26 Juli 2015

Spinnenfäden

Halsüberkopf in die sterile Fülle sämtlicher Möglichkeiten. Bruchlandungen ohne Folgen. Keine Geschichten mehr! Garstige Kinder. Wir sind erst authentisch, wenn wir den Boden unter den Füßen verloren haben, so als würde Bodenhaftung uns nur erinnern an die Unbestechlichkeit des Friedhofs, wo uns immer das letzte Urteil gesprochen wird.

Besoffenen Leuten wirres Zeug um den Hals hängend, erleuchtet von einem dunklen Sativa stieg ich durch die langweilige Intensität des Abenddämmerungsgraus. "Du bist momentan der einzige, der dich genau wahrnimmt, momentan, momentan, momentan!", ermutigte mich meine Hauptstraßenmelancholie zum Lallen und Stolpern, und lallend und stolpernd entdeckte ich endlich, dass ich kein Leben mehr führen kann, in welchem ich nüchtern entscheide, was zu tun und zu lassen ist und der Zusammenhang von Kiffen und Arbeitslosigkeit mag Euch klar sein: Arbeitslosigkeit ist eine von vielen möglichen Ursachen, weshalb Menschen gern Gras rauchen. Wer aber einen erfüllenden Job hat und ihn gut macht, kann nicht einfach von Cannabis aus der Bahn geworfen werden, und wenn du keine Arbeit hast, weil dich keiner will, weil dich nichts interessiert oder du nichts zu geben hast, dann wird dir Gras allein auch nicht weiterhelfen.

Künstler werden schließlich dafür bezahlt, sich ewig um sich selbst zu drehen: im grauen Himmel die Klinge eines Regenbogens, ein Hubschrauber zieht seine Kreise, eine fröhliche, schiefe Posaune und kühler Nieselregen, Montagnachmittag, an der Auenschanze in Erfurt. Das Haus ist nicht so stabil wie das Mauerwerk vermuten lässt. Wieviel Leute belästige ich gerade mit der über einen Gitarrenverstärker laufenden Musik? Den Strom hab ich aus dem Keller gezogen, das Internet von meinem Nachbarn und ich glaub mein Handy ist jetzt auch abgestellt. Bald ist alles auf Ausgangsposition. Entscheidende Dinge passieren hinter dicken Vorhängen, ich bin wirklich vom rechten Weg abgekommen, ich bin völlig losgelöst von Ängsten und Absichten. Die zunehmende Verwüstung meiner Wohnung scheint Folge meiner Unfähigkeit zu weinen zu sein. Ich weine mit meinem Müll, meinem Sumpf, meiner Dunkelheit, meinen Irrtümern und Bosheiten. Wird mir gleich der Strom abgestellt?

Wir müssen unsere Gesichter neu erfinden und abfotografieren und in die Welt halten und sagen, was wir können wollen und wollen können; erstmal die Fresse weit aufreißen und durchdrehen. Ich komme mir vor wie in einer MDR-Nachmittags-Casting-Show auf weichen Sofas, auf denen es darum geht, Leute für einen Verlag zu finden. Ich müsse mich von meiner besten Seite zeigen, haben sie mir geraten. Ratschläge in die Magengrube. Meine Wörter zu einem grauen, zähen, klebrigen Brei zusammenkauend, stehe ich mit beiden Beinen im Leben und erkläre all mein Hoffen und Zittern für ungültig. Alles ist so wunderbar ärgerlich! Ich habe keinerlei konkrete Vorstellungen von irgendwas. Ich bin ein freundliches, geschlechtsloses Wesen, das in sich selbst feststeckt wie in einem Film ohne Handlung. In welchem Film willst du sitzen?

Wie können wir Leuten, die nicht glücklich sind, nicht zugestehen, ihr Leben, ihr Bewusstsein, ihre Zukunft zu verändern wie die Einrichtungsgegenstände in ihren Wohnungen, wie ihre Freunde, wie ihre Youtube-Playlisten? Meine solidarischen Grüße an alle, die rufen: "Wo bekomme ich genug Wahnsinn her, der meine Scham und Zweifel ersticken kann? Ich will sie zappeln und ganz langsam sterben sehen. Ihnen vielleicht zwischendurch bisschen Hoffnung geben, sie könnten doch entkommen, aber nein nein, ihr bleibt hier und sterbt weiter!" - Vielleicht ist man es seiner Jugend schuldig, dass man sich mit Optimismus besäuft, vielleicht werde ich immer verklemmt bleiben. Ich muss mit irgendwas verschmelzen, bevor ich mit nichts mehr kompatibel bin.

In der Einsamkeit fangen die inneren Leitlinien zu funkeln an.

Autismus oder Epilepsie: die zwei reizvollsten Möglichkeiten, das Leben abzurunden.

24 Juli 2015

24.7. - Chances narrow that I make it

Nur wer mit den herrschenden politischen Verhältnissen zufrieden ist, hat eine echte Grundlage um Cannabis-Konsumenten zu kritisieren. Man kann nur etwas gegen den Rausch haben, wenn man das Nüchterne im direkt erlebten Vergleich besser findet. Positive und negative Aspekte abwiegen - und zwar einmal nüchtern und einmal berauscht - und dann sich hoffentlich entscheiden können.
Die laute Musik ist absolut löblich, egal was andere sagen. Die letzten drei Lieder von dem großartigen Lamb-Album von Genesis. Hat man je ihre psychedelischen Qualitäten erkannt? Vielleicht ein Geheimtipp, vielleicht machen es alle Kiffer irgendwann. Ich finde die Idee, "Wir, die Cannabis-Konsumenten, die in einer geheimnisvollen, offenen, intensiveren, gegenwärtigeren (Je intensiver etwas, desto gegenwärtiger, desto mehr lässt der Druck der Vergangenheit und die hohle Unendlichkeit der Zukunft nach.) Parallelwelt miteinander verbunden sind, ein Kollektiv mit einem Zentrum, das gemeinsame Losgelassenhaben. Kunst (z.B. ich) kann das begleiten, indem man losgelassen liest, was ich schreibe. Vielleicht fangen meine Texte erst zu tanzen an, wenn man beim Lesen losgelassen ist und sensibel, entspannt, offen und herzlich erhaben ist (sosehr, dass man gar keine Lust hat, Wörter zu schreiben / zu lesen die kein inneres Bild oder Gefühl auslösen, wie z.B. ich hat kann ob). Vielleicht kann eine Weiterverarbeitung der Grastexte die Wirkung verstärken. Manchmal kann man an einem Text nur die eigenen Möglichkeiten und Unzulänglichkeiten ablesen, statt ihn zu kritisieren. "Was kann ich dafür, dass der Leser an seinen alten Idealen ("Texte müssen auch nüchtern gelesen gut sein"). Keine Lust mehr darüber nachzudenken, ich könnte euch alle ohrfeigen, weil ihr nicht ohne meine Erklärung versteht was ich meine. Ich will nicht mehr der nervige Quatscher sein, der Euch aufgeregt auf bestimmte Dinge hinweist. Falls es grad nichts anders zu tun gibt, ("Es gibt nie etwas zu tun!", Opa Geritt) einfach nur in die Musik rein oder in das Rauschen der Bäume. Hoffe Fetsch meldet sich noch. Fetsch, perfektes Pseudonym. Werde es in den anderen Texten jetzt gleich ergänzen. Ich hoffe, er hat mich nicht vergessen, zum Glück kann ich ihn nicht zwingen, mir zu glauben dass ich ihn lieb. Lieb und Lab sitzen auf einer Parkbank, die Sonne am Horizont strahlt ein wunderschönes Rot, der Himmel kann so schön rot sein, er mahnt uns, dass wir nicht immer die selbe Stimmung haben müssen. Eine Erkenntnis wie ein Steinbrecher: der Himmel soll uns helfen, in wechselnde Stimmung zu kommen, um nicht zu verstarren. Das Glück des Lebens findet man im Wechselbad des Innenlebens. Stimmungen sind die körperlichen Folgen eines unbewussten Prozesses. Du weißt, was gut für dich ist. Also mach es wie der Himmel und wechsel die Farbe deines Lebens. Lieb und Lab sitzen also auf dieser Parkbank im wunderschönen Rot der Sonne am Horizont hinten. Lieb sagt: "Du bist ja noch nicht mal ein richtiges Wort!" und befürchtet schon, dass das kein Witz mehr wird und Lab sagt: "Keine Angst, ich bin eine Lustigkeit, gedacht als Präteritumform von liebte." Ok, dann fang ich nochmal an wie aus dem Nichts: "Hey Lab, findest du diesen Himmel nicht auch schön?" und Lab so: "Ja, ich kann mich mit dieser Abenddämmerung wunderbar identifizieren." und Lieb lachend: "Aber es ist doch Morgendämmerung." Sie schauen mich fragend an und ich schaue fragend die Leser an. Wissen Sie, es gibt Leute, die sich mit der Morgendämmerung identifizieren, manche mit der Abenddämmerung. Ich habe seit Jahren aufgehört, mich mit Übergängen zu identifizieren. Ich bin ein reiner Zustand, so wie die meisten Menschen, da sie sich mit ihrem Mittag identifizieren. Ich hingegen identifiziere mich mit meiner Mitternacht.

(Hier kommt später ein Link zu Diktiergerät-Aufnahmen an.)

Ich weiß nicht, ob ich mich in die Traurigkeit darüber, dass er mich heut vergessen hat, reinsteigern soll oder mit irgendwelchen alles-relativerenden Zuständen und Situationen tiefenentspannen, bis ich erhaben bin über meinen Liebeskummer, so wie ich es mir von den Helden und Antihelden in den Filmen wünsche. Romantiksoße kann das ganze Essen mittelmäßig machen. Dabei spricht nichts gegen Genuss und so viel gegen Mittelmaß. Das Leben kann nur ästhetisch gerechtfertigt werden. Oder anders: der Sinn des Lebens liegt im Genuss, der guten wie der unangenehmen Dinge.
Jetzt ahne ich, warum ich an einem Verlust meines Egos bemüht bin: weil ich dann meinen Liebeskummer besser ertragen kann.
Vielleicht sollte man häufiger mit Freunden über seine sensible Seite reden, damit sie nicht verwundert sind, wenn ich einen Freund hab und ich irgendwie zu glauben beginne, dass die Verwunderung gerechtfertigt ist. Vielleicht gibt es die reine Liebe nur unter vier Augen.
Sobald ich mit Schreiben aufhöre, kommt meine Angst wieder... Vielleicht würde ich in einer echten vollständigen Liebesbeziehung keine so großen Ambitionen haben, was mein Schreiben angeht. Schlechter Ausdruck, ich weiß ... bzw. ahne. Wieviele Leute wissen überhaupt, dass ich existiere? Was fange ich mit einem Leben an, von dem kaum einer Kenntnis hat? Diese Frage hält meinen taumeligen Weg hin zum im Sonnenuntergang befindlichen "Hinzum"-Edeka-Markt, bzw. Konsum.

