordentlich ... und am Ende flüstern: "Weil du mich immer so anschreist!" Dieses klebrige, grüne, sabbernde Untier. Psychopath in Hipsterhosen. Ich habe keine Probleme, das hier so zu schreiben, weil ich es auch toll finden würde, wenn Karl in einem Buch über mich so böse herzieht. Es ist etwas, was wir beide aushalten müssen .. und auch ohne Weiteres können. Man darf solche Impulse nicht unterdrücken, sonst keimt irgendwann ein richtiger Hass, den man nicht mehr so einfach entwurzeln kann wie jetzt: noch wächst der Widerwille gegen Karl in der weichen, flachen Erde meiner Schlaflosigkeit. Er darf seine Wurzeln nicht tiefer graben, denn Karl ist mein bester Freund. Wer weiß, wie oft ich schon eklig, böse, ungerecht zu ihm war. Eigentlich habe ich nur Angst vor Karl und möchte mich nicht zu sehr vereinahmen lassen. Sein Lebensentwurf und sein Temperament ist von meinem zu verschieden, als dass ich mich bedingungslos fallen lassen kann. Unsere Freundschaft wird immer einen Sicherheitsabstand einhalten, zumindest werde ich dafür sorgen. Ich schätze Karl für all seine Eigenschaften, die sich in einem fein abgestimmten Verhältnis zueinander befinden, ich möchte daran nicht rühren, aber will/kann mich auch nicht darauf einlassen. Es ist egal ob man etwas nicht will oder nicht kann. Ich möchte von niemandem beurteilt werden, so wie ich niemanden beurteile. Ich werde mein Leben lang ein Vorurteil nach dem nächsten ausagieren, ich werde niemals ein gerechtes, fundiertes Urteil über irgendwen fällen können. Alles bleibt offen, langsam wird die Abendstimmung kühler, ich fühl mich einsamer, aber ich habe jetzt nichts getan, das ist beruhigend, was mich in irgendeine schlechte Situation bringt.. ja, ich habe nichts kaputt gemacht. Ich hätte das hier sowieso nicht abgedruckt, wenn ich Karl nicht vorher um Erlaubnis gebeten hätte. Merken; Karl um erlaubnis fragen. - Das Problem ist ja nur, dass ich nicht so gut zeigen kann, dass ich genau so dünnhäutig bin wie er. Und jetzt ist alles wieder gut.
Es scheint, dass die Menge meiner Vorhaben die Intensität meines Todesbewusstseins beeinflusst: je mehr ich will, desto stärker denke ich an den Tod. Je mehr man aus seinem Leben machen will, desto mehr sieht man vom Tod bedroht. Von der Angst vorm Tod kann man sich kurieren, wenn man im Garten in der Sonne sitzt, Tee trinkt und den Vögeln zuhört und an ein paar Blümchen schnuppert und ohne sich zu rechtfertigen alles einfach beiseite schiebt, was die Gier und Masse der Zukunft erhöht. - Ich habe Angst, auf mein Glück angewiesen zu sein. Ich würde gern alles in der Hand haben. Leider bin ich vollständig ausgeliefert, ich kann nur hoffen, dass du diesen Satz richtig verstehst und dich an mich schmust. In der Abenddämmerung liegen, in den blauen Himmel glotzen und aneinander festhalten, um mit dem Gefühl, in den Himmel zu fallen, zu spielen.
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Eben mit Katrin und Christian im Edeka. Christian merkt dass ich bekifft bin und macht lustige Psycho-Spielchen. Es ist schön wie er mit mir spielt, ich muss mich oft total durchlachen. Ich habe eine große Befürchtung, dass Katrin irgendetwas von diesem Abend erwartet, dass ich ihr nicht geben kann. Aber ich kann meine Leser beruhigen, dem Helden ist nichts passiert. Mein schwieriger Nachbar hat ein schwieriges Gespräch mit seiner normalen Exfreundin. Es ist komisch, was die Liebe alles binden will. Größenwahnsinnige Liebe! Setz dich mit mir in den Garten und wir schrauben das Gehirn wieder in die vierte Klasse, trinken dunklen Wein, liegen am Gartendümpel und schauen in den Sonnenuntergang. Konflikte entstehen, wenn man in unterschiedlichen Geschwindigkeiten lebt. Zum engeren Kreis zählen für mich Leute, mit denen ich gemeinsam langsam sein kann. Richtig schön langsam alles, so als würde das Leben durchatmen. Im Morgensud dümpeln und am Boden nach Tageszielen tasten. Ich glaube mit diesem Satz bin ich 30 geworden. Ein neues Level ist erreicht. Oh Mann, ja... Es ist passiert. Ich bin 30. Zeit, morgens neben Schildi einzuschlafen und am Abend dann eine laute, angsteinflößende Zirkusmusiknummer auf einer Krimes-Bühne geben. Oh wenn du das liest, ist es ja eh zu spät... Ha, so ein schauriger Satz darf nicht das Ende bilden. Zum Glück ist Katrin ohne enttäuschtes Gesicht gegangen. Sie war lang nicht unter Menschen. - Es ist vielleicht objektiv so, dass man das Leben unter Cannabis verzerrt wahrnimmt. Die Aufregung die ich empfinde ist sachlich nicht zu rechtfertigen. Sie macht mir bloß was vor. Dieser Taumel bedeutet gar nichts - sag ich und habe ihn an der Leine wie einen Herbstwind, der irgendwas im Laub der blauben Nachmittags-Stadt sucht. Ich fühle mich eher dazu berufen, mit Worten zu spielen, als mit Worten Türen zu öffnen -> und so fühle ich mich auch eher dazu berufen, mit der Wirklichkeit zu spielen, als mit der Wirklichkeit Türen zu öffnen. In der Wirklichkeit kann ich mich nicht über die Wirklichkeit hinwegtrösten - die Parole jeder alternativen Lebensform. Jedes Lied schmeckt nach: "So, das ist also der letzte Moment als vernünftiger, geistig gesunder Mensch, als wäre dies der melancholische Good-Feel-Ruhe-vor-dem-Sturm-Abend, wo man Kraft für das Kommende sammelt. Dies ist unbestreitbar ein Schnappschuss meines Lebens, euphorisch durch die Banalität stolpern und am Ende des Tages nicht weinen können. Die Überzeugung, dass das Leben eine gerade Linie ist, depremiert mich wie das Todesurteil einen Unschuldigen depremiert. Heute ist ein schöner, frischer Abend, ich fühl mich so verbunden mit dem Leben, wie schön wär es mit den richtigen Leuten zusammenzuwohnen. Nightswimming von REM drückt so angenehm auf die Sentimentalität. Irgendjemanden haben, bei dem man traurig sein kann. Was ist daran schlimm, verbunden zu sein? Es ist alles was man haben kann. Es hat so viel Potential. Ich unterdrücke pünktlich zum Ende des Liedes weitere Rührung und hab vergessen, was ich als nächstes anmachen wollte und plötzlich ist der Abend vorbei. Ich erinnere mich noch daran, dass Christian angekündigt hat, den Abend mit Antje katastrophal enden zu lassen. Ich bin froh mich wegschließen zu können, und trotz all unserer kleinen Schwierigkeiten habe ich langsam das Gefühl, das Christian mit zu meinen Leuten gehört, er ist sehr unterhaltsam und lustig. Ich würde gerne in einem bunten wackligen Straßenzirkus durch die Länder ziehen. Alles was ich mir an Zukunft phantasiere, findet abends statt, so als bestünde für mich nur noch die Aufgabe, den kühlen, melancholischen Herbst meines Lebens zu bewältigen. Das Gefühl, dass das Leben eine nervige Qual ist, macht Spaß, wenn man einen Freund hat, mit dem man gemeinsam versacken kann. Ich muss aufpassen, dass ich Schildi nicht in diese Richtung idealisiere. Diesen Satz sollte ich unterstreichen, aber ich tu es nicht, und selbst das Unterlassen gehört zu diesem Buch - und ist fast interessanter als das, was ich unterstreichen wollte. Ich würde gern besser verstehen, was Schildi die Musik bedeutet und wie er sich seinen idealen Hörer vorstellt. Ich finde so toll, dass er sich solche Fragen gar nicht so intensiv stellt wie ich. Er ist so erhaben, er weiß gar nicht wie wichtig er mir ist und das ist auch erstmal gar nicht schlimm. Vielleicht werde ich irgendwann traurig und besiegt auf dieses "erstmal" schauen, und feststellen, dass meine Vorahnung den Sturz nicht abgefedert hat.
Es muss mal ein Horrorfilm gedreht werden, der sich mit dem Erwachen aus bunten, wilden Träumen in den erschreckenden, bösen Alltag befasst. Plötzlicher Schauder und Todesangst bei der Vergegenwärtigung von Routinen, Freundlichkeit, Unterdrückung des Ekels und der Panik. Hypersensibel und wehmütig in den leeren Alltag, dessen Wände kalt und dessen Sitzgelegenheiten hart sind. Der Film muss alles Genormte, Schablonisierte, Berechenbare, Ordentliche als Bedrohung, als Terror, als Vorstufe von Wahnsinn und Tod darstellen.
Ich weiß nicht ob ich schon im dritten Blumebuch bin. Während ich durch dieWohnung geh kommt mir die weich-plastische Gewissheit dass mir bald etwas, wovor mich meine Eltern gewarnt haben, zum Verhängnis wird. Es ist demgegenüber ein tolles Gefühl, wenn die Musik wichtiger, gültiger, kräftiger wird als das, was ich zu schreiben habe. Einfach zurücklehnen, auf den Boden legen und die Musik ihre Wahrheiten sprechen lassen. Es war letztens total schön, mit Schildi einfach nur Romee zu spielen und Aufnahmen anzuhören, die wir vor einem halben Jahr aufgenommen haben. Die Idee, Hintergrundmusik für ein langes, ruhiges, meditatives Romee-Spiel zu machen. Und noch toller wäre es, wenn die Musik, die ich mit ihm mache, von uns nachts über die Stadt gestrahlt wird. Es wäre so toll, wenn ich ihn seit 20 Jahren oder so kennen würde, er wäre mein allerbester Jugendfreund gewesen. Mit Schildi eine Nachtsendung machen, incl. Botschaften und Samples. Das wäre ein toller Beruf und irgendwie ein tolles Leben. Genau das machen was man will, sich immer weiter entwickeln, immer mehr ausbreiten, immer neue Sachen probieren, alles in einer gemütlichen Dachboden-Wohnung. Feste, zentrale Bezugsperson, Ruhepol, Heimatgefühl. Ich habe den Gedanken, mir zum Ziel zu setzen, ein richtig ergreifendes, rührendes, ehrliches Lied zu schreiben. Ein Lied in dem ich ehrlich weinen kann. Ich möchte ja nicht immer nur etwas performen/darstellen, sondern auch mal ganz aufrichtig meine Sentimentalität und Ergriffenheit ausdrücken. Ein therapeutisches Lied, der Schreibprozess ist ebenso therapeutisch wie das Singen selbst. - Ein intensiver, bunter, aufregender Tag geht kalt und übermüdet zu Ende. Ich habe Lust, die nächsten Tage durchzuschlafen und am ersten wachen frischen Tag mit Schildi Musik zu machen und Karten zu spielen. Es könnte alles so einfach sein, wenn ich mir nicht dauernd bewusst wäre, dass alles nur ein großer Betrug ist, dass ich Opfer meiner Hoffnungen und Ängste bin und dass ich völlig fehl am Platz bin und dass niemand meiner Freunde etwas mit meinem Lebensentwurf anfangen kann. Lieber noch werde ich verachtet als von Leuten, die mich nicht verstehen, "interessant" gefunden zu werden. Ein banaler Gedanke, aber ich kaue ihn gerade und dieses Kauen ist anstrengend, aber führt zu nichts, vermutlich macht es mich nur ein bisschen älter und unbestechlicher. Irgendwann kann ich mich selbst nicht mehr mit Hoffnung bestechen - dann könnt ihr mit mir machen was ihr wollt...
08 April 2015
8.-16.04.15
8.4.
wenn man sich bewusst wird, dass earth died screaming ein liebeslied ist, bekommt man lust an ästhetischen kontrasten. sunny love song auf einer beerdigung etc. - mögl. ein 2. Ich konzipieren aus den Zuständen unter Cannabis. Aufspaltung des Reichs. Unter Gras fühlt man sich so als wenn man sich taumelig freut und ängstigt zugleich. Aber sowenig Grund zu Angst besteht, besteht auch Grund zur Freude. Oder verschärft es die Sensoren, die Angst- und Freude-Reize aufnehmen? Fakt ist: es macht Spaß traurig zu sein. In einem kalten ärmlichen blauen Zimmer zu sitzen, grauer Frühlingshimmel, leichte Sonne.
WaterBong mit sehr gutem Gras. Schönster Taumel mit grundlosem Panikgefühl, die Intensität des Lebens kann panisch machen, weil es keinen Grund gibt, mit ihr etwas anzufangen. Aber es braucht keine Gründe etwas zu tun: erste Maxim wenn man nicht depressiv werden will. Nochmal kurz in die Kindheit geschlüpft. Nein ich erkenne nur, dass ich nicht gealtert bin, bloß mein Körper. Der Mensch ist nur in der Kindheit etwas wert. Ab 13 Jahren wird er nur noch größer, er wuchert und bekommt Falten und graue Haare und stirbt irgendwann. Dieser Mensch ist abzulehnen, wenn wir ehrlich sein wollen. Ich nehme Pfeffer um die Panik zu beruhigen, nicht dass sie wütend wird. Ich spüre wie die Magenschleimhaut-Drüsen der Reihe nach von einer weichen elektrischen Flutwelle aktiviert werden. Ein angenehm würziger Schmerz. Ich hab gleich ein paar Tränen hoffentlich im Auge, da ich grad daran denke, was ich alles hätte schon haben können, vielleicht schon auf der Stufe auf der Tom Waits 1985 war.Aber ich hab getrödelt, nein ich brauchte mehr Zeit, zum Glück hab ich es noch nicht geschafft. Ich fang erst langsam an, etwas wirkliches zu sagen. Bekifft sein ist wie eine panischere, aktivere Art des Träumens, welches mit dem Wachbewusstsein gemeinsam die Stellung wahrt. Die Indianer haben früher, wenn sie keine Lösung für ein Problem gefunden haben, sich gemeinsam einer Gras-Sitzung unterzogen. Meine Frage bildet mein Gesichtsausdruck, während ich mir die leere, kalte, einsame, ereignislose Halle meiner Zukunft vorstelle. Blume3 wird ein unter Cannabis geführter Bericht über das Verfassen und Konstruieren des kalten, insomnischen Blutpumper-Buchs. Dort die Arbeit, dort der Sumpf im Hintergrund. - Wenn ich jetzt nüchtern das alles hier nochmal lese, werde ich den Reiz nicht verstehen, ach so, im Hintergrund läuft gerade Sour Times. -> Ich muss das nüchterne Bewusstsein dazu bekommen, hier zu sein wo ich jetzt bin. Eine Wegbeschreibung. Oder ist es wirklich nur eine hirnhormonelle Frage? <- So, es wurde alles gesagt, was es jetzt hier zu sagen gibt. Ein blaues und ein grünes Buch. Es ist nämlich wichtig dass ich mir nichts vormache.
13.4.