Wenn er sich noch meldet, wird es ein guter Abend, wenn nicht, wird es ein trauriger Abend. Ich will mich damit nicht abfinden, deshalb schreibe ich es nicht gern in dieser Form, aber irgendwann muss ich mich ja stellen und warum nicht jetzt, hm?... warum nicht jetzt? Warum hier? Weil es abstrakt genug ist - für all die verstetzten Mädchen da draußen: "Hör auf dir Erklärungen zu suchen, warum er dich vergessen haben könnte oder warum er sich nicht gemeldet hat oder warum er dich grad nervig findet. Dann ist es eben traurig etc... Wenn du aufhörst, was ändern zu wollen, leidest du weniger. Und überhaupt gehört das alles nicht hier her."

All diese Sätze sind Sand in meinem Mund.


23 Juli 2015

23.7. - Komm doch noch ein bisschen näher

(1)

"Warum sich überhaupt noch bewegen, wenn schon alles entschieden ist?", nickte er auf seinem Schaukelstuhl ein. Der Tag fand ohne ihn statt, was für beide ein großes Glück war. Wohl dem, der sich rechtzeitig zurückzieht!

Eine Cannabis-Sucht ist nicht schlimm, irgendwas muss man uns doch zugestehen. Es ist langweilig, in dieser Stadt keine Angst zu haben. Ich liebe es, meinen Freunden über die Schulter zu schauen. Ich liebe es, mir in der Nase zu popeln, während ich fremde Leute anstarre. "Alles ist eine Wiederholung.", rufst du und kippst fast vom Stuhl.

Was habt Ihr davon, wenn Ihr das, was wir wollen, ganz hoch auf den Schrank steckt? Meint Ihr, das macht uns traurig?

Auf welchem Boden steht bloß diese Euphorie? Vielleicht hab ich es zu weit getrieben, vielleicht bin ich wirklich abhanden gekommen. Die Kassiererin ist seit Tagen ungewöhnlich unfreundlich, mein Tätigkeitsdrang wird immer abstrakter und will sich im Sand verlaufen. Von niemandem ernst genommen, kratze ich mit blendendem Grinsen die letzten Cent aus diesem Monat, um mir Obst und Kaffee zu kaufen.
"Nicht immer versuchen, alles richtig zu machen.", wolltest du mich am Telefon trösten, "Du kannst nichts verlieren, was es gar nicht gibt.", wolltest du heute feiern gehen. Mach das, ich bleib zu Hause, and I'm not happy and I'm not sad.




(2)

Wenn jetzt jemand schreien würde "Mach die verdammte Musik leiser, es gibt Leute die wollen schlafen! Du verkommenes Supra-Subjekt du!", dann wäre das nur mit einem heiteren Ende einer Episode von Shameless vergleichbar. Ohne Gras würde mich diese Lappalie mehr bekümmern. Unter Gras wird alles zu einer Lappalie, die gerade deshalb, weil sie eine Lappalie ist, so euphorisiert. Ich könnte sofort mit Schreiben aufhören und in den Moment mich ziehen lassen und wie auf einem Karussell die Leere meines äußeren Lebens anschauen, das innere Leben ist erstrahlt von reichen, strömenden Farben. Das Gehirn tut so, als gäbe es einen Grund zur Freude. Jetzt, wo du schonmal hier unten bist, kannst du auch mal überlegen, ob nicht alle Freude einen echten Grund entbehrt angesichts der dummen Begrenztheit des Lebens. Ich erinnere mich gerade ganz lebhaft daran, wie aufgeregt ich als Kind nachts im Bett der Endlichkeit meines Lebens entgegengezittert habe. (Ganz langsam und lebhaft muss erfahren werden, was gut beschrieben sein soll.) Die Begrenzheit des Lebens so gut es geht meiden wie den hasenzähnigen, kaltäugigen Bösen Marcos in der Schule. Du weißt, nach der letzten Stunde bist du dran. Was könnte ich ihm nur getan haben? Ich schlawendel durch den Tag so gut es geht. Wenn er mich im Gang anrempelt und meine Milchtüte zu Boden fällt, werde ich kurz schlucken. Noch ist nichts passiert. (Ich habe eben "auf den Böden fällt" umgewandelt in "zu Boden fällt", weil ich damit meinen Charakter so prägen möchte, wie ich glaube er am besten zum Charakter "der Person" passt, die ich so fulminanto liebe. Das Gras ist verdammt gut. Endlich kann ich einpacken: das Ende meiner Beschäftigung mit dem Kraut folgt in Form eines Satzes, dem nun Folgenden, ich danke Ihnen schonmal für die Aufmerksamkeit und freue mich, wenn Sie mir helfen würden, tolle Musiker zu finden, mit denen ich Tollheiten erfinden und in die Welt schicken kann in Form von Musik. Der Ventilator ist so schön dezent und eindringlich zugleich, sein Surren erhebt mich über mein Zeitgefühl, ich bin kuschelig zugedeckt von Gedanken und Vorstellungen, Euphorie trotz fehlendem Ziel und Zentrum, eigentlich nur eine Tiefenentspannung, die die Gehirnaktivität deutlich erhöht. So entspannt werden alternativere Gedanken und Stile möglich -> man muss oft stehenbleiben und sich umgucken. Was soll dein Normalzustand werden? Ich frage, weil es ja auch möglich ist, ständig Cannabis zu nehmen. Ich schreibe nicht "bekifft zu sein", weil das Wort so mit ekligen Assoziationen beladen ist und klanglich auch nicht das Niveau hat wie das eigentliche Kraut. Wenn man sich mit Worten beschäftigt, distanziert man sich zwar erst von der Welt, kann dann - da man mehr Überblick gewonnen hat über diese Welt, die mit Worten nicht zu bändigen ist - mit ganz anderen Grundgedanken und einem ganz neuen Lebensgefühl in den Alltag gehen, der kein Alltag mehr ist, sondern ein etwas lahmer Anfang eines schaurigen Abenteuers mit einem ungewöhnlich heiteren, über die Maßen gelösten Happy Ends, ähnlich dem, was sich gerade für diesen Text ergibt: habe ich nicht schon vorher ein Ende machen wollen?


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(3)

Ich habe mit Martin letztens über Meditation und Leere geredet. Dabei hab ich gemerkt, dass ich Leere und Nichts immer synonym verwendet habe, da ich es nicht zu unterscheiden wusste. Jetzt erscheint mir der Unterschied so wesentlich, dass sich etwas in mir einen völlig neuen Namen wünscht.

Betreff: Nichts/Leere
Soeben ist mir der Unterschied aufgegangen: das Nichts befindet sich jenseits des Lebens, die Leere befindet sich im Leben. Die Leere befindet sich in einem existierenden Raum, das Nichts hat keinen Raum. Im Gegensatz zur Leere kann das Nichts nichts bewirken. Es ist virtuell. Wenn ein Stift nicht mehr existiert, existiert das Nichts des Stiftes nur in unseren Gedanken. Ohne Gedächtnis und Todesbewusstsein kann man keinen Begriff vom Nichts haben.
Leere ist ein realer Zustand, das Nichts versammelt hingegen alles, was gewesen ist, was nicht mehr ist und was niemals sein wird. Oder noch straffer: Nichts = Tod. Leere bedeutet: Abwesenheit von Zielen und/oder rationalen Gedanken und/oder Gefühls-Regung. Leere ist bloß ein Gefühl, denn Existenz kann niemals leer sein. Leere ist Beruhigung, die sich bis zu einer Depression und vielleicht noch viel weiter steigern könnte, wenn man entsprechend veranlagt ist. Die Leere vermittelt ein alternatives Lebenskonzept. Das Nichts ist Abwesenheit von Leben und Raum und Zeit. Da Materie nie verschwindet, sondern sich nur verwandelt, ist alles an einem Gegenstand oder einem Opa, der nicht mehr ist, noch da, bloß in einer anderen Form. Das Nichts beschränkt sich nur auf Ideale, auf Vorstellungen... "Mein Stift ist weg." Die Materie, die zu etwas zusammengefügt war, das wir "Stift" nennen, hat sich auf eine Weise ausgebreitet und zereinzelt, dass wir sie nicht mehr als "Stift" gebrauchen können. Leere kann man empfinden, wenn man nichts sagt, nichts tut, keine Ziele hat, nichts vorhat und in den Himmel schaut und vorallem: nicht mehr weiß, wer man ist.

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(4)

Plötzliches Gefühl von Beklemmung. Ist das der Anfang der lang ersehnten Panikattacke unter Gras? - Ich fang absolut nichts mit meinem Leben an. Ich beobachte, wie ich das schon während des Schreibens in Gedanken relative (ich schreibe für Andere, etc.), aus Furcht, mich der Einsamkeit zu stellen, auf die ich mich zubewege, wenn sich nicht bald etwas verändert. Vielleicht macht mich das Gras blind für das Elend in dem ich stecke? Nein, Quatsch! Das ist nur ein weiterer Aspekt der Panikattacke, die vielleicht grad anrollt. Bevor ich Gras geraucht habe, war auch nicht mehr in meinem Leben los als es mir unter Gras vorkommt. Ich glaube der Satz war wirr und vielleicht nicht ganz richtig, aber schön. Ich frage mich, warum Captain Beefheart die Residents nicht mochte. Hab ich mich bestimmt schonmal gefragt. Mich regt es so auf, dass ich nicht immer die Musik so ernst nehmen kann wie jetzt. Vielleicht dachte der Cpt. dass sie sich über ihn lustig machen oder nur schlecht kopieren oder er hatte Angst vor ihnen oder war einfach ein arroganter, genervter alter Onkel, der komische Drogen nimmt, die er mit seinen komischen Leuten in der Garage hinter dem Haus braut. Es ist so interessant, dass Cannabis bei meinem Nachbarn so anders wirkt. Vielleicht sollte ich annehmen, dass die Tatsache, dass jeder Mensch einen anderen Körper hat, dazu führt das Drogen bei jedem anders wirken. Das würde ja bedeuten, dass Cannabis keine sozialisierende Droge sein kann - sie lässt dich glauben, dass du mit Anderen auf einer Ebene bist, dass ihr in der selben Situation seid und euch mit den selben Dingen befasst. "Aber das stimmt ja gar nicht!", stampfe ich auf den Boden wie lang nicht mehr und ärgere mich weil ich nicht immer in diesem Zustand hier sein kann... High und allein ist besser als nüchtern und mit Anderen. Das ist kein Einwand gegen Gras, sondern gegen die Gesellschaft, die das zu einem Einwand erklären sich genötigt fühlt. Der Verlust meiner Kontrolle über meine Worte macht mich heiter, denn die Musik ist heiter. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich ihn küssen werde. Ich könnte eine Bedeutung für Andere haben, wenn sie sich meine Art, mit Worten, also mit meinem Beruf umzugehen, abgucken und für ihr Leben anwenden, zumindest mal versuchsweise, am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub oder während einer manischen Phase.

13 Juli 2015

Das Grauen vor der eigenen Existenz

24-Hustenstiller-Kapseln von Silomat, die Stunden zuvor 2 Liter Grapefruit-Saft zur Verstärkung.
(Gedächtnis-Protokoll.)

(1)
Die Selbstverständlichkeit, dass etwas existiert, dem man sich stellen muss, verschwindet mit einem Rutsch und hinterlässt einen kalten, zeitlosen Schrecken in meinen Knochen, den ich noch niemals gefühlt habe, kochende Panik am absoluten Grund des Gehirns.