Wichtige Beobachtung: die Wohnung macht seltsame Geräusche oder ich glaube es hat geklopft. Der Gedanke, dass gleich jemand im Türrahmen steht den ich nicht kenne, der Augen hat die mir etwas sagen sollen. Oder eine geisteskranke Freundin terrorisiert mich. Oder plötzlicher Herztod. Ein sehr schwüler Aprilabend, draußen haben Leute Spaß, mein Neid über ihren Leichtsinn, ihre Lust an der Nichtigkeit. Ich als Fremdkörper unter ihnen, gedrückt vom ersten und letzten Ernst der Dinge. Meine Asexualität grenzt an Todes-Obsession. Mein Gehirn verachtet Leben und Tod - ich spucke auf alles drei. Ich habe Lust mir eine Verletzung anzutun, die mein Leben in eine ernste Angelegenheit verwandelt. Ich bin dem Wahnsinn so nah wie einer absoluten Selbsterkenntnis: die Zersetzung des Ichgefühls wollen und den Verlust der Selbstkontrolle fürchten. Zwischen meinen Möglichkeiten herumsitzenm herumtrödeln. Panisches Nichtstun. Ekstatische Langeweile. Die Wärme macht mich weich, die Dunkelheit tröstet. Was immer auch passiert, ich kann ein Leben daraus machen. Nordkorea zielt mit Atomraketen auf Amerika, religiöse Fanatiker morden sich durch die Wüste, jeder glaubt was, jeder hofft was. Die Menschen sind eine widerliche Spezies. Solche Sätze machen nur Sinn in einer Welt, in der es eine Instanz gibt, die Menschen richtet. Mit meiner Misanthropie will ich mich nur als etwas von Menschen Unterschiedliches darstellen, um mir das Gefühl zu geben, ich hätte ein Recht darauf, von der bald heraufkommenden Katastrophe verschont zu werden. Niemand sieht mich, niemand hört mich, die Menschen werden immer wahnsinniger, die Welt ist instabil, ich nehme in allem nur Eigenschaften wahr, die ich auch habe und loswerden will. Ich bin ein Amokläufer, der nicht Amok läuft. Bekomm ich für meine Inkonsequenz einen Preis? Sehen die Leute, was ich leiste? Ich hänge zu sehr an meinen Freunden, als dass ich explodieren könnte. An jedem Menschen interessiert mich der Punkt, ab dem er sämtliche Ideale aufgeben und etwas Schreckliches tun würde.Diese Gereiztheit nach einer durchwachten, alkoholisierten Nacht unter ekligen Menschen ist wunderbar. Ich liebe es meine Grenzen auszutesten. Ich liebe an extremen Stimmungen, dass ich sie nicht anzweifeln kann. Hier bin ich authentisch, das MÜSST ihr mir einfach abnehmen. Wenn man sich nicht mit den üblichen Standarts zufriedengeben kann, bleibt bis zuletzt die Hoffnung, dass die Extreme ein bisschen Wahrheit und Heimat und Sinn und Stabilität geben. Einen Schritt weiter, und die Extreme selbst sind nicht extremer als irgendetwas anderes. Wenn ein Mord endlich genau so infrage kommt wie ein Kuss... Der Mensch ist nur authentisch, wenn er nichts tut. Jede Tätigkeit distanziert ihn von seinem Kern. Jedes Organ in mir zieht die Konsequenz aus allem was es weiß: ich liege faul in der Wohnung und kämpfe mit meinem Wunsch, den Reis, der in der Küche köchelt, verbrennen zu lassen. So vieles sich von mir auch distanziert, ich kann nicht anzweifeln, dass ich vollkommen verknallt in dich bin. Gäbe es dich nicht, könnte ich mich von meiner Distanz zur Welt nicht distanzieren. Zum Glück ist es ein Vorurteil, dass Liebe vervollkommnet. Ich schau mal nach dem Reis.
15.4.
Lyrik und Prosa die sich in der Poesie verliert, ist nur sinnvoll wenn sie sich gegen die Alltagsgewohnheiten wenden will. Manchmal sollte Literatur aber auch Alltagspathos nehmen. Lass dich von meiner Sprache nicht aus deinem Alltag reißen, d.h. -> konzentriere dich nicht allzu sehr auf den weißen Raum, in dem ich dir etwas in deine Vorstellung schreibe, z.B. "Ich kacke aus dem selben Grund nicht auf mein Klavier, aus dem ich meine Nachbaren nicht einlade, mir zuzusehen, wie ich gerade zu Catpain Beefheart playback herummimikuliert habe. Man müsste mal Cannabis nehmen und zu Musik von zu hören, die nicht unter Cannabis-Einfluss entstanden ist. Kontraste könnten wichtig sein, also lieber immer ein paar in der Tasche haben.
Ich liebe die Verwirrung meiner Gedanken und Gefühle, ich möchte sie nicht gegen eine klare Struktur eintauschen, nur kleine Leitplanken können her, die mich nicht in einen Baum krachen lassen.
Die Tatsache dass das Leben endlich ist, ist nervig, denn es könnte ja auch ganz anders sein. Ärgerlich. So ärgerlich, dass man schon gar nicht mehr richtig daran glauben will. Wie Menschen ohne Beruf mit diesen Tatsachen umgehen, und inwiefern heute die Wissenschaft diese Tatsache noch besessener als früher zu umgehen versucht, verrät ihnen Torsten Neumann im nun nachfolgenden Bericht. Ich verabschiede mich nun noch nicht, denn die Sendung geht noch weiter, zwinker. Ach ja, das ist ja keine Talkshow, sondern eine Erinnerung. Tief in den Lücken zwischen den Sätzen wartet ein wirklich wichtiger Gedanke, tief versteckt im losen Dickicht dessen, was ich nicht geschrieben habe. - Ich muss immer etwas Rationalität gegen die Leere drücken, damit ich weniger Angsthormone produziere. - Seit neustem habe ich die Prozessor-Temperatur der Maschine die ich zum Schreiben gerade benutze, unten neben der Uhrzeit im Blick. Stabile 45Grad um 21 Minuten nach Mitternacht. - Ich glaube Captain Beefheart hätte merh Erfolg gehabt, wenn er bessere Texte hätte, nicht so dadaistischen Nonsense, sondern schärfere, alltagsfähigere Gedanken und Sprüche und Bilder.
Ich würge die Katze des Nachbarn, weil ich lang nicht geweint habe
ich hab mein Baby seit Tagen nicht gesehen
und natürlich würg ich die Katze nicht
ich wollte nur ein bisschen mit dir spielen, Baby
ich bin ein dreckiger Lump und du bist auch nicht besser
lass uns dazu stehen und zusammenziehen
aber niemals mehr arbeiten, Baby, Amerika muss sterben
Alkohol beruhigt die Nerven und Amerika muss sterben
das Wirtschaftssystem ist mir egal, die Religion auch,
und mich juckt auch Rassismus und Krieg nicht mehr
alles was ich will ist an deine Zuckerschnecke
am Ende bleiben ja doch nur wir zwei, Baby
Na vielleicht war das jetzt auch nur ne Parodie
oder stumpfes, albernes Nachgeäffe
so wie alles nur blödes, nerviges Nachgeäffe ist
wir sind zwar keine Affen mehr, aber trotzdem nicht besser
Ja genau, warum nicht ein bisschen Lyrik-Scherze schnitzen
schaut, ich schreibe in Versen und schon ein anderes Genre
Was ist der Unterschied zwischen einem Lyriker und einem Prosa-Schreiber? Der Prosa-Schreiber drückt nicht so gern auf die Enter-Taste. Dieser Witz ist ein glücklicher Sternenhimmel, der wie ein frisch aufgewachter Junge im glitzernden Schlafhemd grinst. Der Glitzer ist eng mit dem verbunden, was gestern abend passiert ist. Und doch hab ich keine Lust, aufzustehen. Die Lyrik von heute ist undeutliches Genuschel von Leuten die früher nur wenige Freunde hatten. Wichtige Frage: warum erlauben wir, dass Bücher, die uns früher schon gequält haben, im Lehrplan der Schulen bleiben? Warum befreien wir die Lyrik nicht von all ihrem alltagsfernen, anstrengenden Image. In Wirklichkeit sind ja die ganzen populären Filme und Bücher total alltagsfern und anstrengend langweilig, so anstrengend dass der Masochist in uns geil wird. Die Frage ist, ob du Musik gut findest, die langweilig ist. Ich wünsche mir von der Wissenschaft eine Definition für langweilige Kunst und eine Beschreibung der Langzeitfolgen. Was langweilig ist, entscheidet nicht der individuelle Geschmack. Langeweile ist objektiv messbar und wirkt auf jeden menschlichen Körper gleich, wird emotional nur individuell verarbeitet. Also Modern Talking ist objektiv langweilig, aber nicht alle Menschen spüren die Abnutzungserscheinung der körperlichen Substanz, die notwendigerweise mit Langeweile einhergeht. Ich denke, man wird bald nachweisen können, dass es Musik gibt, die den Alterungsprozess beschleunigen kann und andere Musik ihn hemmen kann, denn Musik beeinflusst die Gedanken und den Herzschlag und die Hintergrund-"Seele", und dies alles und noch mehr beeinflusst den Körper dann. Jetz komm ich mir betrunken vor. Ich brauche jemanden den ich lieb, um mir die Richtung zu zeigen. - Das kalte Insomnia-Buch kann ich nicht unter Gras schreiben, das ist mir gerade klar geworden, aber jetzt zweifel ich auch schon wieder daran, dass es unnütz ist. Aber konzentriertes Arbeiten könnte unter Cannabis Verschwendung von Möglichkeiten sein. - Jeder möchte so lang wie möglich zu Herzen gerührt sein. Das beste, was den meisten Leuten einfällt, ist heiraten. Arme Idioten. Ich muss das Gefühl lieben lernen, das an dem Gedanke hängt, dass mein Leben ein ereignisarmer Platz ist für Wahnideen, die niemals zünden. "Wem passe ich meinen Schreibstil an?" frage ich mich wie ein Junge im dunklen Märchenwald, der sich verfolgt fühlt. - Man muss das Gefühl, dass man allem für alle Zeiten überdrüssig ist, so lang wie möglich auskosten, um so genau wie möglich herauszufinden, was man dagegen tun könnte. Wir stürzen regelmäßig über diese gefährliche Ballance, Altersfalten sind Wunden, die bei diesem Stürzen entstanden sind. - Ich habe Angst, vielleicht schon eine leichte, weiße, hektische Todesangst, in irgendeine konkrete Richtung zu streben, irgendetwas zu glauben, denn auch hier wittere ich die Gefahr, älter zu werden. Wenn ich kein konkreter Mensch bin, kann ich auch nicht konkret leiden und sterben. Indem ich mich zu nichts bekenne, versuche ich mich aus der Zeit zu verdrücken, einen Bogen um die Stadt, um das Universum zu machen. Wer nicht losläuft, kann nicht ankommen. Wir sind faul, wenn wir genau wissen, worauf alles hinausläuft, aber uns nicht damit abfinden wollen. Wir bleiben einfach stehen, wir verschränken die Arme und schauen den grauen Schleier des manischen Lebens an uns vorbeiflattern. Manie und Depression sind zwei Hunde, die sich anschnuppern. Was fang ich mit ihnen an? Gibt es "jemand", der etwas damit machen könnte? Oder bin ich nicht Ich, sondern nur mal "manisch" und mal "faul" und mal "angestrengt" und mal "glücklich" und mal "ängstlich" etc.? Die Masse meiner Eigenschaften soll sich nicht einigen, ich hab Lust alles aufzufressen. Jetzt will ich auch nichts mehr erklären. - Aber manchmal lohnt es sich, an Sätzen ein bisschen zu arbeiten, aber nicht immer. Je länger man an einem Satz arbeitet, desto näher rückt man dem Gefühl, nichts zu sagen zu haben.
16.4.
Brahms und Cannabis machen Sinn, wenn man beides ernst nimmt. Ich fühle mich wohl in meinen zwei Büchern. Stumme Euphorie. Klopfen an der Tür. - War bei Christian drüben, ein intensiver taumeliger FeelGood-Movie-Stil, directed by Jim Jarmush. (Wenn Christian an nichts glauben würde, würde er vor Scham im Bett bleiben. Mich hingegen hält jeder Glaube im Bett - ohne mir ein Gefühl von Stolz oder Scham hervorzulocken.) Ich sehe wie alt Christian wirklich ist, irgendwas zwischen 11 und 16 Jahren. Alles was anders an ihm scheint ist Fassade. Manches was er macht ist unglaublich lustig, er ist der beste von den schlechten Schauspielern. Ich glaub ich kann jetzt dilettantisch schreiben, ohne abzugucken. Das Studentenfutter was mir der aufgedrehte Christian gegeben hat, war sehr lecker zu mir. Ich darf mich nicht schämen, dass mein Humor-Areal grad sehr empfindlich reagiert auf mittellustige Reize. Das blumige Taumeln, diese narkotische Euphorie ist großartig, Brahms liefert die beste Kullisse. Ich spüre dass das Licht, das von draußen über meine Tastatur streicht und gegen die Brandung meines Zimmerlichts kracht, Abendlicht ist. Dies ist ein weiterer Abend in meinem Leben. Manchmal gleitet man ohne es zu merken vom gelben Nachmittag in den rosa-dunkelblauen Abend, man spürt sich wie man früher die Abendstimmung als melancholisches Auspendeln eines langen, zu nichts-führenden Tages empfunden hat.
Unterwegs mit dem Diktiergerät.
25 März 2015
25.3.- Ein Klotz!!!!!
25. März
Lineare Geschichte. Kein Handlungsrahmen, nur eine Folge von Ereignissen. Ich besuche eine Zirkusshow, nasser November, geheimnisvolles Plakat, Max kommt auch vorbei, wir hören, es wären gefräßige Kakerlaken im Keller, die KInder haben schon Angst. In einem Raum sinniert jemand über Drogen, mit großen pinken Plüschaugen, er sitzt auf einem Schaukelstuhl, in einem Wasserglas. Ein alter Mann zieht das Fazit des Tages... wie alle Balladen nur Fazits des Tages sind. Ein Schiff geht unter, nur der Pianist sitzt für einen Untergangssong noch da wie auf einer schmelzenden Sahnetorte. Ein Freundschaftskreis zerbricht, während im Fernsehen dieser Song mit dem Video in dem Schiff gezeigt wird, .. er zerbricht weil alle woanders hinziehen, Heimat zerbricht. Ich bin wieder alleine. Mit mir im Raum eine russische Folkband, den letzten feuchten Schmatzer, bevor ich wieder aufwache. Wir werden durch einen Zirkus gebracht, in dem grad geübt wird, der Himmel ballt sich zu einer violetten Faust zusammen, ab in die Schlacht! Die Meute formiert sich. Ein Zeichentrick-Leguan-Detektiv dreht in einer Seitenstraße einen Werbespot. "Ich bin 24h für dich da, ruf jederzeit an, ich hab immer das richtige". Es gibt nur einen griesgrämigen alten Polizisten im Dorf, aber er ist wahnsinnig, er sitzt im Regen in einem Wäschekorb und schneidet sich die Fußzehen, hinter seinem irren Wahnsinn versteckt sich ein irres Wissen, aber die Gefahr wäre zu groß, dass der Wahnsinn alles kaputt macht, der Drache behütet die Schatztruhe. Opa sitzt im Frühling in einem wunderweichen Kirschblüten-Park, füttert im orangen Sonnenuntergang die Tauben. Er weiß, zum letzten Mal. Die Plattenseite wird gewechselt.
Es wird dunkel. Er sinniert über den Verfall, die unerreichbare Liebe, dürftige Kompromisse, wir werden es alle nicht mehr lang mitmachen hier! Niemand hat irgendetwas mit uns vor! Wir sind hier in der Welt gekettet, bis wir ins Nichts gekettet sind. Eine Krähe wühlt in einem Totenschädel, eine brennende Mülltonne, ich stoße sie den Abhang runter, niemand interessiert sich mehr für irgendwas, nur noch für Extreme -> Definition von Abstumpfung. Die Kanäle werden enger. Lang geht das nicht mehr... Ein Alter stellt seinen Sohn vor, der gerade seinen Sohn beim Kiffen erwischt hat und damit prahlt, dass es ihm egal ist, denn er ist für seinen Ruin selbst verantwortlich, "irgendwann kommt die traurige Stunde, an denen ihr feststellt, dass eure Kinder Gras geraucht haben, wo sie hätten im matheunterricht sitzen sollen bei mir, aber sie haben versagt, aber es muss wissen was er tut" Ist das Captain Beefheart der den alten Mann spielt? :-) Ein Mann auf meinem Hinterhof will mir ein schlechtes Gewissen machen wie Tom Waits in "Who Are You"... Er hat tränen in den augen und er versucht mir händegringend etwas zu erklären, es hat irgendwas damit zu tun, dass ich meine Jugend verschwendet habe, dass ich wesentlich abgestumpft bin, dass ich keine großen Gefühle mehr habe, alles nur Nervenlichter, kein richtiges Gewitter. Ein Leben auf Distanz, hinter der Fensterscheibe, bloß weil es regnet. Warum nicht in den Regen rein? Es wird nie mehr so sein... Ich hasse mich für meine Unfähigkeit, darüber zu weinen. Ich muss die Unfähigkeit knacken, wenn ich mich nicht weiter bemitleiden will. Diesen Text niemals veröffentlichen. Ich schreibe über das Thema "Ich", weil es mir auch jenseits meines möglichen Ruhm wichtig wäre, darüber etwas zu erfahren.Ich schreibe um das, was ich mit einer Gemeinschaft haben will, die Musik und die offenen Kanäle und Möglichkeiten, das große rotgemauerte Wort Möglichkeit, davon geht alles aus... all das alleine ist nur die Vorstufe oder ein letzter trauriger Abschied von dem bunten Feld Leben, das so viel für dich vorbereitet hat. Aber es hätte nur gemeinsam Sinn gemacht. Was für ein peinlicher letzter Satz für ein Testament. Nein, ich häng mich doch nicht auf. Ich muss nur die Dramatik anziehen. Das wird der letzte Satz sein, bevor ich etwas wirklich Böses tue. Nichts Virtuelles mehr. Ich habe seit kurzem intensive Träume davo, wie ich bei meinen Eltern total ausraste, in meiner Schulzeit noch, unheimlich intensiv. Intensiver vielleicht als ich wirklich empfinden würde... vielleicht unter Gras. Wo soll ich also heute nacht hin? Max nimmt mich auf. Er ist auch bald mit der Schule fertig. Dann fangen wir an eine Band zu machen. Wir sind Anfang 20. Da kann man ja mal was anfangen. Die Melancholie am Ende einer Epoche verdient bessere Musik. Jeder Tag kann existentiell werden. Wenn er nicht als existentiell wahrgenommen wird, ist er um so existentieller, aber pss! Wir müssen den anderen ja nichts sagen... Lass sie weiter auf die grüne Glühbirne starren und Substanz abbauen. Wir holen das beste aus unserer Substanz heraus, wir sind nicht so schamlos wie die Glühbirne. Ach glotz mich nicht so an, ich hör schon auf. Nebel, Mondsichel, Akkordeon. Der schon wieder. Ich kicke eine Katze über die Hecke und rauche meinen Isolite, nein ich roll ihn nicht zu einem Joint zusammen, zwinker. Niemand hier unten hört mich. Vielleicht ist es gerade authentisch, wenn ich nicht berühmt bin, da ich dann für die schreibe, die so klein und erbärmlich sind wie ich... Hatte ich glaub ich auch schon... Ach, vielleicht ist hier unten einfach nichts mehr los. Da am Horizont wartet eine Sehnsucht, aber vielleicht verwirklicht sie sich ja gar nicht... Vielleicht werde ich bald nicht mehr viel wollen und hoffen können... Um so dringender muss ich Rabatz machen. Ich hasse reiche Musiker, sie sind so weit entfernt von dem Leben dass ich führe. Hab ich das nicht auch schonmal geschrieben? Als ich sagte... hihi ich will mit meiner Selbstwiedersprüchlichkeit berühmt werden.... LAUT! Eigentlich bin ich nur ein dicker Junge, der LAUT sein will, aber lang nicht mehr laut war oder sogar noch nie? Wer weiß... Denn zu schrien passt nicht zu ihm, deswegen schreibt er Bücher, aber hier, an dieser Stelle kann man sehen, dass er sich bewusst ist, dass er darüber schreibt, sich auf das echte Schreien, den schten Ausbruch von Leben vorzubereiten. Holterdipolter. Es gibt zu wenig Leute, die sowas wie Tom Waits machen. Ich würde auch eine deutsche Kopie von Tom Waits gut finden. Es ist immer noch originell, wenn man originelle Musik persifliert. Vielleicht entwickelt sich die Tom Waits Parodie selbstständig weiter und kann später sagen: "Früher haben wir als Tom-Waits-Imitaten angefangen, zu uns zu finden. Erst muss man was nachmachen, um mit dem Material vertraut zu werden, dem Material dass sich durch Dekaden hindurch verändert. Jetzt ist die Dekade zwischen den "durch"s geflogen wie eine Fliege im Raum." Wir müssen noch mehr imitieren... Also ich imitiere Emil Cioran und einen Nietzsche der von Bukowski auf dem Teppich gehalten wird. Die Einflüsse vermischen sich immer besser, sodass sie nicht mehr identifizierbar sind. Jeder Autor mischt seine Einflüsse zu einem individuellen Stil. Es geschieht nicht unbewusst, denn er korrigiert ja immer das, was aus Gewohnheit hinaus will, und der neue Maßstab ist der Einfluss. Es gibt keinen Originellen. Es gibt nur Leute, denen man nicht gleich ansieht, dass sie nur imitieren. Ich glaube, jeder kann sich Originell scheinen lassen, wenn er zwei unpassende Originale in einen Topf wirft und als sein Genie wie einen Revolver aus der Hose zieht. Außerdem ist es wohl möglich, zu versuchen jemanden zu imitieren, während man berauscht ist. Die beste Wahl des Rausches kann das Genie ausmachen. Vielleicht Leute imitieren, die nie diese Droge konsumiert haben. "Wie Bach auf LSD" Wenn man als erstes Musik an diese Idee anpasst, wird man von Musikjournalisten beschrieben mit der originellen Metapher "wie bauch auf lsd". Je origineller die Metaphern im Review, desto origineller das Album. Jeder muss irgendwie sein Ich zusammenbacken. Ich muss was seltsames machen, dann beschäftigen sich Leute mit mir. Ich hab ja immer noch keinen festen Freundeskreis, ich werde da nicht aktiv einschreiten, aber er ist immer noch nicht da... Los Leute, ich hab um 7 einen Termin. Alles noch nicht da. Ich kann und muss mich nicht konzentrieren, dass ist die Tragik: ich bin mir dessen bewusst. Ich sehe bewusst zu, wie mein Leben zusammenbricht. Eigentlich hätte ich nur eine Bedeutung, wenn man meine Texte nach meinem Tod liest. Einer der vielen Außenseiter dieser Zeit. Wenn man sich für Außenseiter in der Literatur interessieren würde, würde man nicht so sehr das lesen, was angesagt ist. Es wäre ein Paradox, wenn ein Außenseiter-Autor Erfolg hat... Denn mit seinem Erfolg würde er sich von den ganzen erfolglosen Außenseitern entfernen. Ich bin nur einer von Euch, wenn ich arm und unsichtbar bin wie ihr. Aber dann würdet ihr mich gar nicht ehren, weil ich niemanden ehre... Etwas verzwickt. Mach ruhig eins weiter. Ja, hier ist wieder der Gedanke an das Extreme. Ich sitze wie ein alter Cowboy auf der Ranch, mit der Schrotflinte auf dem Schoß, einem Vaporizer in der Hand, und er fragt: "Was kann ich JETZ noch tun!?" Gleich kommen die Schmerzen wieder, wenn du dich nicht entscheidest... wer hat das grad zu mir gesagt? Was kann ich jetzt noch mit meinem Leben tun? Jetzt, da es so weit vorangeschritten ist in die Sackgasse. Ich versuche mit Spiegeln das Sonnenlicht umzulenken in die Menschenmasse, aber ich werde nur herausgetragen von gelangweilten Security-Onkel. Man wird sich nur an mich erinnern, wenn ich jemanden töte. Das ist ein Fakt. Hallo, ja ich bin hier unten im Buch. Ich weiß, was ich hier schreibe. Siehst du? Das hier ist die Vergangenheit, in der ich dir diese Worte hinterlasse... Ich klopfe mit diesem Text aus der Vergangenheit an die Zukunft an... Siehst du, wie sich das Blatt bewegt? Na? Hältst du es wirklich ruhig? Oder wackelt es ein paar Millimeter? Wenn du merkst, dass ich jetzt mit dir Kontakt aufgenommen habe, dann wackel mal mit dem Buch oder stupse halt den Monitor an, oder wenn dir jemand vorliest, dann stupse dir mal an die Nase, damit du mir zeigst, dass ich Kontakt mit dir aufgenommen habe, ja, das kannst du auch machen, wenn du das hier liest. Los! Also wenn du dir jetzt an die Nase stupst, dann bist du gerade an dieser Stelle und zeigst dir, dass du mit mir in Kontakt treten willst, wenn du dir nicht an die Nase greifst, steht die Verbindung noch nicht. Selbst ich hab mir jetzt die Nase gestupst. Also ich schreibe, um mit dir der du gerade hoffentlich angestupst wurdest von dir selbst, also dieser Stubser, das war natürlich ich, aber dafür musste ich eben deinen Finger benutzen, was blieb mir auch anders übrig? Und ich weiß, dass es auch möglich ist, dass du dir nicht die Nase gestubst hast. Ich wollte halt sagen, dass ich dich in deiner Welt beeinflussen will... Huhu, ich bin ein Buch. Wir sind Worte... Oder? Nein! Wir sind nicht mehr... Jemand hat uns auf diese Seite montiert und dir in die Hand gegeben, er hockt dort drüben über der Kreuzung hinter einem Gebüsch und kaut wie ein glücklicher Dieb an seinen Fingernägeln vor Freude, denn du stellst dir all das vor... Ich habe etwas in dir bedient. Ein neurologisches Detail. Du siehst jetzt ein bisschen besser, dass dies nur Worte sind... Du tust erstmal so, als würde ich die Worte so benutzen wie du, also ein Baum ist für mich genau der Baum der dort auf der Wiese steht... du schaust ihn dir an und siehst trotzdem einen Baum der ganz anders aussieht, nämlich so wie hinter diesem Vorhang, der gerade langsam aufgeht: -> ein Baum, präsentiert von einer sexy Krankenschwester auf einem Tablett. Ein schöner Marzipan-Baum. Das was du dir vorstellst, wird allein von Buchstaben ausgelöst. Wollen wir es mal soweit treiben, dass du keine Vorstellung mehr entwickeln kannst? Dass du also nichts mehr verstehst? Vielleicht könnte man aber auch das Nichtverstehen uminterpretieren als einzig provozierter Geistes-Zustand. Manche Menschen müssen verwirrt werden. Die Leute brauchen außerordentliche Erlebnisse, damit das anständige Leben in den üblichen Mustern nicht mehr attraktiv genug ist. Das ist die Aufgabe der Künstler. "Du kannst doch mehr aus deinem Leben machen als das", steckt in jedem guten Lied, es kommt darauf an, ob man es vor dem Aufstehen oder vor dem Zubettgehen hört. Musiker können sich eigentlich nur an jüngere wenden... "So ist es hier" ... Denn nur die jüngeren können sich entscheiden, etwas anderes zu werden... weil sie vorgewarnt wurden. Ein Älterer würde nur voller Reue den Warnungen der Jüngeren zuhören. Sowas muss man ihm ersparen, denn es lohnt sich für niemanden, wenn man traurige, alte Versager fertig macht. Manche Tiere müssen einfach im Schlamm versickern. Was hält uns noch am Leben? Eigentlich nur die Zukunft dort vorn. Du willst doch nicht hier bleiben? Nein oder? Das soll es sein? Ich weiß, du wisst das nicht... Also mach doch mal was neues. Oder? Auf was warten? "Jeder ist Gefangener seines Alters", lasse ich einen dicken Biersäufer sagen, um davon abzulenken, dass das mein Gedanke war. So ein dicker Bauch. Ja, ich muss die Batterien wechseln, damit ich wieder mehr ignorieren kann. Hier in der Fülle komm ich mir vor, als würde ich stillstehen. Bewegung ist nur mit einer Abschwächung geistiger Prozesse möglich. Wann kommen einem schon gute Gedanken bei körperlicher Anstrengung. Dort steht der Genuss der Körperlichkeit an erster Stelle, die Gedanken müssen sich dem unterordnen. Ich fast allen Liedern von Tom Waits regnet es, aber das Album "Real Gone" ist eine staubige Dürre, roter, rauher Wüstenblues mit Boom-Box. Wenn man politischer wird, kann man das Klavier auch mal weglassen. - Mir fällt gerade auf, wie desinteressiert ich bin an den Antworten, die Leute in meiner Situation vielleicht erhoffen. Ich erwarte wirklich gar nichts, weder Liebe noch Erfolg noch Glück noch ein langes, interessantes Leben. Ich kann nicht nach vorn schauen. Never Let Go. Wenn das hier eine Serie wäre, dann würde das jetzt das Finale einer Staffel sein, einer Ver-serie-ung meiner Karriere. Tom Waits hat viele Folgen-Abschlüsse untermalt. "Von wem willst du dir was sagen lassen?", sollte über jedem Plattenladen geschrieben sein. Der Komposthaufen muss Preise vergeben. "Der Goldene Maulwurf". Ein Staffelpreis, der jedes Jahr von dem Vorgänger verliehen wird, der neue Maulwurf ist das Kind des alten. "Der Goldene Maulwurf für das beste imaginäre Tages/Jahres-Finale". Oder "Das beste Lied gegen die Todesstrafe".. z.B: "Walk Away" von Tom Waits. Nach einem Fehler nochmal von vorn anfangen. Willst du dir von Leuten Gesetze aufschwatzen lassen, die dir einen Fehler nicht vergeben würden? Es ist gruselig, wenn Vater Staat seine Bevölkerung tötet, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden. Wie kann man Lust haben, so einem kalten Staat zu dienen? Es ist schade, dass nicht alle Menschen diesen Grusel empfinden wie ich. Ein strammer Mann wird sich an dieser Stelle rühmen, nicht diesen Grusel empfunden zu haben beim Gedanke, dass ein Vater seinen 30jährigen Sohn hinter der Scheune erschießt, weil er den Nachbarsjungen getötet hat. So einen Vater würde man verdächtigen... Aber den Staat würde man nicht verdächtigen, wenn er einen Menschen, der nicht spurt, tötet? Jedes Argument dagegen würde mich nur noch trauriger machen. Es ist unglaublich, wieviel wir uns gefallen lassen. Ein Satz für ein Plakat. Und darunter ein NPD-Logo. Ich hab grad das Gefühl, mir eine Ohrfeige geben zu müssen. Ein Tom-Waits-Lied leiser zu machen heißt, sich nicht in ihn reinversetzen zu wollen. Aber geh ruhig durch, du kannst es ja demnächst mal wieder versuchen. Es könnte eine Krankheit sein, wenn man den Ehrgeiz hat, ein verfilmenswertes Leben zu führen. Eine Krankheit, die sich der Mensch in der Küche des Showbiz eingefangen hat. Ohne diesen Schlamassel wäre das nicht passiert... "Woanders wärst du glücklicher" ist ein gutes oranges, fruchtiges Morgenlied. Nur noch Lieder schreiben, die den Menschen von der Arbeit abhalten soll oder für sie neue Aspekte an ihrer Arbeit erkennbar machen soll. Wer von Musik nur den Moment vertiefen lassen will, kommt ohne Text aus, weil der Moment für sich spricht. Jeder Text drängt den Zuhörer in eine Richtung. Der Texter wählt nur Musik dazu, wenn der Text nicht für sich sprechen kann. Deshalb überragt der Text die Musik, weil man sich die ehrgeizigen Glubschaugen des Vortragenden vorstellt, wie er versucht an die Musik ranzukommen. Wenn er es nicht schafft, war er doch wenigstens im Mittelpunkt. Dann hat er was zu erzählen, wenn er mit seinen Freunden vom Konzert geht und den Tag Revue passieren lässt. - Wird jemand mal ein ernstgemeintes Lied über mich schreiben mit dem Text "er war ja noch so jung und hatte so viel vor, bemitleiden wir ihn noch ein bisschen für seine ungenutzten Fähigkeiten, singen wir noch ein bisschen, ich bin bis 19uhr gebucht, bis dahin kann ich alles geben", und dann kracht er nochmal heftig in die Tasten. Während die Kamera sich in den Himmel zurückzieht, erkennt man, dass es sich hier um die blumige sonnige Beerdigung handelt, bei der nur meine drei besten Freunde und ein mir unbekannter Freund meines Bruders anwesend sind. Wenn man mal alt ist, hat man keine Motivation mehr, ein schänes Leben zu führen, weil die Leute wegsterben, mit denen man das machen würde. Schlimm ist es eigentlich nur, wenn man jemandem wegstirbt. Wenn es niemanden gibt, der um uns weinen würde, ist es auch nicht schlimm zu gehen. Man weiß leider nie, ob noch jemand kommt oder nicht... Deshalb hält man den Kopf lächelnd oben. Es könnte schließlich jeden Tag etwas gutes passieren, und das will man doch nicht kaputt machen, indem man schlechte Voraussetzungen schafft. Ohne Musik schreiben ist wie Fliegenklatschen in einer leeren Garage. Ich will noch nicht wieder hier sein. Zeit für ein bisschen Ambient. Je stärker die Graswirkung desto besser, zumindest beim Schreiben. Ich denke mit diesen