Man steckt in sich drin, in einem warmen, heißen, schwappenden, knacksenden Körper; zusammengedrücktes organisches Chaos wie eine unübersichtliche Großstadt während der allmitternächtlichen Rush-Hour. Der Mund gibt ellenlange Zischlaute von sich, die die Welt bedeuten, eine flache, taumelnde Welt, der ich mich entziehen kann, wenn ich die Augen schließe und die unendlich feinen, repetitiven, organischen Muster sehe, ein feines violettes Seidentuch an einer glatten, nach links hinten verlaufenden, unendlich langen Wand gespannt und von einem hellen weichen Licht von links und rechts bestrahlt, wie eine langsame HD-Visualisation eines Liedes. Der ganze Raum ist davon eingenommen, wenn man die Augen geschlossen hat - das eigenartige Gefühl zum Wesentlichen vorgestoßen zu sein...







(Das sind Screenshots des Milkdrop-Visualisierungs-Plugins für Winamp, die meinen closed eye visions unter DXM nahekommen; sie atmen organisch und man bewegt sich langsam in sie rein)


Total verloren in einer traumartigen, gegenstandslosen Besessenheit, düstere, hypnotische Euphorie am äußersten Rand des Lebens, als habe man die ultimative Rückseite des Lebens entdeckt, den Keller des Bewusstseins, in den man gelangen kann, wenn man eben diese Droge nimmt. Der wahrgewordene Alptraum vom endgültigen Zusammenbruch. Es ist passiert.
Total schmierige, schleimige Hände, sie kneten sich. Ein intensiver, weicher Druck pulsiert durch das Gehirn; es macht Spaß regungslos in der Unendlichkeit des Augenblicks zu hocken und sich dem inneren Treiben hinzugeben.
Nichts zählt. Es gibt nichts zu tun im Leben.
Komische Geräusche mit dem Mund machen und Schwitzen, warum mehr von einer Existenz verlangen, die derart unbegründet ist? (Fußnote 3)
Das alte Ego kommt hinten vorbei und macht mir bewusst, dass Lisa hier ist. Sie lacht über manches was ich mache/sage. Ich weiß nicht, ob sie mich wirklich versteht, denn sie hat nur Bier getrunken. Ich kann nichts Sinnvolles sagen, ich kann dem euphorischen Chaos, das mein Kopf in den schwerfälligen Körper strahlt, keine Bewegung entgegensetzen, die mich nach oben bringen könnten.

(2)
Mein Körper ist das Zentrum meines Universums und steckt zur Hälfte in meinem Unterbewusstsein fest. Mein Gehirn ist unerschütterlich wach, nimmermüde und freundlich weich wie eine Hand, die mir gereicht wird. Es schüttet Panik und Glückseligkeit aus, aber es gibt kein Ego, das ihm erklärt, was davon gerechtfertigt ist. Ich erinnere mich entfernt daran, dass ich entspannen kann, weil ich ja bloß bei Lisa bin und nicht in der Schule unter den Augen der Anderen. Ich muss niemandem etwas erklären, ich muss keine Entscheidung treffen. Trotzdem fühle ich mich ausgeliefert diesem grundlegenden Grauen, das meine Existenz bedeutet. Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass ich etwas tun und lassen muss, dass ich genau in diesem Körper mit genau dieser Wahrnehmung stecke. Es gibt keine Zukunft, die meine Phantasie dem leeren Moment entgegensetzen könnte. Ich bin ein schmieriges Monster, sitze wie in einer Grapefruit ganz oben auf der Bergstraße des Dorfes, in dem ich geboren wurde.
Ich vermute, dass mein Gehirn in den Zustand katapultiert wurde, in dem es sich befand, als ich mir zum allerersten Mal bewusst wurde, dass ich existiere, an irgendeinem dunklen gemütlichen Fleck des Universums, ganz unten, allein, schutzlos und ohne Aufgabe.

(Fußnote 3)
Mit seinem Leben nichts mehr anfangen als das hier, und das für alle Zeiten, funktioniert nur, wenn das Ego nicht mehr aus den Augen schauen darf. Das Universum sieht anders aus, wenn das Ego nicht mehr im Sattel sitzt. Eine Möglichkeit ist, es mit bestimmten Drogen aus dem Sattel zu taumeln; sie simulieren den Wahnsinn, den das Gehirn loslassen würde, wenn es begreifen würde, dass du nichts zu tun hast. (Fußnote 4)
Plötzlich kannst du nicht ertragen, dass du gezwungen bist, etwas zu sein und zu tun und zu denken. Das Gehirn ist gewohnt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die außerhalb des Körpers geschehen, es ist nicht darauf trainiert, sich derart mich sich selbst zu befassen.

(Fußnote 4)
Als gäbe es eine höhere Instanz, die dich in den Sattel gesteckt hat. Als würde man plötzlich begreifen, dass man nur in einer Art Simulation steckt. Vielleicht stehen gleich Bürokraten oder Elterntiere oder Lehrer neben mir, um mich zu fragen, wie ich mich unerlaubt an den Apparat wagen konnte. Oder ich erinnere mich gleich daran, dass ich nur ein träumender Behinderter oder Mörder oder Geisteskranker bin, irgendein kleiner, dummer Schwächling.
Vielleicht stehe ich kurz vor meinem Ende, aber das macht nichts. Ob ich jetzt oder später sterbe, macht absolut keinen Unterschied. Diese Erkenntnis erzeugt ein höllisches Schuldgefühl.


(5.1.)
Scheinbar können die Leute mit dieser Droge die Tür aufmachen zu einer anderen, viel realistischeren, brutal realistischen Ebene. Vielleicht eine Tür zur einzig möglichen Religion. Hat Lisa die Videos gelöscht, die zeigen wie mein Intellekt unter DXM einen epileptischen Anfall erleidet? Sowas gruseliges hab ich noch nie geäußert. Induzierter Wahn. Mein Gehirn birgt gigantische Gefahren für mein Leben - und Chancen, so ermahnt mich immer wieder das Bild von William S. Burroughs an der Wand.
Ich höre ein warmes, sanftes Lied einen Sommerregen beschreiben, während ich an der einzig relevanten und unbeantwortbaren Frage schlucke: wie stehe ich zu dem, was mir gegeben ist und wo will ich damit noch hin? Die ereignislosen Tage und Wochen und Monate lassen meine Blicke nach Innen schweifen. Wer oder was kann sie nach außen lenken?


(6)
Nach dem gestrigen DXM-Desaster bin ich sehr wirr und instabil. Ich kann kaum Sätze formulieren. Totale Vernebelung. Ich habe eine stabile Distanz zu allem, ich spüre, dass ich in der Welt bin, ich stehe im Universum, ich glotze für eine kurze, vielleicht unbedeutende Zeitspanne in die Existenz rein. Ich bin ein beseelter Gegenstand. Nein - ich bin ein fester Gegenstand, in dem unendlich viele immaterielle Gegenstände (neuronale Zustände) um Geltung ringen. Die Distanz lässt mich mehr Möglichkeiten sehen. Ich befinde mich zwischen allen Menschen, zwischen allen Ereignissen. Ich verstehe, was andere Leute antreibt. Ich möchte mit keinem von ihnen tauschen. Ich verstehe, warum manche Mystiker sich "unten" auf der Erde fühlen. Oder hängt mein Bewusstsein schief? Mein Weltbild könnte in ein Weltgefühl zerfallen...


(7)
Wieviel von meinem Gehirn hat Google schon erfasst? Mancher kann sich nur noch an Google wenden. Mein Telefon ist mit dem Internet verbunden, liegt ein paar Zentimeter unter dieser Zeile und spielt ein Video von Amon Tobin ab.


(8)
Mit allem was ich schreibe, vertiefe ich nur die Tatsache, dass es für mich nichts Existentielleres gibt als Atmen, Essen, Schlafen und Schreiben. Ich frage mich, ob meine Eltern einen anderen Begriff für "existentiell" haben und im Alltag benutzen... jetzt wo ich weiß, dass hinter dem Alltag das Grauen der individuellen Existenz alles unterhöhlt - diese Unterhöhlung ist Grundlage des Alterungsprozesses.
Der Gedanke, dass die Summe all meiner erlittenen Qualen kleiner ist als das Leid bestimmter Menschen an einem einzigen Tag, will mich trösten, kann mich trösten, aber lässt mich doch nie richtig aufatmen.
Es stimmt, dass das Gefährliche an Drogen ist, dass man nie wissen kann, wie sie die unbewusste Seite beeinflussen. Aber manche Drogenkonsumenten nehmen diese Gefahr in Kauf, weil sie wissen, dass die Alternative dazu bloß ein Abstumpfen und Erkalten wäre. Ein erfolgreiches, bedeutungsvolles Leben mindert die Substanz ähnlich wie gewisse Drogen. Alles mindert. Die Frage ist, was und wieviel du wie lange mitbekommen willst.
Ich rette einen Käfer, der in meinem Trinkglas ums Überleben kämpft. Meine Ehrfurcht vor dem Leben anderer Wesen ist in den letzten Monaten größer geworden. Ich bin eigentlich auch nur ein Käfer auf der Suche nach Fressen, Schlaf und einer die Leere auspolsternden Erkenntnis.
Ich muss unbedingt genau herausfinden, ob es um mich schade wäre, würde ich plötzlich und für immer verschwinden. Wie sehen mich die Anderen? Wie bekomme ich Leute dazu, etwas in mich zu investieren?

(9)
Wenn ich in der Woche mehr als einmal DXM nehme, rutsche ich immer in eine heftige Depression, totale Erschöpfung, kalter Nihilismus, der tausend Kehlen zuschnüren will. Vielleicht kann Cannabis dem etwas Frühlingsfrische entgegenstemmen. Der Einkauf im Edeka ist dann auch wieder sehr lustig, bunt, weich, entspannt. Lebensglück, gesteigerte Aufregung, alles reizt zu schönen, kühnen Gedanken, ich finde mein Gesicht im Spiegel sehr schön, freundlich, gesund.

06 Juli 2015

Seufz

6. Juli.
Die Freude auf den Herbst trägt mich durch den Alptraum des Hochsommers. Ich habe keine richtige Lust, mit Leuten was zu machen. Bald fahren Bagger durch meine Wohnung. Vielleicht kann ich tagsüber bei Felix im Keller schlafen. Ich mag die Ungewissheit der Zukunft. Je weniger feststeht, desto mehr ist möglich. Ich versuche mir so wenig wie möglich Hoffnung zu machen. Ein bisschen Angst, zu verblöden hab ich.

02 Juli 2015

1,4-Butandiol

Ein sehr ausführlicher, wissenschaftlicher Artikel findet sich hier: http://www.drogenkult.net/?file=GHB&view=0

- Wenn ich einen gestrichen vollen Teelöffel 1,4-Butandiol nehme, gerate ich in eine narkotisch-taumelige Euphorie, die mich kotzen lässt. Eine intensive körperliche Erfahrung in einem bunten, freundlichen Raum. Es ist gut daran erinnert zu werden, einen Körper zu haben.
- Ein 3/4-Teelöffel ist für mich die ideale Dosis, aber jeder sollte für sich herausfinden, wieviel er verträgt. Ein paar Freunde von mir nehmen immer einen ganzen Teelöffel ohne dass ihnen übel wird. Wenn ich Leuten die Substanz vorstellen möchte, empfehle ich ihnen nicht mehr als einen halben Teelöffel. Ich könnte es mir nie verzeihen, meine Freunde zum Kotzen zu bringen.
- Ganz wichtig: nicht mit Alkohol kombinieren, da die dämpfenden Eigenschaften der Substanz verstärkt werden. Es ist lebensgefährlich, komatös und mit Brechreiz auf dem Bett zu liegen. Als ich das erste Mal zu viel Butandiol genommen habe und gekotzt habe, sagte ich mir tausendmal: "Zum Glück. ich hab kein Alkohol dazu genommen... *kotz* niemals Alkohol dazu nehmen... *kotz* Ich bin wirklich an meiner Belastungsgrenze... *kotz* Es ist voll schön zu kotzen, aber wäre ich einen Tick komatöser, würde ich an meiner Kotze ersticken *kotz* Niemals mit Alkohol kombinieren."


- Butandiol (ich schreibe ausschließlich über 1,4-Butandiol) ist freundlicher als Alkohol. Es schadet den Organen nicht und erzeugt keinen Kater. Ich weiß, dass es süchtig und paranoid machen kann, wenn man häufig zu viel nimmt. Gerade Leute, die wie ich keine Aufgabe im Leben haben und sich unbeobachtet im Abseits der Gesellschaft im Kreis drehen, sind besonders gefährdet, Süchte zu entwickeln. Ich hätte nichts dagegen, wenn irgendeine Substanz meinem Leben ein bisschen mehr Struktur verschafft, bisher bin ich aber an nichts kleben geblieben.

- Butandiol ist anders als beispielsweise Cannabis keine Substanz, die kreativ macht oder die Gedanken/den Intellekt anregt. Butandiol lässt den Körper zu seinem Recht kommen und vernachlässigte / unterdrückte / vergessene Bedürfnisse hervortreten, ebenso intensiviert es akustische und visuelle Eindrücke. Warum? Butandiol wird im Körper zu einem Stoff umgewandelt, der chemisch verwandt mit Neurotransmittern ist, die u.a. für Entspannung sorgen. Der Intellekt tritt zurück, dieser nervig skeptische, nervig verklemmte, idealistische Spaßverderber. Butandiol sorgt dafür, dass man alles mal richtig wirken lassen kann, alles körperlich erfahren kann, ohne es bewerten und einordnen zu müssen.
-> Vorsicht! Nur weil du entspannt bist, heißt das nicht, dass alle Ängste falsch sind und alle Menschen deine Freunde sind. Nur weil du offen bist und unverkrampft, heißt das nicht, dass alles okay ist.
- Auf Butandiol habe ich keine Lust mich zu verteidigen oder mich auch nur für irgendwas zu rechtfertigen. In einer Umgebung, die wirklich schlecht für mich ist, unter Menschen die ekelhaft und bösartig und dumm und gefährlich sind, könnte das bös ausgehen...
- Butandiol enthemmt, aber macht nicht - wie Alkohol - aggressiv oder dumm, sondern eher kindlich-blauäugig und empfindsam, geradezu dünnhäutig.
- Manchmal reicht es, unter Butandiol-Einfluss ein rührendes, fast kitschiges Lied zu hören, und ich fang an zu heulen. Ich kenne keine Substanz, die mich so sentimental macht. Vorhin habe ich ein Bild angeschaut, das Cioran zeigt, der traurig auf seinem Bett sitzt und ich hatte Tränen in den Augen. Ich vermute, dass man, wenn man weniger an seinem coolen, erwachsenen Ego festhält, viel häufiger weinen würde.
(-> Butandiol erinnert dich dran, dass du immer noch in dem Körper steckst, in dem du als Kind gesteckt hast und dass es immer noch genau die selben Gründe gibt, zu heulen...)

- Butandiol erhöht das Bedürfnis, von süßen Freunden berührt zu werden, die Lust einen knuddligen Menschen auf dem Schoß sitzen zu haben und ihn mit Kirschen zu füttern. Es fühlt sich so an, als würde gleich jemand seine Hände unter dein T-Shirt schieben und dir das geben, was jeder Mensch braucht: echte Berührung, echte Sicherheit und Wärme und Stabilität und Vertrauen.
- Körperlichkeit, Schmusigkeit, Sexualität wird viel selbstverständlicher als sonst. Schüchternheit und Selbstzweifel nehmen ab. Die Substanz erinnert dich daran, dass du auch nur ein sterblicher Körper bist, den schlechte Gedanken und dumme Gewohnheiten vom Wesentlichen abhalten wollen.

- Butandiol macht sentimental, aber nicht auf so peinlich-brutale Art und Weise wie Alkohol. Du kannst vielleicht nicht richtig klar reden und geradeaus laufen, aber du bist nicht dumm und im Gegensatz zu Alkohol macht dich das Butandiol nicht egoistisch und bösartig.

- Die Fliege. - Als ich Sonntagnachmittag allein in meinem Zimmer darauf gewartet habe, dass jemand unangekündigt vorbeikommt, sah ich eine grünschimmernde Fliege auf meinem Schreibtisch, die auf Nahrungssuche war. Der halbe Löffel Butandiol in meinem Magen hat dafür gesorgt, dass ich eine ganz warme, kindische Freunde empfunden habe über die Fliege. Sie hat mein ranziges Messer mit ihrem haarigen Rüssel abgesaugt. Ich freute mich über unsere Koexistenz. So ein komplizierter Körperbau, diese riesigen Augen, die schnellen Bewegungen, die kurze Lebensdauer. Ich holte ihr das Tee-Thermometer aus der Küche, weil ich wusste, da ist noch ein bisschen Zucker dran (vom Umrühren). Nach einer Weile kletterte sie vom Messer runter und schleckerte den Zucker vom Thermometer. "Iss dich ruhig fein satt, liebe Fliege. Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich töte dich nicht." Ich fragte mich, ob Fliegen Ohren haben. Im Internet hab ich keine Informationen darüber gefunden. Wusstet ihr, dass es tausende von Fliegenarten gibt? Die Natur ist so vielfältig. Es ist wichtig, dass der Mensch mit anderen Lebewesen koexistiert und nicht bloß versucht alles seiner primitiven, herzlosen Gier zu unterwerfen. Nichts gegen Gier und Kaltblütigkeit, aber bitte nur im Notfall. Der Mensch muss anfangen, sich zu entspannen, sonst geht der ganze Planet kaputt. Totale Entspannung - Überwindung der Erwerbsarbeit, Lohnsklaverei, hin zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen, einer völligen Neugestaltung des Wirtschaftssystems. Alles muss sich entspannen, die perversen Vermögensunterschiede müssen ausgeglichen werden, die Umwelt muss radikal gereinigt werden. Gründliche Entspannung der Verhältnisse. Alles muss einfacher werden. Die Künstler müssen natürlich aufpassen, dass der Mensch nicht verdummt und resigniert. Keine Ideale mehr! Den Menschen herauslösen aus allen Konstrukten - Koexistenz wirklich freier Menschen. Keine Staaten, keine Religionen, keine Endlösungen, keine Leitkultur! Erwachsene sind degenerierte Kinder. Nieder mit der Sklaverei! Brutale Meditation.

- Nicht auf leeren Magen nehmen!

- Nebenwirkungen (Übelkeit, Verwirrtheit, plötzliche Schläfrigkeit, Zuckungen) können mit Koffein beantwortet werden.

- Die Wirkung hält gut zwei-drei Stunden an und blendet sich langsam aus. Bis auf ein leichtes, nicht lang anhaltendes Flauheitsgefühl und ein paar Zuckungen im Auge habe ich keine negativen Nachwirkungen gespürt.

30 Juni 2015

An den Grenzen des Körpers

ich kann nicht sagen was ich fühle
ich kann nicht fühlen was ich tue

DXM hebelt das Ichgefühl aus und lässt das Dahinterliegende durch das Bewusstsein in den ganzen Körper strahlen. Ohne greifbare Vergangenheit und glaubwürdiger Zukunft versteift man sich derart in die Gegenwart, dass man sich an die absoluten Grenzen des Körpers gedrängt fühlt. Es ist erschreckend unmöglich zu verstehen, wie man sich jemals sicher und stabil fühlen konnte.
Es ist als habe man das Leben in der gewohnten Umgebung unterbrochen und sitze allein und unerreichbar im hohen Gestrüpp am Fluß; extrem intensives Sitzen - kein Traum könnte jemals so intensiv sein. Wenn man noch etwas denken kann, dann dies: wie absurd unglaublich ist es doch, zu existieren. Eine höllische Angst macht sich breit, in der alle Sinnhaftigkeit ertrinken muss.
Nichts ist mehr selbstverständlich.
Mit bestimmten Substanzen das Leben derart vertiefen, erscheint als ein wundersames Kapitalverbrechen. Das gefährliche Abenteuer einer ultimativen Grenzüberschreitung. Ein Geschenk aus der Hölle des absoluten (von einem Ego ungetrübten) Bewusstseins.

ich will nicht zu früh sterben
und auch nicht zu spät



21 Juni 2015

21. und 27.06. - Ich möchte vor Langeweile umfallen

21. Juni
John Adams im Sprühregen seiner Shaker Loops. "Es geht darum, ein guter Gärtner zu sein. Das Material, das man hat, gut kennen und entsprechende Formen dafür finden. Sonst gibt es nur Totgeburten. Wieviel Tod steckt in den Klassikern? Wieviel Leben haben sie verdrängt? Ich kann mir denken, dass zu Zeiten Goethes eine Vielzahl viel relevanterer Dichter gelebt haben. - Ich spüre, wie der Körper sich weigert, high zu werden. Die letzten Tage hab ich es ein bisschen übertrieben. Die idealen Zeiten sind dafür: Ende Sommer müssen wir das Haus verlassen haben, ich weiß nicht, was ich von meinen Freunden halten soll, mein Schlafzyklus ist vollständig umgekippt, Musik-hören und schreiben wirkt wie ein läppischer Versuch dem Alleinsein was Interessantes entgegenzusetzen, zumindest irgendwas was mich vertieft oder weitertrödeln lässt, bloß raus aus der Reflexion, aber die Musik versteht mich nicht mehr... Sie hat mich hier hergebracht, aber weiter kann sie nicht mit mir gehen... Alles muss neu definiert werden... Ich möchte vor Langeweile umfallen...Es gibt wirklich nichts zu tun und die Welt geht unter, während ich dich küssen will. Alles wird immer einfacher... das bedeutet: mehr Kraft, weniger Realität. Wohin mit der Kraft? Direkt in den Alltag, in die unmittelbare Umgebung.. Du weißt doch was du bist, also sei es auch.. Du hast keinen Anspruch darauf, ein glückliches Leben zu haben, mach irgendwas, solang es noch geht. - Ratlos, was das sein soll, fühle ich mich irgendwie an der Nase herumgeführt. Aber Angst hab ich keine....