Gedankenprotokollen verfehle ich die Aufgabe des Buches. Ich sollte analytischer, lineaer schreiben. Es geht darum, was mit Gras möglich ist und darum, negative Folgen mit Schreiben zu verhindern oder abfedernd zu begleiten. Doch wohin sonst mit dem Gedanken-Blumenstrauß? Die alternierenden Eigenschaften des Gras nützen nur, wenn man etwas vorhat. Wenn du zufrieden bist, koppelt Gras dich in eine Metaebene ab, du verlierst den Moment, du benutzt nur seine Steigerungsernergie um woandershin zu kommen. Oder bist du nur ein Körper, der hin- und herschwabbt? Was würde ich machen, wenn ich nicht schreiben würde? Vielleicht nicht mehr als hin- und herzuschwabben. Ein Grund mehr, warum sich der Leser nicht mit mir identifizieren kann... Ich schreibe, er nicht. Alles schonmal dagewesen. Ein Autor wäre nur inspirierend, wenn er auf der selben Stufe steht wie wir. Es ist schwieriger, als unbekannter Autor einen unbekannten Autoren zu finden, als als bekannter Autor einen bekannten Autoren, mit dem man sich identifizieren kann. Sonst schaut man immer entweder nach unten oder nach oben. Das ist fast ein zu hartes Ende. Ich möchte mit einem guten Bild aufhören und krame nach Musik dafür. Was denken die Background-Sängerinnen von Bob Dylan über ihn und über sich? Wem will ich gefallen? Mach ich dieses Textende für mich? Nein, ich versuch was interessantes zu schreiben und warte, bis es die richtigen Leute lesen. Viele meiner Fragezeichen wirken wie Stinkefinger. Jeder verdient eine Bühne, der etwas klarstellen will... Es muss keine große Sache sein... Es reicht auch ein "Ich, weiß, dass ich lieblos wirke, aber ich liebe dich wirklich, Peterchen, aus der Wiesenstraße 13 in 87777 Bielheim". Jeder muss manchmal auf der großen Bühne etwas klarstellen. Ich schaue meine Hände an und sag mir: "So viele Menschen, die ihr auf dem Gewissen haben könntet!" Welche sentimentale Hintergrundmusik hält mich immer vom Mord ab? Ist es mein Ich? Meine Angst? Meine Schwäche? Meine Feigheit? Oder gibt es einfach noch nicht genug Gründe? Könnte ich alt sein ohne zu bereuen, niemanden getötet zu haben? Was nützt es uns, ohne Reue zu sterben? Nichts. Dann kann man auch Dinge bereuen, oder? Ich glaube, das ist der bessere Satz fürs Ende des Textes. Oder wollt ihr von meinen Mordphantasien lesen? Vielleicht hab ich gar nicht viel mehr mitzuteilen. Ist das ein neuer Gedanke? Ich habe noch Apfelmus und Haferflocken. Die kleckse ich gleich ineinander. Wenn sie gut schmecken, bin ich satt. Auf dem Weg dahin bemerke ich die Notwendigkeit einer Katastrophe, zu meinem Unglück (da ich Schriftsteller bin) muss es eine heftige oder wenigstens originelle Katastrophe sein. Die Künstler sind dazu verdammt, etwas interessantes aus ihrem Leben zu machen, sonst sind sie nicht mehr als Dekoration. Nur weil ich keine Deko sein will, muss Deko nicht schlecht sein. Aber in einer Welt wie dieser bin ich kein Deko. Vielleicht wünsche ich mir eine Welt, inder ich Deko sein kann... Vielleicht würde ich in dieser Welt so sein wollen wie die, die ich jetzt verachte. Vielleicht finde ich nur noch in Opposition Lust an mir und dem Leben, wo ich schonmal verstanden habe, dass alles was man tut nur eine Rolle ist. Wer versteht, dass die Stadt ein riesiges Theater ist, hat weniger Hemmung, etwas Lauter oder Schäbiger oder Schöner oder Witziger zu sein als der Rest. Nicht zu reden von denen, die die Fresse weit aufreißen, weil sie genau so mittelmäßig sind wie die Anderen, nur eben zur rechten Zeit des rechte Wort gesagt haben. "Lass es uns versuchen!" - Der Ausschuss ist entweder zu früh oder zu spät oder zu selbstunsicher oder schlichtweg zu unsympathisch oder sogar den Gelangweilten zu langweilig, dem Fouilleton zu gewöhnlich. Ist jemand besonders, wenn er versucht, etwas besonderes zu sein? Oder nur, wenn er zufällig, vielleicht sogar gegen seinen Willen etwas besonderes ist? Ich klinge wie ein Teenager, aber es muss gefragt werden. Vielleicht ist es eine Lüge, wenn ich versuche, etwas Besonderes zu tun? Ist es schlimm, wenn ich etwas erkrampfe, das nicht da ist? Ist es schlimm, ein Kind zu zeugen, wenn man ein Kind haben will? Jeder tut etwas, um etwas zu erreichen. Das hat Vor- und Nachteile. Es werden zu wenig Lieder geschrieben, die beschreiben, wie man von einer nervigen Jugend-Kulturveranstaltung in der kalten Nacht heim geht. Vergiftet von Alkohol und Hoffnung. Zum Glück fühlt sich die Melancholie gut an, sonst würde man sich ja ändern. Es muss Musik geben die sagt "Es ist gut so" und "So geht es wirklich nicht weiter". Manchmal sind Nouancen und Zwischentöne nervig, weil sie höchstens ambivalent machen oder einfach nur kurz rühren. Manchmal braucht es einen Hammer auf den Tisch, wenn die Faust nicht mehr funktioniert. Also was war das jetzt wieder? Element of Crime sind wirklich nicht mehr als gute Volksmusik, Florian Silbereisen mit Depressionen. Das Weltbild von Sven Regner nervt. Er gefällt sich in seiner biederen Ratlosigkeit. Lehramt-Studenten, die erproben wollen, ob sie noch was für bodenständige, "ehrliche" Poesie übrig haben, hören Element of Crime. Immer noch kein Apfelmus und Haferflocken. Jetzt aber. - Jeder Autor teilt nur mit, was er nicht kann. Die einen sind dabei ehrgeiziger als die anderen. Dieser Text soll Bestandteil eines Aufbruchs sein. Jetzt unbedingt Haare waschen, nachher ist Gruppe, war die letzten beiden Male schon nicht. Seit einer Woche habe ich ein Klavier, aber bin jetzt zu müde um zu spielen. Früh halb acht. Ich muss an dem Blutpumper-Buch weitermachen. Manchmal verkrampft man sich, wenn man spürt, dass man an einer existentiellen Sache arbeitet. Manchmal ist man aber auch zu entspannt, um überhaupt noch an etwas Existentiellem Teil zu haben. Das ist doch alles nur eine Vorstufe? Wieder ist dieses Gefühl da, etwas Dramatisch tun zu müssen... Werde ich diesmal die Gelegenheit wahrnehmen? Entweder ich bereite einen Zusammenbruch vor oder reflektiere schon über einen. Den Zustand einer Gesellschaft erkennt man daran, welche Musik populär ist. Was sagt es darüber aus, dass Tom Waits nicht so viel Erfolg hat wie ihn Modern Talking hatten? Ich finde es ekelhaft, diesen Bandnamen auszuschreiben. Aber ihr müsst wissen, worauf ich hinaus will. Bestimmte Musiker bekämpfen zu wollen ist genau so politisch wie sie zu unterstützen. Was können die Leute noch ernst nehmen? Ich wäre gern der Drahtzieher hinter einem Ereignis wie die Terroranschläge vom 11.9.2001. Die Gefühle, die man auslöst, die Leben, die man verändert, die Aufregung... Sowas ist doch ein Höhepunkt des Lebens... Sogar ein sehr fragwürdiger dazu... Das muss alles keinen Sinn ergeben, es reicht, wenn die Gefühle in Wallung kommen... Dafür ist man am Leben... Um sich in Wallung zu bringen und zu sterben... vielleicht fällt das Sterben leichter, wenn man sich nicht mehr in Wallung bringen kann... Vielleicht ist der Sinn des Lebens, die Lust an einem Sinn zu verlieren, so wie ein Text erst ein Text ist, wenn er keiner Idee mehr dient, sondern für sich selbst steht und ins Leere läuft oder sich selbst umkreist, sich selbst verdaut, weil die Worte es gerade anbieten, weil hier wieder eine andere Ebene ist. Ein Text der etwas aussagt, ist nur Beiwerk. Es geht um die Schönheit der Selbstverdauung. Seht, wie es sich auflöst. Jeder Buchstabe steht neben einem anderen, ab und an Leerstellen und i-Punkte und Striche wie diesen hier - und Satzzeichen.,'()!? Den Rest machst du. OHdbvfffdf9w8cc7. Was hab ich zu geben? Was müsste ich machen, um dir zu gefallen? Ich hätte gern eine Funktion hier unten, in diesem kalten, leeren Raum. Irgendwo muss ich meine Lust auf Zukunft herbekommen. Niemand hat gesagt, dass man diese Texte nicht ausmisten darf. So wie mein Leben nur eine Vorstufe ist, kann auch der Text noch eine Vorstufe sein. Lasst mich der erste Nobelpreisträger sein, der nur schreibt, um einen Nobelpreis zu bekommen, der es jedenfalls fest im Blick hat, oder vorgibt, es zu haben, jemand der sogar solche Sätze wie diesen hier schreibt. Irgendwann wird es einen Nobelpreis für jemanden geben, der bewusst darauf zugeschrieben hat. Warum sollte ich das nicht sein? Dann habt ihr später den Ärger nicht... Denn der spätere wird nicht so reflektiert sein... und wenn er noch besser und schöner reflektiert, dann übertreibt er es, ihr fallt dann auf einen Hochstapler rein. Niemand will den Preis so sehr wie ich. Genausosehr vielleicht, aber nicht mehr. "Dafür ist er aber nicht gedacht!", denkt sich der Alfred Nobel... oder er freut sich, weil ich schreibe, dass er mich kritisieren oder blöd finden würde. So wie ich sollte kein erwachsener Schriftsteller sein. Könnt ihr mir für mein Andersein etwas geben? Man kann sich nur von der Peinlichkeit einer Sache distanzieren, wenn man sie zuerst begeht. Sobald die Peinlichkeit nichts Neues oder Seltenes oder sonstwie Interessantes ist (weil sie z.B. besonders peinlich ist), ist sie nur noch nervig. Also ist jemand, der schreibt, um den Nobelpreis zu bekommen, nur dann interessant, wenn es wie ihn keinen Zweiten gibt. Kritik an mir würde ich nur zulassen, wenn es noch jemanden gibt, der einen Nobelpreis will, ohne ihn verdient zu haben. Sicher gibt es viele davon. Ich bin im Arsch. Ich dachte, der Gedanke geht in eine andere Richtung. Ich bin also nur einer von vielen Lahmärschen, die selbstreflektiert an ihrer Nobelpreiswürdigkeit arbeiten, ohne wirklich etwas Sinnvolles zu erschaffen. Alles nur eine beschissene Ego-Show. Die Angst vor Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit. Das könnte der Refrain des Buches sein, inklusive dieses Satzes hier. Kurz nach Achtuhr. Sogeschrieben wirkt das Wort wie in einem Comic, ein Wecker in Form einer Acht mit Augen und Lackschuhen tanzt auf dem Nachttisch einen Mach-die-Augen-endlich-zu-Song. Immer wenn ich nach einer langen Schreibphase ins Bett krieche, komme ich mir vor als hätte ich über irgendetwas triumphiert. Das Baumhaus nimmt Gestalt an. Ich hab bald eine Alternative zur Schule ausgetüftelt. Ich glaube ich erinnere mich gerade an einen sehr alten Traum von mir, indem ich das hier schonmal wahrgenommen habe, ich schaue gerade in die Zukunft und man liest diese Stelle hier und im Hintergrund kommt "The Big Country" von den Talking Heads und es gibt niemanden, der all meine Sachen hier liest. Das hier ist alles nur für mich und es ist nicht das Schlechteste, was ich mit meiner Zeit hätte anfangen können. Vielleicht hat man es geschafft, wenn man sich zu einem heiteren Lied umbringen kann, mit einem Lächeln im Gesicht, als wäre das Leben nur eine nette kleine Anekdote, die ein alter Mann erzählt, den man bemitleidet und weil man nicht unhöflich sein will, lächelt man ihm zu, versucht - um nicht aufzufliegen - wirklich amüsiert zu sein... aber es klappt nicht. Zum Glück bemerkt der Alte das alles nicht. Er labert nur.
22 März 2015
22.3. - Zerrüttet
22.3.
Hab lang geschlafen. Bunte Träume. - Trinke einen Matetee, bin ziemlich verstimmt. Der Gedanke dass Schildi depressiv oder sogar tot ist bedrückt mich unheimlich. Ich schreibe ewig an einer sms mit der Bitte um ein kleines Lebenszeichen, "und wenn es nur ein Punkt ist". Ich kenne einige die zur Zeit depressiv oder psychotisch sind. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll.
Viele meiner Texte (in diesem Buch oder in anderen) kommen mir so albern vor, diese Verklemmtheit, dieses kindische Pathos, diese aufgedrehte Hoffnung, das ganze selbstverliebte Metaphern-Schleudern. An vielen meiner Texte merke ich, wie hilflos ich bin, wie absurd überdreht, grundlos heiter. Total idiotisch. - Da ist nicht mehr als mein Wille, Aufmerksamkeit zu bekommen, aber viel zu geben habe ich nicht. Mein Stil, meine Metaphern haben nichts mit mir zu tun, ich bin immer noch ein dummes, schwächliches Kind, das höchstens, wenn es sich von Koffein oder Cannabis oder Ergin aufwiegeln lässt glaubt, der Welt etwas zu geben zu haben. Wenn ich wirklich was zu geben hätte, würden meine Freunde viel näher bei mir sein und wir hätten schon irgendwas Tolles mit uns gemacht. Nein, jeder sitzt im kalten, stinkigen Fett seiner eigenen ordinären Depression (das Ordinäre macht es natürlich noch schlimmer) und holt sich auf seine Verlassenheit und Ratlosigkeit und Zukunftsabwesenheit einen runter. Ich hasse die Arroganz der depressiven, schweigsamen Nichtsnutze. Sollen sie doch fröhlich und laut ihr Nichts, ihre Angst, ihre gescheiterte Adoleszenz in falschen, übertriebenen Metaphern durch den grauen Himmel peitschen, so wie ich es hier in meinem lauwarmen Kakao aus Verwirrung, Selbsthass und infantilem Trotz versuche. (Es fühlt sich an, als würde mein Trotzen mir Gehirnsubstanz abtragen... besonders das Areal, wo mein Bedürfnis nach Würde und Selbsterhaltung produziert wird)
Ich saß eben eine halbe Stunde im Bett und hab die schwarz-gestrichne Wand angeschaut. Ich weiß nicht, was ich ohne meine Freunde machen würde. Vielleicht wäre ich viel aggressiver. Ich weiß nicht, was ich machen kann, wenn meine Freunde Selbstmordgedanken haben. Am Ende kann ich ihnen nicht glaubhaft vermitteln, dass das Leben sich lohnt. Weil ich gar nichts vermitteln kann außer diese blöde, hässliche, halb-euphorische, halb-verklemmte Geschwätzigkeit selbst; sie ist alles, was mir das Gefühl gibt, kein frustrierter, unbrauchbarer, interessenloser Krüppel zu sein. Später werde ich sicher diese Zeilen lesen und denken, ich hab es wieder übertrieben oder ich will mit irgendeiner "krassen Klarsicht" kokettieren oder dass ich einfach nur ein bockiger Schreihals bin... Ich bin immer arrogant meiner Vergangenheit gegenüber... Ich will nicht glauben, wie ich gewesen bin, ich kann nur akzeptieren wie ich bin, weil ich Hoffnung habe, dass ich mal was werde... Vielleicht passt es da, dass ich alles hasse, was ich gewesen bin. Ich schreibe immer nur, um etwas hinter mir zu lassen. Ich will mich durch meine Gegenwart in meine Zukunft schreiben. Auf keinen Fall in irgendeiner Naivität oder Bockigkeit stehen bleiben, bloß nicht irgendeiner optimistischen Grundstimmung verfallen, bloß nicht überzeugt sein, dass ich Talent habe, dass ich einen Platz habe, dass ich etwas zur Welt beizutragen habe... Ich finde es so unangebracht, so peinlich, fast behindert, Hoffnung zu haben, irgendeinen Stil oder Geschmack zu haben, auf irgendwas hinzuarbeiten. Ich finde es eklig, dass es mir gefällt, von Leuten abhängig zu sein, ich finde es dumm, mich an meine Freunde zu klammern, ich finde es bösartig, sie für meinen erbärmlichen Größenwahn zu instrumentalisieren, ich bin ein widerlicher Egoist, ein einsames, feiges Schwein, das sich mit Worten aufbauscht, um über seine Erbärmlichkeit hinwegzutäuschen.
"Ich habe wirklich nichts zu geben. Ich kann dem Gedanke, dass du nicht mehr lange durchhaltst, nichts entgegensetzen. Ich kann nur mein halbtotes Gesicht in die Welt halten."
Vor ein paar Tagen dachte ich noch, mich gefunden zu haben, meinen Stil, mein künstlerisches Selbstverständnis, meine Aufgabe. jetzt kann ich nicht viel mehr als diesen kleinen Stich wahrnehmen, der hinter meinem rechten Auge sitzt und all meine Hoffnung und Klarheit verbiegt und verzerrt, die ich mir mit meinen Texten versucht habe aufzubauen.
Alles was ich noch sagen kann ist, dass ich mich vor meiner Hoffnung schäme, dass der Frühling irgendeine Besserung bringt.
10 März 2015
10. und 17.03.15
10.3. - :15Uhr
Accuradio: 70er/80er-Easy Listening
SomaFM: Earwaves.
15g-Prunkwinden-Kaltauszug mit 2 Korngläsern und Ingwer aufgekocht. Schmeckt nur nach Ingwer. Ein ganzer Liter. Immer wieder gefiltert und umgefüllt. Bisschen umständlich. Diesmal aber keine Körner essen. Sind noch in der anderen Flasche. Es muss nicht so stark wie beim letzten Mal sein. Ich vermisse Gras. Lieber ein bisschen Noise hören. Alles muss lauter werden, der Sonntag soll richtig schief hängen. hab fast eine Stunde gebraucht um die Flasche zu trinken. Ich will mit Christian im Garten sitzen. Das Haus macht komische Geräusche, als hätte es Schluckauf. Der Gedanke, dass es eine Welt gibt, stellt mein Gehirn in Frage. Fehler können immer passieren. Es wird kälter. Jeder Satz ist ein perfekter letzter Satz, wie frustrierend.