27. Juni

Erstmal schauen, ob du existierst. Ob du Blumen pflücken kannst, ob du stinken kannst, ob du ahnen kannst, was die Lüge der Musik mit dir machen kann. Süße Beschränktheit. Die Lust, einfürallemal was zu tun. Eine Flagge hissen. Mir ist nach Resignation. Mein Körper weiß nicht mehr, was er von der Realität halten soll, mein Gehirn hält die Realität aus. Die Realität ist dem Gehirn weit weit überlegen.
Alles wird ernster, strenger, wir kommen wieder zur Essenz. Zittern. Unwohlsein, etwas liegt auf der Lauer. Ich darf nie vergessen, dass ich keien Angst haben darf. Angst ist nur vererbte Schwäche, der Wille zur Schwäche. Schau dich in dieser seltsamen Landschaft um und nimm mit was du brauchst... Es ist nicht alltäglich, es ist etwas Anderes... komm damit klar. Komm mit dem Leben klar. Komm mit dem Existieren klar. Du steckst irgendwo. Du tust irgendwas. Entspannung.
Das Bewusstsein kann beiseite geschoben werden, du stirbst nicht.
Tippfehler werden korrigiert, du stirbst nicht.
Socken stinken, du stirbst nicht.
Ernstes matschiges Gesicht, du stirbst nicht.
Du bist ein Körper, aber du stirbst nicht.
Ich hab ein neues Handy hier, mit dem ich nicht umgehen kann. Ich fühle mich verschwitzt. Ein echoartiges Schwindelgefühl zieht mich runter auf den gemütlichen Boden der Tatsachen. Hier kann man alles schieben und formen, selbst das, was scheinbar fest ist, kann unser Gehirn berühren, wenn wir es berühren. Schade, dass ich nicht der Teufel bin. Ich bin etwas ganz ganz anderes, oder? Ich hab Lust zu kotzen. Ich bin zu uncool um der Teufel zu sein. Ich bin was Anderes. Ich bin ein aberwitzig freies Ding. Unerfüllt. Unendlich tief und unerfüllt. Ich mag es, wenn die Worte keinen Sinn mehr geben bald... Aber es muss wuchtig, blumig, tiefes Ein- und Ausatmen, gleichgültiges Zittern hält mein Leben ins Reine, ins Reine, ins Reine. Die Illusion etwas  verstanden zu haben, ist nicht nötig. Erstmal damit klarkommen, du verstehst schon....
Ich fühl mich eingeklemmt von einer entspannenden Abend-Abgrund-Stimmung. Zitteriges Bedürfnis zu kuscheln. Ich muss irgendwas tun, vielleicht kotzen, aber was noch?  Also das Kotzen ist ein guter gemütlicher Freund, wie Bobby McFerrin. Eben hat die Seltsamkeit des Wortes "also" wunderbar fett gegrinst. Ich mag dass unter dmxdas Schreiuben so gemütlich icst und dass alle worte famili9en mitglieder sind mit ihren geaychichen jeder soll so bleiben wie er ist gefälligst und sicuz nicht schämen für irgendwas. es ist ein netter tanz das hier ist die existenz das lebenj nicht nu8r ein text das ist nicht nur ein t t das ist nicht nur ein text das ist nicht n8ur ein text.
Gemütlichkeit erzeugen mit haariger Musik. Warme Schalen, weiche Gewürze, ein entspannter Darm, eine tänzerische Leichtigkeit, Grimassenschneiden im Spiegel, sich bewusst werden in welcher Zeit wir leben, so tun als würde ich glauben, dass alles irgendwie so weitergeht... immer in diesem Sumpf bleiben. Was gibt es hier zu tun? nIhcts. Haha... ja schau nur, die wörter, die können wir noch kaputt machen, bevor die dä,mmmerung unsere orangene Gartenparty verschluckt, zusammenknüllt und mit einem läppischen Kopfschüttler in den Papierkorb wirft.
Ist es überhaupt interessant, wie weit ich gehen kann? Wie hoch ich den Schrott stapeln kann? Irgendeine elektrische Stimme hat nichts gegen mich, aber gegen den Müll, der hier rumliegt. Ich würde ja nach wie vor gern irgendwo dazugehören. Aber es reicht mir auch hier in meiner gemütlichen Garage herumzuzuicken. Was erwartet ihr von mir? Hab ich diese Frage schonmal gestellt? Ich habe ein wissenschaftliches Interesse an meinem Leben... sage ich in der Verkleidung eines verrrückten Professors, die mir nicht richtig passt, ich bin eher so der freie Schriftsteller, der der kein Haus irgendwo hat.

ein schiefer sumpf. ich mag es wie meine worte und mein ichgefühl so schräg nach links kippen. dxm und lsa. ein gemütliches monster ohne funktion.

Freunde von mir legen eine transparente Regenbogenflagge über ihr Facebook-Profil-Bild, weil seit heute scheinbar Gay-Marriage in den USA legal ist. Ist das wirklich ein Tag zum Feiern? Ich kann mir keine Bilder von Leuten anschauen ohne ihre Frisuren seltsam zu finden. Eine Frisur zu haben ist seltsam, aber unvermeidbar. Scheinbar hängt alles, was ich schreibe, mit diesem Satz zusammen und alle meine Freunde wissen es. Ich werfe mein Lachen wie Tannenzapfen in die Stereo-Kiefer meiner Leser. Das ist so ein richtig schöner steriler, psychedelischer Satz. Das Leben der Anderen hat eine unglaubliche Geschwindigkeit. Ich sitze auf einem blöden weichen Kissen, Himmelblau auf der einen Seite und Buttergelb auf der anderen Seite. Ich scheibe die Farben groß, weil mein linkes Ohr sich taub anfühlt. Ich genieße es mir vorzustellen, wie verächtlich meine Klassenleiterin auf mich schaut. Ich stelle mir vor, ein hässlicher, lustiger, total weit entfernter Gnom zu sein, mit einer schrecklichen Frisur. Na toll, ich wollte keine negativen Gedanken, und jetzt sitzt ich ganz doll und schwer auf einem, nämlich meiner Angst vor dem da oben, diesem da... Ach... Da kann auch jemand anders Staub putzen, es ist egal. Hier ist die Psychodelika und da zählt es ja mal ja mal ja mal üüüberhaupt nicht was du bist und willst und kannst, hier sieht dich niemand, hier streut dich niemand in sein buntes Wertesystem. Hier ist alles verschwommen und der Beat ist stramm gekämmt und die Coolness kommt, sie erhebt mich, ich kann mit allem was anfangen, aber mir ist alles auch ziemlich egal. Samstag abend, 20:30. Es ist so hellgrau wie am Morgen. Stimmt das? Kann das sein? Oder sollte es nicht schon dunkel sein? Muss ich mich erst am Kopf kratzen? Ist es vielleicht schon dunkel, wenn ich auf den Balkon steige? Wie sehen meine Haare aus? Oh Gott, ich bin ein dummer Esel, der mit hundert Sachen einen Berg runter rennt... Ich knirsche mit den Zähnen und freue mich über jedes neue Lied. Ich will so viel schreiben, bis ich vergesse, was ich alles geschrieben habe. Woher kommt mein Drang, alle Worte komisch zu betonen? Typisch... Respektloses Gesindel mit verwirrenden Bommeln. Und mehr ist es ja auch nicht... Ich schau mir jetzt Bilder von Frisuren an und vergleiche sie mit dem was bei mir da oben stattfindet. Vielleicht würden die Menschen sich lieber haben, wenn sie ihre Frisuren besser unter Kontrolle hätten... na ich HOFFE doch sehr... Ist es langweilig hier? Wirfst du mich weg? Schmollender Sherlock-Holmes verwischt in buntem Regenbogen, trauriges Fließen. Mit zugekniffenen, leuchtenden Augen lesen: "Hier unten kann man keine Fragen beantworten. Deshalb ist es so gemütlich." Es macht Spaß, so lang zu brauchen, bis man die Worte zu einem Sinn zusammengebastelt hat. Die Musik gibt mir das Gefühl, dass es einfach meine Aufgabe ist, zu schreiben und dass Leute alles, was ich schreibe, gut finden. Genau so wie es ist. Totale Entspannung angespannt. Das ist wirklich etwas, was ich will.
Es ist immer noch so hell draußen. Sollte es nicht schon längst dunkel sein?= am Ende der Fähigkeiten angeschreddert:
Irgendein Tobi mag nicht, dass die Thüringer Staatskanzlei ihr Logo regenbogisiert hat. "Islamismusbeschwichter kriechen Friedensreligion lalallaa Opfer wundert mich aber nicht SED Mauermördepartei mit Extremisten sympathisiert. Ich werde den Rechtsweg gegen dieses Profilbild lallalala ersuchen. Das repräsentiert den Freistaat nicht!"
Ich hoffe der Tobi findet links und rechts neben dem Rechtsweg ein paar süße bunte Pusteblumen.... "Soll er sich doch da reinsteigern", rufen ihm die Ärzte hinterher, aber er hört nicht... er poliert jeden Tag diesen seltsamen schwarzen Stein, der im Garten liegt...

19 Juni 2015

Einsamkeit ist etwas Fettiges

(1)
Die Stadt ist ein buntes Aquarium, durch das ich von meiner Schlaflosigkeit getragen schwebe, getragen schweben, getragenes Schwebendes, getragenes Schwebendes, ein freundlicher Blues-Beat macht mein Herz fürchterlich aufgeregt, ein alle 4 Takte anrollender Höhepunkt der Spannung, so wie zum letzten Mal auf der Landstraße in Richtung der Stadt, in der wir sterben werden. "Hier ist es also, wo alles enden wird.", weinst du. Das hier ist meine letzte Verwandlung, bevor ich sterbe.
Das Schwindelgefühl ist überragend, ich muss rülpsen, aber kann nicht, weil in die Musik kein Rülps passt. Die Musik die kommt ist nur die Wartemusik, um den Rülps im Körper zu behalten. Warte, es ist noch nicht an der Zeit... Die Total-Hypnotisch-Vernebelte-Show, mit ihrem Gastgeber Elian Bartok. Heute mit einem Rülps oder irgendwas, was rauswill...Der Autor sitzt beschämt an der Schreibmaschine. Immer macht er es sich so einfach, der Gute... Na, solang die Kunden zufrieden sind... Ist es einen Versuch Wert. Ich habe schon oft versucht, einen automatismus im schreiben zu finden, der wie ich eben feststelle schon leichter zu erreichen scheint, nachdem die großundkleinschreibung abgeschafft wird. und auch nicht so lang gewartet bis die richtige zeitform kommt. in diesem zustand hat man keine angst vor dem tod. ähnlich wie mit dxm. Alle Lieder sind ganz nett, aber ich skippe, weil ich eine ganz bestimmte Stimmung suche, oder zumindest weiß, dass es noch bessere geben muss. Eigentlich spielt es für ein Leben keine Rolle, ob man allein ist oder nicht, solang man etwas findet, in das man sich hineinsteigern kann...
Stockhausen ist ziemlich gruslig. Ligeti ist nicht so esoterisch. Kann man auch mal so stehen lassen oder? versuche ich wie eine New-Yorker Maklerin das Fade hübsch zu machen... Mein Opa sitzt den ganzen Tag im Vorsaal auf dem Schaukelstuhl und wartet bis die Maus wieder auftaucht, mit einem Spielzeug-Gewehr bewaffnet. "Ich will auch mal wieder eine Party machen, da kann er nicht alles blockieren mit seinem Schaukel-Gedöhns.", winke ich meiner Mutter entgegen, bis mich das Bewusstsein meiner Zukunftslosigkeit versöhnt mit allem und jedem, ich sinke traurig zu Boden und fühle mich, als hätte ich eben zum ersten Mal meine Kinder angeschrien und zum Weinen gebracht. "Oh Gott, es tut mir leid, das darf nie wieder passieren." und sofort zum Psychologen. "Bin ich eine Gefahr für meine Kinder?" - Nein, Elian. Es ist total normal, in einem Delirium etwas Untypisches zu tun. Dafür sind sie da... Sie zeigen uns Auswege, wie ich vielleicht schon erzählt habe. Wiederholungen sind wichtig, streckt ihnen mein Tanzpartner den Mittelfinger in die Knetmasse-Gesichter.
Mögliche Herangehensweise: berauscht einen Text schreiben, ihn am nächsten Tag bekifft lesen und erweitern, abrunden. Dies dann am anderen Tag nüchtern bearbeitet. Zu den Neuerungen dieses Jahr gehört, mir eine preußische Arbeitsmoral zuzulegen. (*Sitcom-Konserven-Lacher eingeblendet)
Und was ist mit mir jetzt? Wisst ihr, ich komm heute mal wieder ohne Euch aus. Geht, husch husch, so geht doch... Ich werde mich jetzt in Musik und Texten vergraben, wenn ich doch endlich rülpsen könnte... Ah!


(2)
Jeder Tag soll etwas Besonderes sein.

Warum glaubst du, dass es sich lohnt, auf die Suche nach dir zu gehen?
Vielleicht musst du dich so weit es geht von dir entfernen, wenn du nicht schon vollständig in der Ruine deiner Kindheit versackt bist. - Noch kannst du dich bewegen, noch kannst du alles zurückweisen. - Alles, was deinen Alltag nachhaltig zersetzt, ist gut. Das muss ich mir und euch immer wieder klar machen. Es geht um eine umfassende Veränderung, genau deshalb machst du das ja alles mit. Weil sich etwas verändern soll. Es geht darum, in den Wahnsinn reinzuwachsen, ihn zu verstehen und zu benutzen. (Alle freuen sich, weil ich auf Kurs bleibe.)Alles nehmen was da ist und damit irgendwas Destruktives, Nonkausales, Nihilistisches bauen. Die Möglichkeiten sind alle da - jetzt muss sich nur noch einer trauen, den verdammten Scheiß in seine Hände zu nehmen. Liebe ist so was wichtiges, so was zentrales. Es lohnt sich, in diesem Bereich mutig zu sein. Und vorallem: es lohnt sich nicht, darüber zu schreiben, wenn die Person, um die es geht, die Texte nicht liest. Also stell dich ordentlich hin und seufze und jetzt tu was du willst... Ich will mein Leben nicht im Nichts verschwenden, oder? Ich erstrahle in träger Euphorie, kratze mit meinem Brotmesser die Hornhaut von meinem großen Zeh und erwarte ein Wunder, von wem? Von dem der dafür gesorgt hat, dass ich denken und empfinden kann. Ich weiß wirklich nicht, ob ich lächerlich bin oder nicht. Ich vermisse die echte Einsamkeit. Die Anderen bewundern immer nur Dinge an uns, die nicht selbstverständlich sind. All unsere Freunde missverstehen uns. - Hier geht wirklich bald alles zu ende, ich sitze in einem weißen Raum mit weißen Klamotten, ein paar Blutflecken sind zu sehen. Ich muss mich entscheiden, wie ich leben will. Genau dieses Müssen will ich aushebeln. Deshalb drehe ich mich hier im Kreis, genau deshalb will ich von euch gesehen werden. - Es gibt viele Möglichkeiten, mein Leben von Grund auf zu verändern. Drogen helfen mir, die Substanz zu untersuchen, die mein Leben ist. Es gibt Dinge auf die ich mich konzentrieren sollte und Dinge auf die ich mich nicht konzentrieren sollte. Es ist so einfach, ruh dich an dieser Einfachheit aus wie an einer menschenleeren Straße in der Nacht. Niemand kann dein Gehirn anfassen, niemand kommt dir zu nah, niemand will dich verskalven. Niemand weiß, was du den ganzen Tag so treibst. Die Behörden wissen, dass du ein schwieriger Fall bist und lassen dich weitestgehend in Ruhe. Du kannst alles tun, was du willst. Du bist zu unbedeutend, um wie Anderen versklavt zu werden. Deine Krankheit hat dich befreit. Die Frage ist nur, was du daraus machst. Mach dir deine Badewanne voll und leg dich rein und frag dich, was du mit all dem, was dir zur Verfügung steht, anfangen kannst und willst. Der Wahnsinn will dir das Leben nicht verderben, sondern erweitern. Ein Wahnsinniger hört auf zu leiden, wenn er versteht, dass seine Realität ein Produkt eines kranken Gehirns ist. Das Gehirn ist ein Gegenstand. Du bist ein Gegenstand. Vergiss das nicht... Es lohnt sich erst, sich gehen zu lassen, wenn man all seine Neurosen überwunden hat, sonst tanzen sie einem früher oder später die ganze Nacht auf dem Tisch. Einfach mal extrem entspannen, WEIL ES GERECHTFERTIGT IST. -> Ratlos zu Drogen greifen: geheime, aller-süßeste Todessehnsucht. Am Ende ist man ja sowieso immer der, der am meisten leidet... Immer... Komisch...


(3)
Ich stelle gerade fest, dass ich die letzten Jahre weitgehend damit verbracht habe, einzukaufen und mit Freunden was zu trinken. Wenn ich kleinere Geschwister oder so hätte, was könnte ich sagen, wenn sie mich fragten, was ich so mache, ohne sie zu verderben? Um es mal ganz deutlich zu sagen, Sportsfreund: Was zum Teufel willst du noch hier? Was? Dein Gesicht blendet so, ach ne is der Bildschirm hihi.
Im Ernst? :-(


(4)
Weil ich nicht weiß, was ich für Eigenschaften habe, darf ich mich auf nichts und niemanden verlassen. Der Auftrag ist ganz einfach: geh rein, mach Feuer und verschwinde wieder. Führe etwas aus. Nur zu. Die Stadt stinkt zum Himmel, gib uns etwas, das uns aufatmen lässt. - Ich muss mir permanent sagen, dass mich meine Freunde mögen, dass ich nicht wahnsinnig werde. Ich kann nur versuchen, beschämt zu schauen, wenn du mir immer wieder auf meine Finger guckst... Aber Monsieur, die Musik spielt doch dort vorn! Ich bin es so leid, zu versuchen verstanden zu werden. Ich möchte das nächste Mal, wenn wir ins Edeka gehen, einfach zusammenbrechen. Das fühlt sich fast wie der Punkt an, an dem ich entscheide, jemand anders zu werden, denn bisher war mein Leben nicht mehr als schlafen, im Edeka einkaufen und mich im Kreis kriechend vertiefen. Die Musik will mir sagen, dass das Leben etwas ernstes ist, etwas mit dem man vorsichtig sein muss - jede kleinste Veränderung ist ein Schicksalsschlag. Alles was ich tu und nicht tu versteinert mich. Nur hier, in der Halbwelt der Literatur, kann ich ein richtiger Mensch sein. Alles andere ist mit Konflikten verbunden, für die ich noch nicht bereit bin. Jedem seinen unendlichen Kräutergarten.


(5)
Ich glaube, ich weiß was ich von der Ekstase erwarten kann. - Kann ich vernünftig bleiben? - Angst und Unsicherheit wachsen wenn keine passende Musik gefunden wird. So viel Auswahl, so wenig kommt in Frage. Ich wünschte, ich würde jetzt mit jemandem Musik machen können und dann auch auf der Bühne stehen. Psychedelischer Terror. Skeptische Musik. Verweigerung ist chaotisch. Schlaflosigkeit bringt Licht in ungewohnte Ecken. Solang ich mir nicht einbilde, etwas zu sein, kann ich auch nichts werden. Zum Glück ich bin grad allein. Niemand urteilt über mich. Mich interessiert nicht, wie das Urteil ausfallen würde. Ich gehöre nicht hier her, also schaut mich nicht so an! Das Problem ist gelöst, wenn euer Herz versteht, dass ihr über mein Leben nicht mehr Recht habt als ich. Wirklich bestand haben nur die Urteile von Freunden, die in die selbe Richtung wollen. Alles andere ist Schwachsinn... Wirklich Schwachsinn... Es wird Zeit, nein zu sagen.



(6)
Irgendetwas bin ich auf der Spur. Ich knabber am seidenen Fanden.



(7)
Ich schau mich hier sehr genau um, es gibt hier nichts mehr zu holen... Du musst weiter... Hier ist nur noch die alte Spinne mit den tödlichen gelben Eckzähnen. Die hat wirklich ihren Dienst getan. Du kannst jetzt weitergehen... Aber wohin? - Und das Fehlen von guter Musik ist wirklich ganz ganz furchtbar. Furchtbarer als irgendwas Anderes. Nur dass ich hier allein bin ist noch schlimmer. Eigentlich ist das das Einzige, daswas waswaswas. Ich sitze unbequem im Schneidersitz, mein Rücken nervt, es gibt kein Lied, das mich glücklich machen kann. Ich entdecke gerade jetzt, beim Rausgehen aus diesem Buch, dass ich die Musik benutze, um das Loch auszufüllen, das deine Unerreichbarkeit in mein Leben gähnt. Kann ich das so stehenlassen? Ich weiß gar nichts. Ich weiß nur, dass du jetzt nicht an mein Fenster klopfst. Es ist halb Drei. Es gibt nichts für mich zu tun. Ich bin am Ende angekommen... Und was soll ich jetzt hier? Es muss einen Sinn haben, hier unten zu sein. Es muss möglich sein, hier unten etwas zu verstehen, was Leute, die nicht hier unten sind, nicht verstehen können.
Hier ist das Paradies. Eine Müllhalde am Rand der Zivilisation. Keine linearen Tage. Wofür möchte mein Gehirn Komplize sein? Ich glaube ich wäre ganz ein anderer Mensch, wenn ich jetzt auf einem anderen Computer schreiben würde.
Indem ich Hustensteiller nehme, kitzel ich mich selbst, während mein Gesicht und der Rest des Körpers immer ernster, dunkler, kälter wird. Es ist eben etwas, was man tun kann.. Du kannst es tun... Also machst du es... Man akzeptiert einfach nicht, dass das Leben nur bestimmte Wege gehen sollte... Man kann mit seinem Leben machen, was man will... Ich fühle mich wirklich wie ein kalter, nasser Waschlappen im Regen. Es tut gut, sich in das zu vertiefen, was man ist. Der kalte Regen, der graue Weg auf dem du liegst, die Menschen die dir begegnen, sie schütteln mit dem Kopf, wenn du sie fragst, ob sie eine Funktion für dich finden können. "Also du gehörst schonmal nicht zu uns!" Die Frage, wo man hingehört, sollte man sich nur stellen, wenn man einen im Tee hat - oder mehrere. - Ich weiß nicht, ob mir der kühle Luftzug gefällt, der seit neustem vom Balkon aus der Küche kommt. Bin ich aufgestanden? Habe ich hier etwas verändert? Ich vermute mal, dass man mit der Wohnungseinrichtung seine Zukunft justieren kann. . Ich versuche mich auf diesen schwammigen Gedanken zu konzentrieren, während ich Lust zu tanzen habe. Ich hab Angst, dass ich meinem Körper nicht mitteilen kann, wie sehr er mir bedeutet, wie viel, wie sehr... Mein Körper braucht einen  anderen Körper... Von außen sieht das ja echt lustig aus. Jetzt könnten meine Freunde da sein. Alle im schunkeligen Sumpf. Keine Zukunft... Wir stürzen in unsere Zukunftslosigkeit. Wir sind keine Individuuen mehr, wir sind Comic-Figuren, die man nicht vermarkten kann, das Image dass man von uns hat taugt nichts mehr.