17.3.
Alles was ich denke, formt alles was ich denke. Na toll, warum steht ihr nicht einfach alle mal still da! :-) Ihr müsst diesen Satz langsam aussprechen und an mildes, graues, außerordentlich weiches Sonntagswetter denken, Tauben in der Luft, freundliche Gesichter vor dem HD- Sonnenuntergang. - Die Musik rührt den feuchten Pfeffer-Geschmack in meinem Mund herum und ich schau so wie ein Hundewelpe, der zum ersten mal durchgekrault wird. Meine Finger spiegeln sich in der Tastatur, die Tasten sind verschmierte Scheiben im Regen. Distanz zur Musik wahren! Sonst fühle ich mich gleich, als würde jemand Großes Böses auf mich zugetrampelt kommen. Ich muss ein bisschen Summen, damit die Angst, die wirklich nicht angebracht ist, verschwindet. Jede Musik wirkt so kalt und ernst. Distanz dazu! Ich stelle mir vor, wie ich als kleines Kind in diesem Zimmer sitze und unter ähnlichen Umständen diese Musik höre - diese Phantasie unterhält meine Wahrnehmung. Ohne diese Phantasie würde ich komplett in das Glücksrad meiner Selbst stürzen. Die Angst erschreckt zu werden. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Schreiben hilft, Dinge zu verarbeiten. Das muss nicht immer alles an eine Öffentlichkeit. Ich fühle mich wie ein Kind, das Lust hat, in bunten Klamotten durchs Heimatdorf zu laufen und alle zu einer schönen, unendlich langen Gartenparty am Rand des Lebens einzuladen. Manche Kinder streunen im Wald herum und finden Sachen, andere Kinder machen das nicht. Da hin oder da hin? Du entscheidest, ob du in den Wald gehst oder nicht. Also entweder geh in den Wald oder nicht. Eine Träne. Ich bin im Wald. Ich komm diesmal nicht zum Mittag rein. Die Tatsache, dass ich nicht feststeh, will mich weinen lassen, wie ein alter, sympathischer Gentleman im Supermarkt, der sagt: "Leg dich doch erstmal hier hin, wenn dir nicht gut ist." Ich habe keine Charakterzüge, an denen ich nicht arbeiten kann. Ich muss meine Affekte meinem Ich, besser: (an) meine(r) Ich-Losigkeit anpassen. Ich schreibe das in Klammern, weil ich gerade total erstaunt bin, dass ich nicht weiß, wie der Satz grammatikalisch korrekt ist. Und Paolo Conte meint, dass es gut ist, diesen Quatsch aus der Schule durcheinanderzubringen. Je mehr Menschen in die Schule gehen, desto geringer die Chance, dass es später originelle Künstler gibt. Der Schaden, den ein Schule zufügt, kann nichtmal durch ihren Nutzen ausgeglichen werden. Was bedeutet aufwiegen? Das es auf gleicher Ebene ist oder dass das schwerere Element das kleinere in die Höhe (r)aufgewogen wurde... Ich muss das nicht wissen. Guck mal, Mama! Der hat ein Loch in seinen Beruf gehauen... "Guck da nicht so hin, sonst glaubt er noch, dass er eine Bedeutung hat!" Und verschwunden ist was immer gerade auch Thema war.
Die zwei Gras-Flaschen knallen total, ich bin ganz distanziert, angespanntes Hirn, kräftiges Schwindelgefühl, nur leichte Übelkeit, ähnlich dem LSA-Höhepunkt. Ich bin klug, denn ich polstere mich mit heiterer, leichter Musik. Wenn ich mal ein paar Wochen nicht in diesem Buch schreibe, fühle ich mich bei der Rückkehr sehr viel weiser, denn die nicht-aufgeschriebenen neuen Gedanken können es kaum erwarten, Wirkungen zu zeigen wie Gremlins. Ohne dieses Schreiben würde ich abstürzen in den Rausch, ich würde nur Angst und Panik fühlen, meine Verwirrung würde mich zum Kotzen bringen oder mich einfach nur nach unten drücken wie man einen Hundewelpen ertränkt, obwohl niemand das erwarten würde. Ich finde es lustig, wie diese Worte Sinn ergeben, oder auch kein Sinn ergeben. Es sind Worte, die von so vielen Menschen verwendet werden. Auch das, was hinter ihnen ist... Es fällt mir total schwer, zu verstehen was ich meine, ich wollte sagen, dass ich nichts Verwerfliches mit diesen Worten mache. Ich kann mich gerade damit identifizieren, ein freundlicher lieber Junge zu sein, der sich um irgendetwas kümmert. Heute ist die Verwirrung und Vergesslichkeit ganz hoch, schrecklich hoch! Den letzten Satz muss man sich gesprochen von Alex aus Clockwerk Orange vorstellen. Der saftige schwarze Pfeffer-Schmerz hat sich ausgeblendet. Ich habe mit dem Pfeffer gegen die Panik aufgrund der extremen Offenheit der Kanäle zu steuern versucht und es hat geklappt. Die Formulierung des Satzes ist ein schönes, gelbes, leuchtendes Abenteuer an der Hauptstraße meiner Heimatstadt vor 25 Jahren. Schönheit kann es nur im Rückblick geben. Man kann unmöglich in eine Schönheit eintauchen, man kann sich im Rückblick nur wünschen, dass man in sie eingetaucht wäre. Diese Reue macht sentimental und die Sentimentalität lädt die Vergangenheit mit positiven Schwingungen auf und deshalb erscheint sie wert, erzählt zu werden. Als Erwachsner könnte man nur Schönheit empfinden, wenn man vergisst, dass man ein Erwachsener ist, doch man kann es nicht vergessen, man kann sich nur vorstellen, was man als Kind empfunden hätte. Cannabis könnte helfen kurzfristig "mit Leib und Seele" zu vergessen, dass man kein Kind mehr ist. Ich würde jetzt aus Kaltherzigkeit fast das "mehr" herausstreichen. Aber jetzt scheint es mir noch interessanter als eben. :-) War das jetzt lustig? Ich kann jedenfalls nicht einschätzen, ob aus mir mal was werden wird... Warum kann ich mich nicht damit abfinden? Ich leide wohl mehr an meiner Einsamkeit als ich zugeben will. Es ist nicht schlimm, wenn ich mich wiederhole. Wichtige Dinge können doch wiederholt werden, ich sehe da kein Problem... Wollt ihr denn wirklich, dass ich mich so anstrenge, eure süßen zuckerigen - ich will mit Fred irgendwo hinfahren - Erwartungen zu erfüllen? Ich will nicht böse klingen, aber es ist nicht ok, was ihr macht. Es ist keine Frage des Geschmacks, sondern die Frage ob man opportun ist oder dissident. Regierung und Opposition kann den selben Musikgeschmack haben, ohne Lust zu haben, ihre Ansichten aufzugeben. Sie sehen anders, obwohl sie auf der selben Welle der Empfindungen schwimmen. Also lehnt ihr alle wie mich ab...Damit hoffe ich nur, dass es jemanden gibt, der etwas mit mir anfangen kann. - Die Arroganz meines Ich, ... diese Arroganz pumpt mich mit Ehrgeiz auf, wenn ich mich nicht so wichtig nehmen würde, könnte ich ein Leben auf Rente führen mit Tee, Gras, Musik und Freunden. Dann bin ich nicht mehr als eine seelenlose Puppe. Möglich in einer Umgebung, in die man sich fallen lassen kann, aber nicht in einer Stadt wie dieser! Wenn man nicht im Einklang mit der Natur lebt, darf man auch den Ehrgeiz haben, die fehlende Natur mit Rausch und Hoffnung auszugleichen. Der Ruhm als Ersatz für Anerkennung in einem Freundeskreis, der mir alles gibt was ich brauche. Cioran bewertet die Hoffnung total anders als Nietzsche. Die beiden stehen im Türrahmen wie seltsame, kiffende Onkel auf einer grotesk-langweiligen Kindergeburtstagsparty. Hier in dieser Stadt hat Cioran mehr Gültigkeit, aber draußen im Wald und oben im Gebirge und auch auf dem Meer hat Nietzsche mehr Gültigkeit. Viele meiner Cioran-Parodien sind ganz vortrefflich gut. Sie drücken etwas Wahres in mir aus, nämlich das, was Cioran in mir hinterlassen hat, ob er wollte oder nicht. Charakterzüge entstehen, wenn man lang genug etwas parodiert. Natürlich benutze ich Cioran, um mein Bedürfnis nach Nüchternheit, nach Mutigsein, nach Trost zu befriedigen. Und wahrlich zufrieden streichle ich mir meinen Bauch. Ich würde niemals meine Kindheit wiederholen wollen, ich würde es nur nochmal neu versuchen wollen, mit dem Wissen, den Gefühlen, dem Ich, das ich jetzt hab. Ich glaube der Satz ist grammatikalisch unrein. Aber das ist nicht so schlimm wie "Ich glaube, hier sind Raptoren in diesem Parkhaus..." Ich lass es stehen, so wie ein Maler einen Klecks an der Wand lässt, er ist Teil einer Geschichte, es ist bald entscheidend, dass er den Klecks da gelassen hat. Denn es ist wichtig, dass sich Leute entfernen, die diesen Klecks unsympathisch finden. Wer wegen ein paar Tippfehler meint, ich wäre nicht wert, gelesen zu werden, der kann einfach nicht mein Freund sein. - Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass das Gras (mit Watterfall Bong) so extrem doll reinhaut. Warnung: die Übelkeit steht der Empfindlichkeit für Musik im Weg, die allgemeine Ratlosigkeit, was ich als nächstes tun soll, macht mich müde. Ich sollte jeden Tag die selben wenigen Bewegungen machen, und irgendwann kommt vielleicht jemand vorbei, der meine Schwingung gebrauchen kann. Die Betäubung und grelle Müdigkeit machen dem Bewegungsdrang noch schlechtere Laune als er eh schon hat. Die Intensität ist beim Schreiben und Musikhören sehr stark, solang man nicht über das nachdenkt, worüber ich jetzt für diesen Satz nachdenke. Aber es ist keine Euphorie, eher eine kräftige Betäubungs-Achterbahn, die massierend durch die Stirn, die Schläfen und den Unterkeifer brettert. Es sind weiche Bretter, die anch Dachboden durften. Manchmal stoße ich mich an einem Wort wie ein Betrunkner an einem Dachbalken und meine Hände schreiben nicht Buchstaben, sie versuchen mir zu entkommen, sie fühlen sich beobachtet und wissen, dass sie nur schreiben, weil ich es will - aber vielleicht finden wir, indem wir diese Knöpfe drücken, zu dem Schalter, der uns von deinem Körper trennen kann, wenn wir ihn ein bisschen durch das Lesen dieses Satzes gedrückt lassen und jetzt plötzlich wieder den Finger davon wegnehmen, weil wir nicht einschätzen können, was wir gerade getan haben. Jeder Autor hat das Recht zu sagen: "Ich will, dass mein Ruhm meine Texte aufwertet." Ich habe nichts dagegen, wenn man meine Bücher als Bewerbungen um/für das Amt des Bundespräsidenten empfindet. Ich erschrecke über die Nachbarschaft und gleichzeitige körperliche Distanz zwischen mir und Schildi. Er wird mich einfach nicht so leiden können... Ich muss unglaublich anstrengend sein. - Ich hasse alles, was mich wie ein Grobian wirken lässt. - Die letzten Tage bringen mich Menschen immer mehr zum wundern und ich fühle mich schnell von Dingen bedroht oder beleidigt. Ich habe den Leuten, mit denen ich regelmäßig Umgang habe, einfach nichts interessantes zu sagen, und mit dem, was sie sagen, weiß ich auch nichts anzustellen und bald wird man mir Teilnahmslosigkeit und Kälte vorwerfen. Auch deswegen ist es gut, zu schreiben... Um nicht abzustumpfen in der Fülle der Möglichkeiten. Hinterlass uns etwas, wenn du schonmal dabei bist... Und was hast du noch so gefunden? ... Wenn man aus Kunst kein Geschäft machen würde, gäbe es viel mehr voneinander verschiedene Kunst. Ein Markt ebnet Möglichkeiten ein und verfestigt zufällige Moden, die ohne ihn gar nicht erst entstanden wären. - Es tut gut, das Schreibbedürfnis weggeschrieben zu haben. Was ist besser? Die Schöpfung oder das Geschaffene? Beide bedingen einander, also musst du dich nicht entscheiden. Schreibe, wenn du willst und schreibe nicht, wenn du nicht willst. Das, was nicht so wichtig/interessant/schön ist, sorgt dafür, dass sich das Wichtige, Interessante, Schöne entwickeln und entfalten kann. Später kannst du ja das Gerüst des Unwichtigen, Uninteressanten, Unschönen abbauen - da kann dir bestimmt jemand helfen. Oder du überlässt es zumindest in Teilen dem Leser. Meine leichte, aber nervige, aber nur leicht nervige Übelkeit rät mir etwas, was ich vergessen habe, hätte ich doch den Satz erst angefangen, nachdem ich den Rat abgespeichert habe. Film-Idee: jemand erfährt in so einem heftigen Cannabisrausch, dass heute morgen seine Mutter gestorben ist. Wenn Cannabis schon ein Alltagsgehirn aufpumpen kann, was kann es dann erst in Extremsituationen mit dem Gehirn machen!? Cannabis verschärft wie Schlaflosigkeit die metaphysischen Probleme, aber auch die Lösungen. Ich hoffe, ich schaffe es, die nächsten Tage nichts zu essen, ich fühle mich so ungesund. Die Winterdepression muss raus! Ich darf nicht mehr so viel sitzen, der Raum ist so klein und seine Wirkung auf mein Herz ist verwandt oder sogar identisch mit dem zarten, dumpfen Schmerz, den meine Daumnagelbett-Entzündung erzeugt. So pervers es ist, sich selbst die Daumen abzuhacken, so pervers ist es, in diesem Zimmer zu sitzen und diesen Satz zu schreiben. Alles was ich der Welt hinterlasse, kommt aus meiner Unfähigkeit, über meine Bedeutungslosigkeit und Einsamkeit zu weinen oder zu lachen. -
26 Februar 2015
26.02. - 27-02.15
26.2.
"Stühle, wie ich gehört habe, schaden dem Menschen, aber sie sind ja effizient. Der Mensch als das stärkste Tier hat es nur bei Überbevölkerung nötig, effizient zu sein. Stühle sind ein Anschlag der Massengesellschaft auf den Körper des Menschen."
Das erkläre ich mir gerade, als ich DroneZone von SomaFM höre und mich frage, was außer regelmäßiges Rauchen noch die Lunge beeinträchtigen würde und mir kommt "Sitzen" in den Sinn, denn Stühle sind effizient. Es gab noch etwas Gras in der Bong, drei kleine krosse Krümel und die Wirkung ist immens. Ich erkläre mir weiter: "Das schwierige an der Beurteilung von Drogen ist, dass es jede Droge in unterschiedlicher Qualität gibt. Drogenstatistiken müssen aufführen, ob die jeweilige Droge pur oder verunreinigt zu sich genommen wurde und ob es Mischkonsum mit anderen Drogen gab, außerdem ist die Art der Substanzaufnahme relevant. So wie man dem Staat, indem man, nimmt man in ihm eine konstruktive Funktion ein, allem, was er tut, notwendig bejaht, bejaht man auch alles, was noch alles außer der Droge enthalten ist.Ich verstehe, dass diese zwei Ebenen nichts miteinander zu tun haben. Sie liegen isoliert voneinander in einer noch nicht nötigen Vorstufe eines Gedankens. Macht es Sinn, solche Texte zu schreiben? Ich schaue zu einer Wand an Leuten auf, die mich oberflächlich und doch instinktiv nach Flohmarkt-Schnäppchen durchforsten. "Ja? Schaut mal, kann ich das so machen? Interessiert Ihr Euch für das, was ich mit dem Schreiben mache. Ich glaube, das hab ich schonmal gesagt. Ich versuche zu vermeiden, den Rausch hier mit akademisch oder künstlerisch oder logischen Mitteln zu verzerren. Ich will nicht lustig sein, ich will keine spannende Atmosphäre erzeugen, ich will auch nicht im nüchternen Zustand über die Droge schreiben, sondern gleich wenn sie wirkt. Und jetzt ist nur die Frage, ob das jemand interessiert. Aber entweder dieses Risiko oder gar keine Möglichkeit, anzukommen. Was man an der Romantisierung von Abenteuern immer vergisst ist, dass man ja auch wirklich scheitern kann. Ein Abenteuer könnte auch ein schlimmes Ende nehmen, das als ein Argument gegen dieses oder sogar gegen alle Abenteuer verstanden werden kann.