(8)
Ich spüre eine lustige Distanz zu meinem Körper. Vielleicht macht die Musik alles nur etwas angenehmer. Durch das Schreiben dieses Satzes bin ich weitergekommen als bisher. Dafür ein Lob. Die Musik ist so weit entfernt, jetzt blendet sie sich aus, und ich blende mich aus. Jetzt ist ein neues Lied da. Es steht neben mir und redet auf mich ein. Ich kann nicken oder den Kopf schütteln oder gar nichts tun. Es ist wichtig, sich immer wieder zu erinnern, in was für einer Wüste man hier eigentlich ist. Eine heiße, böse Euphorie im Bauch hat all meine Worte auf dem Kieker, aber versucht sich nichts anmerken zu lassen. Ich fühle mich wie Indiana Jones. Total gereinigt. Tom Waits_Time. Es ist kalt, ich bin mit meinen Freunden in der Stadt unterwegs, Sonntag morgen, alles grau und kalt und einfach. Auf einem Fensterbrett sitzen, sehen wie sich eine große Frau aus dem Haus herausdrückt.
Ich fühle mich so, als würden meine Eltern vor dem Haus auf mich warten. Ich sehe die Leiden, die ich auf mich geladen hätte, wäre ich ein Familienvater geworden. Ich mag es, so offen zu sein. Ein stabiles, narkotisches Schaukeln, das Hirn warm und fest, der Schneidersitz fühlt sich bloß so an, als würde er zusammenbrechen. Tom Waits ist ein großartiger Begleiter. Ich liebe mich und meine Sensibilität, ich glaube ich sehe wie ein geistiger Behinderter aus- ich weiß grad nicht wie man das richtig schreibt, aber es muss genau so wie geschrieben geschrieben sein, verstehst du?` Selbst der Fleck hinter dem Fragezeichen ist okay, so wie die Kacke neben der Rose und der toten Amsel okay ist, die du jeden Tag auf dem Schulweg sehen darfst. Man versteht diese Sätze hier nur, wenn man sie sich rot und gelb unterstreicht. Dick unterstreichen. Dick unterstreichen.
Mein Leben gehört nur mir, mir allein.. sag ich mir und fühle mich, als würde ich einen trashigen, surrealen, geschmacklosen Tumblr-Blog durchscrollen, als würde ich in einem weißen Papierboot schwimmen in einem Ozean aus Tinte, die Wände sind gekachelt und gleich gibt es Mittagessen, wenn die große Spinne das Haus nicht wieder angreift. Nein, sie ist im Garten, da draußen kann sie machen was sie will... Ich will sie nur nicht hier haben... Merkst du endlich, dass das Schreiben nur ein Ersatz für richtiges Leben ist? Du solltest fortan in Ich-Form schreiben von dem, was es wirklich zu sagen gibt... gibt o gibto oh gibt.
Dass du hier schreibst, hat schon eine Bedeutung.... Es hat eine Bedeutung.. denk drüber nach, während du aufs Klo gehst... Das Wissen, worum es geht, ist in die Musikm übergegangen... Gib uns den Ball wieder!
Je weniger es Sinn macht, desto tiefer kannst du kommen...Aber das ist vielleicht zu heiß. Ich dachte ich hatte die ganze Zeit irgendwas zu sagen, vielleicht war es nicht mehr als der Stolz das Holz Holz Holz .... Ich glaube Tom Waits ist die zentralste Person in meinem Leben. Mir wäre ganz lieb, wenn mich der Gedanke ohnmächtig machen würde... Was man als Rausch erlebt, ist das Zusammenfallen der Ideale, wie eine hysterische Umarmung in Zeitlupe. Ich halte mich einfach an dir fest, egal wohin du gehst. Du bist wirklich meine letzte Chance. Urteile nicht über mich, bloß weil ich nicht weinen kann... Ihr wusstet es die ganze Zeit... Ich bin jetzt wirklich zufrieden. Frisch gebadet im Vakuum einer affigen Behaglichkeit. Ich will mit dir den ganzen Tag Sex und Musik machen. Das ist das ganze Geheimnis. Ihr könnt wieder abziehen, ihr coolen Geheimagenten, Cocktail-trinkende Assi-Kommissarel der Fall ist gelöst. Ich präsentiere euch: die herrliche Lösung dieses tief verkniesknaddelten Problems: ich will dass dein Körper in meinem Bett ist. Ich will dich abschmusen und küssen und mit dir narkotisch daliegen und mit Musik und Drogen in die Wirklichkeit, in die Zukunft bohren. Ich war schon oft an diesem eisigen Ort, aber diesmal geh ich nicht mehr weg. Ich muss hier bleiben, ich gehöre hier hin. Ja ich will hier hingehören. Ich will irgendwas mit dir basteln, ich will dass wir es sicher haben, ich will, dass wir uns vertrauen. Gut gemacht... Danke... Jetzt können wir nur bei Seite treten und hoffen, ja hoffen, dass es weiter geht... Das ist doch am End die bitterste Hoffnung: dass es weitergeht... dass es alles irgendwie weitergeht... Dass es alles irgendwie Sinn ergibt... Und irgendwo in meinem Bett muss eine Schere liegen... diese fürchterliche Schere... wo ist sie? Komm heraus! Nur auf diese Art kann ich mir vorstellen, mich um Publikum zu bemühen. Wollen wir einfach mal einen Scherz machen und die Sprache unseres geliebten Königreichs nicht mehr ernst nehmen? Diese Fragen grinsen wie blaue, mit Schnee bedeckte Raketen am Ende des Tages, sie grinsen das Ende des Tages an, hallo, könnt ihr mich hören? Hier passiert wirklich etwas ernstes... Du musst sofort die Stadt verlassen... so ernst ist es... Ok, Entschuldigung!!! Merk dir einfach: du musst rein gar nichts leisten. Damit bist du wirklich frei.....
Ich glaube, dieser Text ist eine Verbindung zu ganz neuen Möglichkeiten. Ich darf keinesfalls einknicken, die Droge darf mich nicht beherrschen. Ich muss die Kontrolle behalten. Ich bin Alpha. Ich bin Alpha. Ich kann mir zusätzliche Features geben, aber ich bleibe der Alpha.

(9)
Es scheint, als wäre das hier alles aufgebaut worden, um eine Funktion zu erfüllen. Ich kann jetzt weitergehen oder nicht. Sagt mir mal einer, was ich tun soll? Ich fühle mich wie eine Emanze, die eine Bruchlandung versuchen soll. Ich trinke im Hinterhof mit meinem Nachbarn ein wirkungsloses Bier. "Was fangen wir mit unserem Leben an?", gaffe ich mit ausgestreckter Zunge in die Sonne. Bald hab ich so viele Niederlagen gesammelt, dass ich es ganz logisch auf den Kopf des Königs abgesehen habe. Dafür wenden Sie sich aber bitte an die Polizei, jetzt geben Sie mir die verdammte Taschenlampe und verschwinden aus meinem Kochkurs! :-) Ich bin Frank Gallegher. ... Alles geklärt.

(10)
All das sind Probleme, die der Mensch nunmal hat, wenn er Drogen nehmen kann. Wenn er sein Leben hinterfragen kann. Wenn er es sabbotiert. Und das Einzige, was DU noch anbieten kannst, lieber Elian, ist deine Einsamkeit, deine Verwahrlosung, dein ganzes Tu-Nicht-Gut. Dein Schwappen. Deine Enthaltsamkeit. Wie ein betrunkener Fettsack klatsche ich dir diese nassen Säcke voll mit Vorwürfen auf den Tresen. Du bist ein Niemand. Du hast keinerlei Aufgabe in der Welt. Alles funktioniert bestens ohne dich... Ja, leg mal einen Echo-Effekt auf diesen Satz... Alles funktioniert bestens ohne dich.... Das heißt: du bist frei. Und deshalb hat kein Verleger einen Grund, es mit dir zu versuchen....Ach so... eins noch... bevor diese Episode vorbei ist... Was lässt mich denn eigentlich glauben, dass ich den Wahnsinn aushalte... dass meine Kreativität mit ihm kompatibel ist... und dass aus beiden etwas wird... *schluchzt* <---- Der Protagonist weint, während eine dicke, schwarze Krankenschwester das eingesternte Wort entfernt... Ja, das war schon richtig da, deswegen kommt es weg. Noch Fragen? Nein, ein klener Scherz. Hier ist alles nur in Bewegung. Kein Grund zur Beunruhigung. Schriftsteller wollen auch mal runterkommen, nicht wahr? - Die Vielzahl an Möglcihkeiten, etwas zu schreiben, bereitet mir Unwohlsein. Bitte gewöhne dich dran, dass es hier Tippfehler gibt und sie nicht korrigiert werrden. Nicht weil wir alle einen auf öko machen wollen, sondern weil weil weil das dürfte ja klar sein. Was? Du willst wissen warum? Du kannst diesen Text jederzeit zerbrechen. Offenes Ende tut immer gut.

(11)
Am Grund der Langeweile, nichts hat einen Reiz, an nichts kannst du dich halten, bis das Nichts dich erfüllt, außerhalb von allem, ausgehöhlt und tralala. Das ist keine Zwischenstation, das ist ein Endzustand. Warum sollte sich jemals etwas ändern? Ich will nichts mehr anfassen, meine Faulheit in die Welt scheißen und Mystiker werden.

(12)
Was für ein Schlackern. Kein Wunder, sag ich da nur... Kein Wunder... Es ist ja immer etwas anderes, aber irgendwann ist auch mal gut. Wenn man doch alles könnte, was man wöllte... Was wären wir ohne den Trost unserer Sehnsucht? Dieser lieblichen Lüge, aus der vielleicht was werden kann... Oder will ich ewig hier bleiben? Will ich ewig hier bleiben? Diese Frage weckt in mir das Bedürfnis, mich im Kreis zu drehen. Wenn es doch nur jemanden geben würde, der mich mitzieht. Oder ist alles auch so okay wie es ist? Ich möchte keine Antworten darauf finden. Entscheidungen sind das allerschlimmste. Lieber im Dreck liegen als ein Auto putzen.

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Einsamkeit ist was Fettes. Ist das Leben für dich etwas Wertvolles oder nicht? Ich bin der Onkel hier und keiner versteht es. Ich meine, du solltest dir einfach öfters mal berauscht die aller banalsten Fragen stellen und dir wird die Zunge auf den Teppeich rollen. Philosophie kann eine harte, psychotrope Droge sein, wenn man konsequent bleibt. Der dicke  Bäcker um die Ecke glaubt noch daran, dass ich alles, was ich erreichen will, auch ohne Drogen erreichen kann. Vielleicht will ich aber einfach nur sterben. Ich weiß es nicht, ich räum hier nur auf und stell die Stühle hoch.