Die Musik ist so hell und kalt und gemütlich wie mein Zimmer. Ich würde gern mit meinen Freunden die Neunziger bewohnen, besser: ich wünschte, wir könnten unsere Träume bewohnen oder ich wünschte ich wäre unsterblich. Die Realität, die wir als "nüchtern" kennen, mit ihrer Sterblichkeit und Logik und Zukunft, könnte gar nicht die Einzige sein, wenn man nur mal die Grenzen betrachten würde. Beispielsweise ist hier grad ein Gedanke, sein Konstruieren und Renovieren und Abschicken, viel schöner, wahrer, notwendiger bestimmt auch, ("Notwendiger bestimmt auch" ist ein toller Liedrefrain), als das, was er sagen will. Es muss ja nicht immer Sinn ergeben, es muss ja nicht immer alles voranbringen. Der Stil, die Stimmung, die Gefühle die er erzeugt, die Gedanken die er erzeugt sind viel wichtiger. Als würde dir der Gedanke abnehmen, zu denken... Du musst schon selbst denken. Etwas, was du als sinnlos erkennst, hilft genau so wie etwas, was du als sinnvoll erkennst. Du musst hinterfragen, was sinnvoll und sinnlos ist, und wann ein Sinn gar nicht notwendig, gar nicht angebracht ist. Das wahre Leben beginnt dort, wo ein Sinn nicht mehr nötig ist. Das wahre Leben ist nämlich ein Moment und kein Prozess. Sobald man fortschreitet, nimmt das Leben ab. Man denkt sich etwas, was einen festen Namen hat, als etwas Festes. Das Leben hat sich, wenn du an es denkst, schon wieder verändert, nachdem du dir eine Vorstellung, eine Erwartung davon in dein Gehirn geschraubt hast. Ich glaub es ist nicht nötig, hier weiterzuschreiben.
Ich hätte jedenfalls nicht gedacht - beginne ich eine neue Strophe eines sehr langen, aber kompakten Liedes - dass noch so viel Graswirkung in der Küche ist. Ich würde mich nur wiederholen, wenn ich sagen würde, dass es wichtig wäre, wichtige Entscheidungen, politische Überzeugungen mit Gras zu reinigen von Mitessern und so... (später ergänzen, du fauler Hund!)
Krankheiten, die IMMER auftreten könnten, können mit zu nichts führenden Gedanken nicht geheilt werden. Gedanken darüber würden nur die Lebensqualität drücken. Wenn man das nicht will, gibt es keine Alternative als die Gedanken auf bestimmte Art und Weise zurückzuhalten. Niemandem bleibt das erspart. Bewusstheit über die Welt da draußen soll nicht mehr so viel auf meine Bewusstsein hier drinnen abfärben. Aber doch ist der Tod ein schwarzer Krake; nicht fassbar, nur in seinen Wirkungen spürbar, umkreist er das kleine, ach wie kleine Holzboot. Das Essen auf dem Boot kann doch aber schmecken. Noch eine Wiederholung: ohne Zeitgefühl keine Todesangst.
Man würde nicht so viel schreiben, wenn man sich in das vertiefen würde, was man bereits geschrieben hat, wenn man - um noch weiter zukommen (was nicht heißt, dass es lebensnotwendig/empfehlenswert ist, weiterzukommen) sich sogar in das Vertiefen vertiefen würde. - Ich wollte drauf hinaus: es kann schön und toll sein, keinen Sinn zu ergeben, "manchmal dürfen Sachen oder Menschen keinen Sinn ergeben", hoffe ich richtig zu liegen, klemm mir die rechte Unterlippe zwischen die Zähne wie ein Bowling-Spieler, der nicht weiß, ob die Kugel gleich in der Seitenbahn landet. Genau das ist aber gar nicht wichtig, deshalb munter weiter! Beziehungsweise (weil ich das Wort ausschreibe hatte ich das Gefühl, dir ganz nah auf die Pelle gerückt zu sein, entschuldigung, aber dir macht das nichts aus, weil das ja nur ein Text ist und ich auch gar nicht wissen will, wer du bist) an Drogen-Texten ist, um mich nochmal zu drehen, die Art entscheidend, wie man mit dem Schreiben umgeht, nicht wie man mit dem Beschriebenen umgeht. Du siehst nicht, wie die unter Drogen ist, du siehst nur, wie deineWelt sich unter Drogen verändern könnte, aber nicht an dem, was ich beschreibe, sondern an dem wie ich es beschreibe. Ich mag Autoren nicht, die objektiv tun, die ihr Talent und Thema wichtiger nehmen als den Spaß am Material, dem Spaß an der Welt und ihren Möglichkeiten. Ich hätte gern einen Blog, der täglich von tausenden Leuten kommentiert wird. Jeder Autor, ob gut oder schlecht, will von allen Menschen gelesen werden, die existieren und exisiert haben und existieren werden. Viele verschweigen das, aber ich will zu denen gehören, die es nicht verschweigen, denn immerhin ist das ein interessantes Thema. Ich bin ein Äffchen, das sich für bestimmtes Spielzeug interessiert, vielleicht entsteht im Spielen damit etwas, was auch für andere Äffchen wichtig und interessant ist. Wie ein Äffchen, das im Wald immer an einer bestimmten Stelle herumgräbt. Es könnte gerade dort einen herannahenden Feind als Erstes erspähen oder eine leckere Frucht oder eine schöne Blume oder ein interessantes, neues Werkzeug. "Ja, es ist möglich", nicke ich wie ein Therapeut ab, der die Sitzung erschöpft beenden will. Ambientmusik ist sowas schönes Freundliches. Der Weltraum in diesem Zimmer ist so lebendig, keine Kälte, kein Tod, keinerlei Bedrohung drin. Ich will in den Gedanke dringen, dass es möglich ist, dass heute ein Meteorit ins Haus schlägt oder ich einen Hirninfarkt bekomme. Aber die Musik bringt davon weg, bzw. sie lässt nicht die üblichen Gefühle zu diesen schlimmen Gedanken zu. - Meine Ruhmsucht ist übrigens nur eine Metapher für Einsamkeit.
Eben auf Klo festgestellt, dass ich trotz derbem Vollrausch keine roten Augen habe. Weiß nicht was es bedeutet, aber ich habe keine Angst, warum auch. Zumindest nicht deshalb. (Ich sehe Humor in "warum auch, zumindest nicht deshalb"). Ich mag Sinn so gern wie Unsinn - in einer unsinnigen Welt (einem unsinnigen Gedankenzimmer) findet man mehr Dinge, aus denen man später Sinn machen kann, in einer sinnvollen Welt gibt es mehr Dinge, aus denen man später Unsinn machen kann. Das volle Ausmaß dieses Satzen kann ich nicht abschätzen. Etwas, das jedenfalls Sinn und Unsinn beides machen, ist Lust und Lebensfreude. Und etwas, das beide nicht können: das Leben verlängern.
Christian hat grad geklopft ob ich mit in den Park komme, aber ich hab grad keine Lust, lieber hier bleiben. Das tolle ist, dass man zu Recht von Vollrausch reden kann, aber trotzdem noch schreiben kann. Drogenkunst ist nur - hab ich glaub ich ein paar Stufen weiter unten da gesagt - interessant, wenn sie unter Einfluss der Droge entstand, denn sonst sollte man die Beschreibungen den Wissenschaftlern überlassen. Man kann es steigern, wenn man Wissenschaftler über die entsprechende Droge schreiben. Es kann sogar möglich sein, dass sie eine bestimmte Droge nehmen müssen, um eine andere Droge am besten zu beschreiben. Der wissenschaftliche Aspekt ist genau so einseitig wie der künstlerische, und warum sollte es nicht mehr als zwei Seiten geben?
Bitte auch den Earwaves-Kanal auf SomaFM geachten. Was sagt das über die Welt aus, in der solche Musik so wenig gehört wird? Bin jetzt zu sehr an der Musik interessiert, als mich mit dem Gedanken weiter zu befassen. Musik will uns immer zu irgendwas bringen. Es gibt schlechtere Lagerfeuer- oder Gartengespräche.
Wollte schon vor einer Stunde oder so was anschauen. Irgendeine Serie, die ich als Kind angeschaut hab. CHiPs. Ach wenn nur die Geschichte nicht wäre, es genügen die Bilder und Emotionen, genau wie im richtigen Leben nie die Geschichte zählt, sondern das, was sie bereit hält.
27.2.
Bin heute kurz nach 4Uhr aufgewacht aus einem fast 12stündigen Schlaf. Heute werde ich die die Hälfte der Prunksamen (15g) nehmen. Habe die Samen erst eine halbe Stunde in heißem Wasser aufgeweicht, dann in eine LP-Schutzhülle gepackt und an der Kreuzung ein paar Straßen weiter mit einem Hammer zerbröselt. Gerade weichen sie nochmal eine halbe Stunde in heißem Ingwertee ein. Der Ingwer hilft gegen die Übelkeit, die nicht-wasserlösliche Alkaloide in der Samenschale enthalten. Diesmal will ich die Samen mitessen. Beim ersten Mal hab ich eine geringe Menge getrunken/gegessen, beim zweiten Mal von einer viel größeren Menge nur den Kaltwasserauszug getrunken und die Samen nicht gegessen - und beides hat etwa gleich gewirkt - immer auf leerem Magen wie auch heute.
Es ist 4:46. Ich werde pünktlich um fünf den Morning-Glory-Tee trinken. Er riecht schon sehr gut, ich könnte mir vorstellen, dass man damit auch ein leckeres Brot machen kann. Ich werde mir erstmal einen Kaffee machen.
Der Kaffee entfaltet innerhalb von minuten eine warme Euphorie und manchmal flimmert der PC-Monitor bzw. mein Blick ist nicht ganz sicher. Ich mag das, vorallem wenn fröhliche Popmusik aus den 70ern/80ern/90ern kommt. "Everybody wants to rule the world" von Tears For Fears. Man kann von ihnen halten was man will, aber sie haben versucht, relevante Dinge in ihren Texten zu sagen.
5Uhr, der Tee ist sehr scharf von den drei Ingwerbeuteln. Vor dem Einschenken die Flasche schön schütteln, damit sich die Körner nicht unten absetzen. Ich hoffe sie sind gut zerkleinert, sonst setzt die Wirkung viel später ein. Es ist immer gut, dass es kein Zurück gibt, denn so hat das, was man tut, eine echte Bedeutung. Allein die Wirkung des Kaffees und des Ingwers ist total schön, so ein kräftiger Zug Leben. Jetzt ist die Tasse zur Hälfte voll mit braunem, scharfen Ingwertee und zur Hälfte mit Prunkweiden-Schlamm. Sollte ich es erstmal dabei belassen? Aber die Musik ist so gut, sie will, dass ich einfach alles in meiner Möglichkeit stehende tue. Ingwer ist jedenfalls was feines, danke Knarf, dass du mir Ingwer vorgestellt hast. Ich erinnere mich, wie ich in seinen Po gebissen hab, als wir von Dachwig gekommen sind, weißt du noch? Das war schön. Haha... (Der Satz funktioniert nur, wenn man nicht Knarf ist)...
Ich hab jedenfalls keine Angst, mich der Welt zu stellen, solang ich es unter meinen Bedingungen machen kann... Ich möchte ein Prominenter sein, der kein Affe der Medien ist und nichtmal der Affe dessen ist, was ihn bekannt gemacht hat. Ich hol mir noch etwas Honig. Wenn ich an dem Tee sterben sollte, möchte ich wenigstens, dass Honig dabeigewesen ist.
Wenn alles so läuft wie beim ersten Mal, müsste ich in einer viertel Stunde paar Mal kotzen. Die letzte Tasse lass ich erstmal stehen. Wenn ich nicht gleich kotzen muss, nehm ich die dann gleich noch.
Eigentlich blöd, dass ich jetzt Kaffee getrunken hab, jetzt weiß ich nicht, welche Wirkung von den Samen kommt.
So ein leichtes Flauheitsgefühl 5:22Uhr schaut mich mit strengem Gesicht an wie ein Lehrer, der wissen will, wie ich mit Autoritäten umgehe. Gerade fühl ich mich wie jemand, der irgendwas überlebt hat, was andere nicht überlebt haben. Weil ich nicht weiter drüber nachdenke, lass ich den Satz so stehen.
An die Flauheit ist eine Euphorie gebunden, ähnlich der Euphorie beim Fasten. Würde mich nicht wundern, wenn ich diesen Satz schon geschrieben habe beim letzten Mal. Die Samen rühren wie kleine Käfer meinen Magen um, sie haben wirklich nichts böses mit mir vor, ich kenn sie ja. Ich brauch keine Angst haben. Der Ingwer sorgt dafür, dass es keine Gründe für einen Aufstand gibt.
Gar nicht so leicht, Musik zu finden, die den Prunkweidesamen entspricht. Die Übelkeit lässt mich erzittern vor Ekel, wenn ich die Tasse mit der trüben Brühe sehe. Gut, dass ich sie stehengelassen habe. Die Übelkeit macht sehr empfindlich, sie weicht alle halbgaren Gedanken und Gefühle und Ideen ein. Sie reinigt das Zimmer von allem, was nichts mit den Rausch zu tun hat - da der Rausch es mit mir zu tun hat und ich es mit ihm zu tun hab, reinigt die mit ihm verbundene Übelkeit alles, was nichts mit mir zu tun hat. Sie sorgt für Konzentration. Ich bin ein Körper, ich bin getrennt von der Umgebung. Ich bin ein funktionierender Körper, der Zugriff auf die Welt hat. - Ich glaube, man würde depressiv werden, wenn man sich an jede Banalität seines Lebens erinnern würde.
5:50. Die Übelkeit wird sich nicht weiter steigern, ich bin etwas träge aber nicht unglücklich, denn ich weiß ja, woher die Übelkeit kommt und dass sie gleich wieder weg ist. Schade, dass ich nicht kotzen muss, denn danach verschwindet die Übelkeit viel schneller. Na, ich will mich jetz nicht aufsie konzentrieren. Sie ist ja nur Begleiterscheinung. Sie führt mich in den Bereich meines Bewusstseins, in den ich will. Der Weg dahin ist eben sehr geschlängelt. Lieber würde ich mich jetzt mal in meine Trägheit vertiefen. Wichtiger Hinweis: wenn man Prunkweidesamen nimmt, sollte man vielleicht heitere, leichte, optimistische, kräftige Musik hören, an die man sich festhalten kann. Möglicherweise würde düstere Ambientmusik oder melancholische Musik die Flauheitsgefühle verstärken, vielleicht sogar pessimistisch machen. Aber trotz der heiteren Musik bin ich sehr ernst, sehr vertieft in mein flaues Körpergefühl. Ich glaub ich hol mir mal ein anderes Körpergefühl aus dem Klo. :-) Ach, warum... So geht es ja auch. Ich muss ja nicht immer heiter und munter und fröhlich und gut gelaunt sein. Ich muss auch mal etwas aushalten.
Es ist jetzt genau um 6Uhr und langsam klingt die Übelkeit auch ab und mein Gehirn wird von kräftigen Händen massiert. Vielleicht ist das kein Rausch für eine Gruppe, sondern nur für den Einzelnen. Man wird jedenfalls stark auf seine eigene Individuation geworfen. Gerade die Übelkeit sorgt bei mir jedenfalls dafür, dass ich jetzt niemanden hier haben will, niemanden anschauen oder gar berühren will. Kranke Tiere müssen allein sein. Trost macht alles schlimmer als es eigentlich ist. Trost verschlimmert die Gründe, deretwegen man trostbedürftig ist.
Ich geh doch mal kotzen.
6:11Uhr. - Kotze die nach Ingwer riecht und schmeckt, lässt darauf schließen, dass man "da was interessantes im Intenet gelesen hat". Und schon geht es mir deutlich besser. Nachdem ich das erste Mal mit dem Finger den Kotzreflex aktiviert hab, ist nichts passiert und ich wollte schon wieder aus dem Bad stolzieren, aber dann hab ich gemerkt, dass ich erst den Generator angehauen hab und dann kam in kräftigen, scharfen Schüben dickflüssiges Speiwasser, ohne Körner. Sehr gut, meine Gäste sind also noch da und jetzt wirkt auch die Tasse mit dem Tee neben mir nicht mehr so ekelhaft. Entschuldigung, dass ich dich vorhin so blöd angeschaut habe. Jetzt vermisse ich die Übelkeit irgendwie. Die war so unendlich real, daran konnte ich mich festhalten, ohne das (für mich alltägliche) Gefühl zu haben, nicht zu wissen was los ist.
1. Die Prunkweide-Samen sind gut, die Übelkeit zu durchleiden lohnt sich.
2. Wenn man keine Angst hat, dass in den nächsten Momenten alles für immer vorbei ist, dann erst ist man wirklich frei. Vielleicht kann man aus dieser Parole eine Partei schnitzen. Du immer mit deiner Partei! Du immer mit deinem Nietzsche! Du immer mit deinem Schreiben! Du immer mit deiner Lieblingsmusik! Du immer mit deinem Gesicht! Du immer mit deinem Herz! Du immer mit deinem blöden Leben! Also du musst mich ja nicht mögen! Wenn du mich nicht magst, mach einfach einen Bogen um mich! Ich glaube nicht, dass ich viel davon hab, wenn ich dir gefalle.
Vielleicht muss man die Prunkweiden-Murmeln häufiger nehmen, um ihr volles Potential auszuschöpfen. Vielleicht braucht man etwas Geduld. Kein Zweifel, es gibt bequemere Drogen, aber das ist vielleicht auch ein Grund, warum man sich noch nicht länger damit befasst hat. So trocken wie mein Gesicht ist, so müde bin ich, am Stil meiner Sätze zu schrubben. Da ist nicht viel, was ich mitteilen möchte. Ich möchte lieber die Musik mich kneten lassen. "Talking At The Same Time" von Tom Waits ist dafür gerade perfekt.
https://www.youtube.com/watch?v=pJynvLGKIpI
Ich schaue das Video an und stelle fest, dass ich wie eine Grapefruit rieche.
Ich weiter mit Tom Waits. "Afer you die". Ich fühle mich wie ein blöder DJ und siebe die schönen Körner aus der Tasse. Nun hab ich eine graue, trübe Brühe, riecht nach Ingwer und erinnert mich an mein Kotzen. Die Musik sagt, ich hab das schlimmste hinter mir und ich stell mir vor, wie ich über den abgeknabberten Fingernagel stolper, den ich auf dem Schreibtisch finde. "Wenn man sich nicht leiden kann, muss man sich erschöpfen", rülpse ich allen Künstlern entgegen, die sich in der Nähe befinden ... befinden könnten, wenn ich auf einer Bühne stehen würde. habe wieder lust zu shcrieben ohne die strnegen regeln der wärter zu beachten. schreiben iost mehr als bestimmte wörter benuten - -, das unbestimte iwsdoch azufh etwas werzt. allerin weriulö es da ist nur noch nicht kultuivjheritz. aber jetz würde ich gern erstmal hier stehen bleiben. nicht alles gleich übertreiben, oder? ich koste mal von dem gefilterten Tee. schmeckt wie Ingwertee, entgegen meiner Erwartung nicht mehr sehr scharf, aber hab ihn ja auch noch verdünnt mit Wasser. Ich atme erschöpft aus, lass die Lippen flattern und ein hoher Pfeiftun entwischt, wie ein langer Fingernagel über eine Tafel gezogen wird. Ich drücke mein Knie gegen den Schreibtisch, er verbiegt sich ein bisschen und ich stell mir vor, wie sich das Blickfeld verbiegt. Ich setze mir jetzt Kopfhörer auf, oder auch nicht. Ich wäre jetzt gern auf einem Free Jazz Konzert. Ich hätte jetzt gern jemand da, der für mich Musik spielt.
So wie ich mir das Schreiben im Kiff erst erschreiben musste, muss ich mir vielleicht die Wirkung der Prunkweidensamen erst erwirken. Paolo Conte bringt sofort frische gute Laune herein. Eine schönes, feste narkotische Wirkung, die vom Magen kommt.Jetzt kann auch auch noch die letzten paar Schluck trinken. Das was Übelkeit verursacht, ist angeblich eh nicht wasserlöslich. Ja, plötzlich ergreift mich eine Euphorie, die mich dazu bringen will, alles zu trinken, vielleicht will sich die Euphorie daran steigern. Erst fand ich "Sparring Partner" ein kitschiges Lied, aber dann fand ich es richtig gut. Manchmal muss man Leute erstmal ankommen lassen und verarbeiten. Wollte ich das jetzt nich trinken? Ich darf mich, wie schon gesagt, ich von der Übelkeit abhalten lassen, sie ist nur ein Test, eine kleine Anstrengung, die beweisen soll, dass ich auch wirklich das will, was ich will, oder ob mir nur langweilig ist, aber hey, nix gegen Langeweile, aber dann muss man es ja nicht so weit treiben. Aber moment mal! Die Übelkeit kommt ja erst, wenn es zu spät ist. Also wenn man merkt, dass man den Text nicht bestanden hat, muss man ja trotzdem mit allem umgehen, was danach kommt. Die Kausalität will sich von mir verabschieben, und ich lass sie gern gehen, wenn ich sicher sein kann, dass ich noch schreiben kann wenn sie nciht mehr da ist. Man erfasst ja als Texter meist nur Zusammenhänge, als Denker denkt man sich alles zusammenhängend. Wenn man einen Satz baut, suggeriert man, dass die Substantive irgendwie zusammenhängen. Schreiben reduziert alles auf eine bloße Abfolge von Ereignissen. Jede Geschichte ist nur eine Oberfläche, jede Geschichtsschreibung beschreibt nur Wirkungen, bestimmte Wirkungen. Wenn sich dein Blickfeld wölben will, kannst du das nur zulassen, indem du nicht mehr schreibst. Alles was du kommunizierst, mindert die Kraft dessen, was du kommunizierst. Deshalb darf man auch keine Liebesbriefe schreiben.
A "Hier ist es aber nicht sehr aufgeräumt!"
B "Ja genau, und welche Farben haben deine Augen?"
:-)
Ich würde gern mit meinem mp3-Player rausgehen in den Park, aber was, wenn ich plötzlich Lust bekomme, mich hinzulegen? Also Prunkweidesamen sollte man nur nehmen, wenn man während der Wirkung immer eine Gelegenheit hat, sich gemütlich hinzulegen. Solche Sätze sind glaub ich das Produktivste, was ich schreiben kann. Alles andere müsst ihr selbst herausfinden. Ich leg mich jetz wirklich mal hin und höre der Musik zu. Runter von der Metaebene, hinein ins Getümmel.
Ich schick Fred ein Link zu dem Song "Gong-oh" von Paolo Conte und indem ich NICHT schreibe dass ich wünschte, das Lied würde 4 Stunden gehen, glaub ich, mich altersgemäß aufzuführen.
Der Höhepunkt des Lebens könnte sein, dass man unter Drogeneinfluss eine Jahrgangsfeier besucht. Die Klasse 2005 trifft sich nach 10 Jahren. Na, was hast du aus dir gemacht? Ich bin jetzt Chef eines Komposthaufens, der gerade sehr sehr sehr heiß ist. Höre ich da das Lied "74/75"? Oder stelle ich es mir nur vor? Egal.
Jetzt 7:48 erreicht der Rausch langsam eine neue Ebene, ganz deutlich zu spüren, ja. Und mir ist ein wenig übel von dem Rest, den ich eben getrunken habe. Na, drei Schluck sind bestimmt noch übrig. Aber erstmal ist das jetzt auch genug. Also im Sinne von: es braucht nicht mehr
Wäre die Übelkeit nicht, wären die Körner eine legale, gute Alternative zu Gras. Warum nicht einfach kotzen? :-) Danach wird es doch immer besser... Das Stonedsein stülpt sich langsam hier drüber. Das schreiben fällt schwer, aber es fühlt sich auch gut an, dass es sich so schwer fällt. Ohne die Übelkeit wäre der Rausch auf jedenfall nicht so tief und gründlich. Die Musik muss lauter und wärmer und dichter. Ich will mich jetzt nicht isolieren in mir. Ich hab keine richtig schöne warme, und richtig schön melancholisch kalte Musik. Deshalb kann ich auch nicht so sein, schade. Wenn man sich nicht leiden kann, darf man auch seinen Musikgeschmack nicht leiden können. Ich mag mich. Ich finde das schon richtig, was der, der ich bin, so macht. Man kann ihn ruhig mal knutschen, denke ich mir und die Tastatur fließt - synchron zur Musik, in rhythmischen Stößen an mir vorbei, aber ich tippe noch, ich reite auf ihr, während ich mir vorstelle, dass sie ein Pferd ist. Ich hab Hunger. Der größte Fluch meines Lebens ist vielleicht, dass das Laptop-Rauschen die Musik immer verzerrt. Mich immer erinnert, dass es ja nur Musik ist, die da kommt. Ohne Rauschen keine Musik. Das es so gekopplt ist, ist grad toll. Und jetzt? hinlegen, aber erstmal gucken was danach für Musik kommen muss. Der Kaptain.
Komm, wir bohren ein bisschen da rum, solang noch Ferien sind.
Man sollte, wenn man unter Einfluss einer Substanz steht, (die Formulierung dieses Satzes ist ein schöner Spaziergang) die Wirkung nicht mit anderen Drogenwirkungs-Darstellungen vergleichen. Wie sieht es denn ohne die Klischees aus? Wie fühlt es sich an?
Die allgemeine Distanz zu allem ist toll, denn man ist auch von dem distanziert, dass den Wert der Distanz in Frage stellt. So sehr distanziert, dass es mir vorkommt, als wäre ich nur existent, weil ich schreibe, denn immerhin ist dieser Text ja ein Abdruck meines aktuellen Zustands, ich lebe im Nachhinein nur als dieser Text. Ich befinde mich gerade in meiner zukünftigen Leiche. Ich bin jetzt auch nicht mehr als das zukünftige Lesen, also mich gibt es jetzt während des Schreibens noch gar nicht, erst wenn ich gelesen werde, aber dann ist das, was Gelesen wird, schon wieder weit von dem entfernt, der das Gelesene geschrieben hat.
Ich zittere und will im Bett verschwinden.
Ich vermute, dass das, was Captain Beefheart in den 80ern gemacht hat, im selben Haus wohnen will wie das, was Peter Gabriel in den 90ern gemacht hat. Wenn die Leute wissen würden, wie Musik auf mich wirkt, würden sie sich alle in mich verlieben. Menschen machen, um sich lebendig zu fühlen, verschiedene Dinge, nicht alle passen zusammen.
Ich bin entschlossen herauszufinden, wer dieser "Fasten Bullbus" in "Pena" und anderen Lieder auf dem Album ist, ich gebe bei Google "captain beefheart lyrics" ein und mir wird vorgeschlagen gleich nach ""captain beefheart lyrics pena" zu suchen. Bin überrascht. Aha, scheinbar sind da noch andere hängengeblieben. Über mehrere Umwege finde ich dann heraus, dass es "Schnell und zwiebelförmig" bedeutet. Jetzt fühle ich mich dumm, danach gesucht zu haben, haha.. Wer sich für etwas schämt, soll nicht meckern: immerhin glaubt er wenigstens noch an etwas, haha.- Na man sollte schon wissen, worauf man sich einlässt, sonst verkrampft man. Ich stehe kurz davor, den Captain zu transzendieren oder so, wenn ich überlege zu behaupten, dass man Drogen missverstehen würde, wenn man den Captain nicht kennen würde. Mit solchen Sätzen will ich mich natürlich hier nur beliebt machen. Wie süß, dass du darüber wenigstens reflektierst. haha, danke euch. Ihr seid die besten Leser, die ich haben kann, und selbst wenn ihr nich so gut seid, seid ihr doch "voll prima!", springe ich euch mit müdem grinsen und erhobenem daume auf die motorhaube, während ihr gerade hier herumkurvt. Wenn man aber nicht an das Potential von Träumen glaubt, dann braucht man bestimmte Dinge auch nicht kosten. Bestimmte Drogen machen uns zu Künstlern. Wer gegen diese Drogen ist, ist gegen die Kunst allgemein, "und sowas muss man sich ja nicht bieten lassen, oder?", komm ich mir vor als würde mich grad jemand interviewen? Ja. :-) Dieses Gefühl ist interessanter als die Wirklichkeit: bestes Argument für jede romantische oder blutrünstige Romanik (natürlich sind diese beiden Pole willkürlich gegenüber gesetzt). Ich hab Lust auf Pizza und Armageddon. :-) Die Doppeldeutigkeit verzückt mich und ich überlege ernsthaft, mir Pizza zu holen und mich in den Film zu schmusen. Nein, nicht in diesen Film, diesen ekelhaft rührseigen patriotischen Helden-Kitsch kann ich jetzt nicht in meinen Magen lassen. Die Läden haben schon auf, der Vormittag liegt einladend grell vor mir, aber welchen Film soll ich schauen? Ich brauche manchmal Leute, die mir sagen was ich versuchen soll. Ich lag eben mit der Stirn auf meinem Unterarm und hab die Augen geschlossen und gegen den Rhythmus der Musik auf den Schreibtisch geklopft und hatte das Gefühl, als wäre mein Gesicht ein Tisch, auf den ich klopfe. - Wenn man hofft, jetzt nicht zu sterben, dann weil man glaubt, etwas wichtiges festgestellt oder etwas schön formuliert zu haben. Ich frage mich plötzlich wie in einem Fahrstuhl nach ganz unten, ob Künstler noch etwas sagen können, was die Wissenschaft nicht schon längst ausgekippt hat, scheib ich, als ich gerade das Gefühl habe, von einem freundlichen Müllauto auf eine noch freundlichere Müllkippe geworfen zu werden. Ein Schriftsteller, der unter Drogen über Drogen schreibt, kann nicht vermitteln, wie die Drogen auf jemanden wirken würden, der nicht über sie schreibt oder der mit Worten einfach anders umgeht als der Schriftsteller. Ich verstehe gerade, dass alles, was man vergisst, auch Wert ist vergessen zu werden und fühle mich beim Ausformulieren des Gedankens wie ein typischer Rausch-Dichter, der vielleicht nur den Geist seiner Generation und dem, was diesen Geist gebildet hat, kommunizieren kann und nicht etwa die Wirkungs-Essenz der Substanz, unter deren Wirkung er gerade steht. Ich bin jetzt entspannter und schäme mich nicht, ein Schriftsteller zu sein, selbst wenn ich nur ein bisschen Elend bin, das das Maul zu weit aufreißt, niemand hat mir Stabilität in diesem Leben garantiert, also soll ich auch nicht so ein Gesicht machen, als wäre ich betrogen worden. "Veterans day Puppy" hat so eine lustige Wirkung auf mein Gehirn. Es ist kurz nach um 9Uhr. Die letzte Zeit kommt mir wie ein Film vor, der sich nicht in mein übliches Leben fügt, sondern abgetrennt davon seine Gültigkeit hat. Es ist so schön, dass ich noch mit den Worten umgehen kann als wären es Gewächse, ich gestalte meinen Urwald damit, in dem es so viele Dinge gibt, die mir zeigen, dass ich nicht allein bin, dass ich etwas habe, mit dem ich mich Verkörpern kann, mit dem ich mich kommunizieren kann, für mich selbst... Alle die das hier lesen, schauen nur zu. Werfen sie ein bisschen Geld in den Hut oder gehen sie weiter. Ich hab Lust mir eine geile fette Pizza zu holen und zu grinsen und sie zu verschlingen und einen Film zu schauen und mich an jemand zu schmusen und fettgefressen einzuschlafen, damit ich es auch am nächsten Tag wieder mit allen aufnehmen kann....
Definitiv ein schöner Rausch, der das Leben lebenswerter macht, so platt und wie Werbung das auch klingt. Eben in der Küche Reis aufgekocht. Sehr gut, sehr abenteuerlich. Und es ist nichts verbrannt, nichts schimmlig, alles gut. Die richtige Temperatur, vielleicht noch etwas Honig. Ich will es nur etwas warm machen, jede Temperatur ist richtig, komm, das reicht schon! Mal kosten, wie es mit bisschen mehr Pflaumenmus-Fruchtigkeit schmeckt. Definitiv eine Bereicherung. Aber jetzt auch schon zu süß. Erstmal kein Appetit mehr. Dann hatte es ja alles einen Sinn. :)
Indem wir arbeiten, zeigen wir unbewusst, dass wir unzufrieden sind. Wenn man aber zufrieden ist, dann muss man sich das auch zeigen und eben nicht mehr arbeiten, einfach nur auf den Moment steigen. Und was mach ich jetzt hier? Ich hab ja nur die Touristen auf dem Esel meines Textes hier abgeladen... Dann schau ich mich eben auch mal um... Aber wenn ich keine Funktion habe, fühl ich mich schon wieder sehr einsam, fast wie eine Vorstufe von tot. Vielleicht bin ich nichts ohne Leute, die mir helfen mich einzuordnen? Kritiker parken die Kunst nur ein.
Können sich die sauberen Drogengegner nicht erstmal sagen: "Na irgendwas muss ja dran sein!", statt gleich zu bekämpfen. Was wollen die denn bekämpfen? Die isolierten Drogen als Systemgegner, oder das ganze Milieu, das notwendig entstanden ist als Alternative zum System? Verbotene Drogen zeigen, was in dem Staat, der sie verbietet, alles falsch läuft. Aber statt der Staat in seinem eigenen Interesse die Schlaglöcher ausbessert, bestraft er die Leute, die einen Bogen herum fahren. Über alles, was ich noch nicht formulieren kann, kann ich auch später noch nachdenken. Erstmal alle formulierbaren Gedanken vollstrecken, da, und gleich nocheiner hinterher. Das alles kannst du nehmen, das alles kannst du geben und wilde Gesten des "keine Ahnung, ob ihr damit was anfangen könnt, aber es hat der Spaß abgeworfen, indem ich grad stecke" machen... Jetzt verstehe ich, warum man mir mal den Nobelpreis geben wird, weil man der Kunst an sich auf die Schliche gekommen ist. Der letzte Literaturnobelpreis wird ironisch an jemanden verliehen, der ihn ironisch annimmt, warum also nicht an mich, der keinem akademischen Milieu entspricht? Jeder tut so, als würde er an seinem Erfolg glauben, als wäre er ein Genie, das man einfach erstmal machen lassen muss.. Würde ich nicht einfach erstmal machen, würde ich vielleicht gar nichts zustande bringen! Lasst mich hier ruhig eine Weile brüten, wenn ihr etwas Geniales von mir verlangt, ihr blöden spießigen Nazis. Ja, Faschismus wäre eine Alternative, wenn er nicht so spießig wäre. Ihr wollt, dass ich etwas abliefere... nein nein! Von dem Gedanken kann man sich auf trenne. Mein Leben hat auch einen Sinn, wenn ich nichts abliefere, wenn ich einfach alles behalte.. Aber selbst dann hätte ich die Sehnsucht, in einem sagenumwobenen Knall alles herauszuschleudern, und dann von ekligen Affen, mit denen ich nie was trinken gehen würde, für meine Authentizität gelobt werden würde. Wie werde ich auf die reagieren, wenn man mir schonmal die Chance dazu gibt? Ich würde ihnen nicht ins Gesicht springen, ich würde sie einfach schön Werbung für mich machen lassen, indem sie was auch immer an mir gut oder schlecht finden. Bin ich wirklich so seltsam? Wer Angst hat, seltsam zu sein, hat keine Ahnung, was in der Welt alles für Spinner herumlaufen. Würden eine Million Leute sich jede Woche einigen können, welche zehn Musikalben sie kaufen würden, würden sie ganz realistisch die Kulturlandschaft und damit das Land verändern können. Es ist sehr einfach, die Menschen müssen wirklich nur dran bleiben! Ich bin grad in dem Moment, in den sich ein sat1-Nachrichtenteam zurückschicken würde, um live dabei zu sein, wie sich die Idee freisetzt, ... wie die Idee schlüpft... "Haben sie gerade gesagt, sie züchten Raptoren auf dieser Insel?" - "Aua, drücken Sie meinen Arm nicht so!" Das ist also der Moment, na fein. Und welcher Moment ist da drüben? Nun, in diesem Moment hier formuliere ich gerade, dass ich von einem Moment in den nächsten springe. Und pünktlich fängt ein ganz neues Album an. Black Lips. Ich möchte allen Leuten, die diese Musik hören, zeigen, dass ich sie mag, also die Leute, die Musik sowieso. Naja, natürlich mag ich nur die Leute, die die Musik so empfinden wie ich. Sicher gibt es auch paar Nazis, die zu der Musik auf ein paar Türken-Köpfe springen würden. Schade, dass mir niemand eine Pizza serviert.
Wenn ich die Worte hier nach einem Moment, an dem ich die Uhrzeit genannt habe, durchfoste, kommen mir manche Wortteile so vor, als wären darin Buchstaben die unser deutsches Alphabet nicht kennt. Im Grunde ist es total beruhigend, wenn man keine genialen Dinge mit der Wahrnehmung anstellen kann, sondern einfach nur so versinkt in dieses angenehme Kribbel. Jeder Rausch wird auch dadurch beeinflusst, dass du dich an Leute erinnerst, die berauscht sind. Die Sympathie / Antipathie für sie beeinflusst den Rausch, um genau zu sein. Während des Schreibens des letzten Satzes habe ich mir vorgestellt, dass ich mit dem Leser auf diesem Satz über eine Straße gehe wie auf einem in Ölfarben gemalten, tropfenden Hund. (Wie sich herausgestellt hat, war das bei dem Satz eben genau so. Jetzt ist es anders, weil ein anderes Lied kommt, Navajo. Voll schön. Solche Freunde hab ich auch, wenn sie nur mal aus dem Knick kommen würden. Ich würde meine Freunde niemals gegen andere, vielleicht bessere oder erfolgreichere eintauschen. Jedenfalls wird es in ein paar Sekunden 10.Uhr und ich hoffe, und jetzt hab ich es auch geschafft, dass ich den Satz formulieren kann, bevor es 10Uhr ist und jetzt ist es 10 und alles ist bestens gelaufen, sag ich in die Kamera grinsend und der Kronleuchter kracht auf mich nieder. Ja, damit kann das Video über diesen Moment aufhören.
Ich bin etwas traurig, den Moment verlassen zu haben, aber dieser hier hat ja auch was bereit, nämlich eine entspannte Grundstimmung, die ein guter Ausgangspunkt ist für neue Momente, vor denen ich nur noch etwas Angst habe, kein echter Bammel, eher so eine Skepsis, Vorsicht... Da kommt wieder ein neuer Lehrer, mal sehen was er hat.
Jetzt trinke ich auch noch die letzten Schluck auf. :) Stimmt, ich hab da ja noch was...Sowas sagen zu können ist IMMER wichtig im Leben, prahle ich gegen meine Demut vor meinem Glück an. - Na wenn, dann aber mit anderer Musik. Belebend, aber nicht so punkig, konventionell... Also mit so einer Musik kann man sich auch nur auf die Schwingung einer Welt einlassen, die man eigentlich gar nicht will... Also die Musik spricht noch zu sehr die Sprache, deren Land ich verlassen will... So wie diese Punkmusik ja auch den Gefilden anderer Musik Widerstand leistet. Und damit der alte Gedanke: Punker, die wollen, dass du ein Punk bist, sind keine echten Punks. Es riecht nach Essen, aber ich hab keine Lust einkaufen zu gehen, erstmal das Dings trinken, aber wie gesagt, mit anderer Musik... Und bitte absolut nichts gegen die Black Lips!
Ich wäre ein guter Geschichtenerzähler, wenn ich nur eine Geschichte hätte, die mich interessiert. Aus Geschichten wird doch immer das selbe gemacht, man ordnet sie ein, man bespricht sie, man ordnet sie um, aber die Leute vor dem Fernseher machen eh damit, was sie wollen, man kann ihnen nur Ratschläge geben, aber ich will erstmal niemanden schlagen, ich wäre gern eine Ratte und andere Freunde sollen auch Ratten sein. Ich stelle mir grad das feiste Grinsen meines Nachbarn vor, der stolz einen komischen Gedanken, den er ausgefressen hat, herumhält und ich lache, aber sitze trotzdem mit meiner Lederjacke in der Ecke. Alles nur Ablenkung! Aber du willst doch abgelenkt werden! Ach, wovon denn? Da gibt es nicht viel... Ich suche ja gerade in diesen Momenten nach etwas, woran ich mich festhalten kann... Ohne die Musik im Hintergrund "Hippie Hippie Hurrah" würde ich mir viel kleiner, peinlicher, erbärmlicher vorkommen. Trotzdem definiert mich die Musik zu sehr. Das bedrückt mich alles. Alles, was mich definiert, bedrückt mich. Deshalb sind auch Leute, die nur über sich selbst nachdenken, irgendwann depressiv.
So, jetzt 10:17 den letzten Schluck. Der Tag ist total laut und voller Geröll, stelle ich fest, während ich mir den grinsenden Mund an meinem Pulli-Ärmel abwische. Das dauert zwar ein bisschen lang, bis ich den Satz geschustert habe, aber er hat seine Gültigkeit. Der Künstler ist auch nur ein Mensch, der Gültigkeit erzeugen will. Also, der etwas Gültiges machen will. Jeder Buchstabe ist ein Dominostein. Der Leser lässt sie dann alle umklappen, und wenn er mit den Gefühlen, die dabei kommen, etwas anfangen kann, dann habe ich doch meinen Job getan, dann könnt ihr mich wieder ins Regal stellen und erstmal aufs Klo gehen oder so. - Ein Künstler erzählt nie "vom Leben", sondern bloß "von seinem Leben ALS KÜNSTLER". Aber das habe ich ja schonmal angedeutet. Irgendwie ist es mir ganz recht, noch nichts Klares zu Stande zu bringen, denn das würde bedeuten, man ist reif, man ist angekommen, man steht selbstbewusst ein paar Schritte näher dem Tod gegenüber als noch vor ein paar Jahren. Oder anders ausgedrückt: Überzeugungen und klare Linien und klarer Stil und klare Zeitlinie sind was für alte Leute oder welche, die alt werden wollen, die auf etwas Eindeutiges hinauslaufen wollen. Wer "Verantwortung übernehmen" will, wer es nicht gut findet, dass ich das in Anführungsstriche gesetzt habe, wer nicht will dass ICH so wie ich JETZT bin irgendwas selbstbestimmt setze, der will alt werden. Nichts gegen Alter, aber man muss auch alt sein können, also man muss bestimmte Dinge seinlassen wollen, man darf sich nicht von anderen Leuten als sich selbst dazu gezwungen fühlen wie ein alter Mann, der sich unter dem Cafe-Tisch vor dem Kellner versteckt,; (die Szene ist untermalt von "I'll shoot the moon" von Tom Waits) --- Es ist so gemütlich hier, ich kann mich unmöglich hinauswagen, wie ein Piraten-Kapitän, der Angst vor seiner eigenen Mannschaft hat und der Bildschirm und der Schreibtisch schwankt auf diesem Boots-Tagtraum. Das hier ist also einer dieser produktiven, berauschten Momente meiner Jugend, von dem was von meiner Jugend übrig geblieben ist. Ach, da is doch noch EINIGES!, rufe ich mir zu und komm mir vor wie eine Ententante, die ein paar Wohlfühl-Phrasen gluckst, weil sie halt nicht mehr zu geben hat. Arme Ente, und Momentmal! Auch armer Tobi. Die Tatsache, dass eigentlich nichts Sinn machen muss, freut mich total. Manchmal glaub ich bestimmten Sachen nicht, weil ich sie nicht interessant genug beschrieben habe. Aber hier, das ist ein sehr sehr interessanter Moment, auch wenn ich es nicht formulieren kann, dafür muss ich aber mal pipi machen :-) - Ich bin so ordinär. Ich gehöre zu euch! Willkommen Tobi! Danke Tobi! Huch, und jetzt?`Du hast ja noch weniger als wir... Naja, aber trotzdem BIN ich ja hier... Ich kann auch wonanders sein, das stimmt... Ich hab Angst vor dem Ende des Liedes, "Blind" (talking heads) aber dann kann ich wenigstens auf Toilette gehen... "hihi Toilette klingt so vornehm", grinse ich wie ein Behinderter, der vor einer verschlossen Klotür seinen Pinkeldrang wegtanzt.
So, bin wieder zurück. Der Rausch ist auf jeden Fall verwandt mit dem, was viel Cannabis macht. Ich glaub es ist lustig, mit meinem Nachbarn gleich mal rauszugehen, einkaufen. Oh Mann, und Haare wollt ich auch mal waschen, die kleben sonstwo... Aber das kann man auch alles hinnehmen, denn es stört ja nicht wirklich bei dem, worum es eigentlich geht... Wobei es hier doch sicherer ist als draußen, ich muss mich schon zurückhalten, bei Facebook irgendeinen Quatsch zu machen....
Ich geh mit Christian bisschen raus. War schön, dass er mal reingeschaut hat. Der Vormittag ist freundlich und offen, aber auch ein bisschen wie "cold water" von talking heads... bestimmt weil es das letzte lied is, hat es so ne komische aura. aber gerade wenn ich mit leuten rede merke ich, dass ich doch klarer bin als es mir beim schreiben so vorkommt...
War lustig, ein schön chaotischer Einkauf, wir waren beide mehr oder weniger angenehm überfordert von der lustigen Vormittagswelt im Edeka. Christian hat heut nicht geschlafen und ist ganz begeistert von den neuen Möglichkeiten seines Bewusstseins und der Euphorie im Bauch. Macht jedenfalls viel mehr Spaß mit Freunden durcheinander zu sein als allein. Es macht ja sowieso mehr Spaß, durcheinander zu sein als klar zu sein. Alles was klar ist, engt ja sehr ein, aber es wird ja erst ineressant, wenn man die üblichen Muster durchbricht. Bloß nicht hinterfragen, ob der Rausch echt ist, das ist absolut nicht notwendig, es muss dir total egal sein inwieweit der Rausch (der Schlafentzug oder die Substanz) etwas mit dem zu tun hat, was du wahrnimmst... Es ist total, warum du jetzt so bist... Lass dich einfach in das fallen, was du bist. Es ist nicht nötig, sich immer umzudrehen und zu vergissern, was man da aus welchem Grund auch immer macht... Ja los, du kannst auch einfach frei sein ... Das ist die Botschaft die ich aus den letzten Stunden mit Christian und dem Hund im Park ins Buch hier mitbringen kann. Wir haben unterwegs Thomas getroffen, der letztens gedroht hatte, aus dem Fenster zu springen, er sagt er hat sich selbst aus Geisel genommen und erzählt viel darüber, warum der Kapitalismus die Menschheit kaputt macht und ich fühl mich ein bisschen wie auf einem Studentischen Stammtisch, weil das was erzählt wird keine Auswirkung haben kann. Es ist nur ein "das System ist schlecht". Das ist es ja auch, aber indem man sich gegenseitig erzählt, dass man unter dem System leidet, legitimiert man ja am Ende nur seine Resignation. Jetzt schauen mich die interessierten Leser an und fragen, was ich als Alternative zur Resignation empfehle, aber wenn ich mich von Leuten mit Tabellen und Charisma eingeengt sehe, fühle ich mich wie ein total dummes, kindisches, albernes Gör. Was weiß ich! Ich stelle nur grad fest, dass Morrissey seine Musiker anstellt, damit sie ihn als etwas Empfindsames, Selbstbewusstes, Aggressives darstellen. Morrissey ist auch nur ein Gör, das bisschen Krach macht. "Hört nur, wie laut meine Band ist. Ich hab so viel Leben und Energie und Aggression in mir wie die Band. Die Musik entspricht mir genau!" Nein nein, so einfach kannst du es dir nicht machen! Was wärst du denn ohne deine Band? Sowas soll man mir niemals vorwerfen!
Gleich 15.00Uhr. Ich weiß nicht, ob der Rausch noch da wäre, wenn ich alles auf einmal genommen hätte und nicht die letzte Tasse verteilt über den Vormittag getrunken hätte. Wann hab ich überhaupt den Rest getrunken? Ich hoffe ich hab die Uhrzeit hingeschrieben....10:17. Die Wirkung dieses letzten Schlucks, vielleicht 50ml, dürfte jetzt nicht mehr stärker werden.
Psychiv TV, gute Band. Ich fand es süß, wie fast schüchtern Genesis P-Orridge gesagt hat, er mag Psychic TV viel lieber als Throbbing Grisle. - Ich versteh den Sinn mancher Liedtexte nicht, aber find es auch nicht schlimm. Warum sollte man immer alles verstehen müssen, was andere Leute meinen? Würden die ein Interesse daran haben, dass ich es verstehe, würden sie sich gewiss nochmal melden, falls ich die gewünschte Reaktion nicht zeige. Vielleicht lass ich mir was entgehen, wenn ich mir nicht mehr Mühe gebe? Kann sein. Aber ich habe gerade gar nicht nötig, irgendwas zu verstehen. Rettende Weisheiten können sowieso überall sein. Ab einem gewissen Punkt des Rausches sollten Lieder nur noch instrumental sein, es nervt, wenn Sänger immer mit irgendwelchen Gedanken ankommen, mit denen man etwas anfangen muss... Das ist auch der Punkt des Rausches, ab dem der, der darüber schreibt, nicht mehr schreiben darf, was heißt dürfen (man "darf" auch dem, den man liebt, Hundekacke ins Gesicht schmieren), aber ich will es eben nicht. Ein Rausch wird ja auch entwertet, wann man ihn als etwas darstellt, das nicht so interessant ist wie das Schreiben darüber.
Ist ein Dichter, der berauscht den Rausch beschreibt, überhaupt glaubwürdig, wenn er noch schreiben kann? Mit diesem Satz möchte ich gern den Rausch freisprechen von all den Worten, die ich ihm zur Last lege.
- Mische jetzt DroneZone von SomaFm mit dem 20er/30er-Jazz-Radio (accuradio) und leg mich hin. War ein echt schöner Tag.
Nachtrag:
- Wenn ich im Dunkeln liege, hab ich helles, weiches Stroposkop-Licht-Flackern vor Augen.
- Ich bin kurz wach und hol mir was zu trinken, es ist dunkel draußen und ein Schatten huscht hinter einem Auto vorbei.
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