(14)
Finale. Eine Soldatenmeute marschiert nachts durch den Wald. Der Wind knallt wie Peitschen, der Mond ist rot und etwas zu stark gekrümmt. Mir wird schwindlich und ich werde von meinem Hintermann geschubst. Ich bin Teil dieser Kompanie. Irgendwie hat mir keiner gesagt, worum es hier geht. Ich schau zu Maximilian, der neben mir das selbe Problem hat wie ich. Ich schüttel mich durch
und liege wieder in meinem Bett, Stein von Herz und so, selige Müdigkeit in einem goldgelben Korb, das ist aber nicht mein Zimmer, wir sind in einem Raum der mir Angst macht, aber Mutti ist da und dann erinnere ich mich auch, dass wir hier schonmal waren. Warum bin ich noch so müde? Und was ist das für eine rote Narbe an meinem Bauch? Was ist hier passiert? Ich wollte gerade losschreiben, da brach das Himmelgrau auf und Sonne strahlte durch die herbstlichen Bäume auf mein Gesicht und ich wusste, das alles gut wird.
Heute muss ich mich endgültig von Rumänien verabschieden. Auf nach Paris. Ein letztes Fest mir zu Ehren. Wie eine Mutter die heult, weil sie mich rausschmeißen will. Die sind alle froh, dass ich verschwinde. Sie geben sich nichtmal Mühe, ein bisschen freundlicher zu wirken. Alle sagen mir, dass es niemanden gibt, der sich für mich verantwortlich fühlt und ich auf mich allein gestellt bin. Die Musik gibt mir auf sonderbare Weise Mut in mein Herz.
Also das war's. Ich kann es kaum erwarten. Ein letztes Mal durch das alte Spielzeug geschaut, alles, was an besonders schöne oder seltsame Gefühle erinnert, augenzwinkernd küssen. Es regnet auf den grünen Wald, Familie ist etwas schönes. Wenn Gras legal ist, braucht es auch grasigen Journalismus, erfahrene Kiffer dürfen sich freuen auf einen abwechslungsreichen Job. Flexibilität ist nicht nötig, einfach immer schön langsam machen, dann wird das schon! Und jetzt kümmern wir uns mal um den tropfenden Wasserhahn im Bad. Herrje, was für ein Sumpf. Da kommt mir eine Idee... Wollen wir sumpfigen, schlammigen Boden im Bad haben? Dann ist es ein bisschen wie im Freien aufs Klo gehen. Eine funktionierende Toilette im Wald. Großartig.
Ihr schaut mich an, als plante ich ein Attentat auf euch. "Mach es weg, du bist diese Woche mit dem Bad dran, du kleiner Strolch du." Jemand küsst mich und verlässt die torkelnde Wohnung, es ist hier so wahnsinnig voll. Alte Radios, Metallschrott, elektronische Geräte, Bücher und hunderte Aufzeichnungen quer in der Wohnung verstreut. Eine organische Schreibzelle.
Ich sitze auf meinem Hüpfball und hacke meine Worte mit einer grinsenden Enten-Maske fröhlich in den Computer hinein, tief, titititiiiief hinein, verstehst du? Einfach rein, alles klar? Einfach nur... zack rein... Gar nicht weiter rumtrödeln, einfach rein, zack fertig, kapiert? Und Noch gar nicht mal, noch gar nicht mal, heigh-ho. Dieses Karussell hat ein Künstler entworfen - und wir drehen uns auch gar nicht, wir bewegen uns gerade aus nach vorn. Ich spring dir ins Gesicht, wenn du nicht zur Ruhe kommst... Leg dich hin und entspanne dich.
Ich weiß, du hast alles versucht. Sie werden dir deine Kinder erstmal nicht wiedergeben. Aber ich weiß, eines Tages wird man die Gesetze ändern, die verhindern dass du fröhlich bist. Dann bekommst du deine Kinder wieder, ich hoffe du hörst mich... Bitte, zieht mich aus dem Sumpf, damit damit damit. Ich möchte mich nicht über den Leser lustig machen, er ist alles was ich habe. Sieht so aus als wäre ich ein Kleinkind das Verantwortung übernehmen will. Ich will dazugehören, ohne dazuzugehören. Da sein und nicht da sein. Lieber nicht nachdenken an dieser Stelle, es ändert nichts an der Sache, also geh weiter... Hör auf verstehen zu wollen, was du machst... Vertraue deinem Instinkt und schreib, was du nicht verschweigen kannst... aber bitte nur das... nur das...

Sie haben eine Liste der Dinge erstellt, die uns an unserer Kreativität hindern. Das größte Hindernis ist die Prokrastination. Die Neigung, Dinge vor sich herzuschieben. Sind Sie davon betroffen?
Nick Cave: Nein, überhaupt nicht. Ich habe das nur gehört. Ich habe einfach einen Gedanken und setze ihn um. So arbeite ich. Es geht nicht um Motivation, es geht einfach um die Umsetzung. Vielleicht wäre meine Arbeit auch noch besser, wenn es einen Moment zwischen Gedanken und Umsetzung gäbe.
Eine der Möglichkeiten der Prokrastination, das schreiben Sie, ist ein Terroranschlag. Als ich als Kind die Twin Towers zusammenfallen sah, wünschte ich mir nichts mehr als einen Krieg in Europa als Folge eines Terroranschlages, weil ich dachte, ich müsste so nie wieder zur Schule gehen. Finden Sie das verwerflich?
Nick Cave: Nein, keineswegs. Es ist sogar eine erstaunlich gute Idee. Am Ende findet man immer eine gute Entschuldigung dafür, Dinge nicht zu tun.
(Quelle)

16 Juni 2015

Oliver Stoned


16. Juni
(alle aufzeichnungen während des film-pausierend gemacht)

Der Film ist bisher eher unterdurchschnittlich bewertet worden, das wird mich aber nicht aufhalten, den Film objektiv zu bewerten. Meist kann man nur nicht objektiv sein, behauptet der verklemmte Streber in uns, weil man den anderen Leuten zu sehr vertraut und sich nicht vorstellen kann, dass ausgerechnet man selbst verstanden hat, worauf es überhaupt ankommt, verstehst du? Du hast doch in Filmen auch ein Faible für die Außenseiter oder? Na also! Tut mir leid, ich wollte mich gar nicht so aufspielen, das tu ich oft, wenn ich weiß, dass noch ganz ganz viel Zeit vergehen wird, bevor ich müde werde.
Die trashige Credit-Musik nervt. Schade, dass die Musik die Szene nicht ernst nimmt. Der Hauptdarsteller freut sich zu sehr über die Rolle und ist daher unglaubwürdig. Die Geschichte ist aber gut, die Verknüpfungen die entstehen - das typische Außen-vor-sein wird ganz selbstverständlich durcherzählt. Während des Gesprächs auf dem Sofa, das ich mir gleich nochmal anschauen muss, hab ich plötzlich total Angst davor, irgendetwas zu sein, in irgendeine konkrete Richtung abzudriften, dass ich mit Müh den Reflex, mich hysterisch umzusehen, unterdrücken kann ... Vielleicht sollte ich den Film nicht anschauen, wenn ich selbst etwas geraucht habe. Aber die Idee, über bestimmte Dinge bekifft zu durchdenken, um sie dann zu bewerten. Wenn man bekifft ist, hat man nicht die Urteile von Nüchternen nötig - ihre Urteile und Werte gelten jetzt nicht mehr, schlechte Filme können Hintertüren aufweisen, die man nur bekifft findet. Die Vulgarität des Althergebrachten, seine Arroganz und Bequemlichkeit verhindert, dass wir die Dinge so sehen, wie sie sind. Jetzt weiß ich nicht mehr, worum es in dem Film geht. Mal weitersehen.. Ha, das Gespräch an der Tür war echt witzig. Oh Gott, rede ich schon wie die? Bin ich so infantil und prägbar von diesem infantilen Film? Was soll diese Frage? .. Die Szene mit dem Eiswaagen losfahren ist auch gut. Man denkt er fährt los, dann war es ein anderes Auto. Vielleicht muss ich das Urteil über den Schauspieler zurücknehmen. Aber schade, dass es eine Handlung gibt. Vielleicht sollten die Helden in Stoner-Filmen immer neben der Spur sein, ein euphorisches Außerhalb, keine echte Bindung mit der Welt der Anderen. Trotzdem fühl ich mich wohl in dem Film. Ich unterbreche nur, wenn mir etwas wichtiges zum Aufschreiben einfällt. Könnte mein Hauptberuf werden. Warum Kifferfilme die Metaebene immer berühren müssen: weil der Zuschauer sowieso weiß, dass es ein Film ist. Wenn die Protagonisten wissen, dass sie in einem Film sind, muss sich der Zuschauer nicht die Mühe machen so zu tun, als wäre das was passiert real. Die Metaebene erinnert an die Fiktionalität von Filmen, angewand auf den Alltag oder unseren Beruf: wir hinterfragen die Werte, die uns leiten, wenn wir uns daran erinnern, was Werte überhaupt sind. - Jedenfalls stinkt die sich anbahnende Liebesgeschichte mit dem Hauptprotagonist und dem Schrumpfköpfchen. Dieses "Komm wir helfen uns gegenseitig ist" ein blöder Grund, zusammen zu bleiben, es ist zumindest langweilig, dass sie sich auf diese Art und Weise kennenlernen. Vielleicht haben sie das eingebaut für alle, die den Film nüchtern sehen wollen... warum auch immer man das wollen kann... Ich finde die lässige Skate-Kultur echt sympathisch. Skaten macht lässig, und es macht Spaß, sich schneller als gewöhnlich fortzubewegen. Es trainiert die körperlichen Fähigkeiten und fördert die Konzentration und es macht vor allem total viel Spaß, auch wenn es nichts für mich ist. Allein das passiv zuschauen macht total lässig. -  Haha, ich wusste dass der Clown nicht blind war... Ich spule immer zurück, weil ich denke ich hab was nicht verstanden, aber wenn ich es nochmal sehe, stell ich fest dass es nicht mehr zu verstehen gab, als ich verstanden hab. Alles ist selbstverständlich, bloß nicht die Tatsache, dass alles selbstverständlich ist... Darüber kommt man bestimmt hinweg...Wenn mehr Leute ein Problem lösen, macht es mehr Spaß. Bloß nicht zu sehr auf heterosexuelle Frau-Mann-Zweier-Konstellationen im Film... Das uninteressanteste an einem Film ist, ob Leute zusammenkommen oder nicht....Die Wände des Dealers sind viel zu dünn, genau wie die Tür. Als wäre das Haus aus Pappe, an einer bunten Hauptstraße. Das wäre zu riskant für einen Dealer dieses Formats. Toll wäre auch, wie gesagt, dass es keine Handlung gibt oder dass sich die Protagonisten nicht erinnern können, was ja auf das selbe hinausläuft. Es passieren immer Dinge, die sie nicht verstehen. Aber so ist dieser Film nicht, er ist zu berechenbar. Das Unerwartete kann man hier nicht erwarten, also nur ein Film über einen Stoner. Trotzdem verdient diese Community jede Verherrlichung die denkbar ist, selbst eine so mittelmäßige. Die Einstreuung von echten Fakten über Gras ist eine großartige Idee, vorausgesetzt, es kommt wie ich es ahne... Ja, war ganz nett, dachte aber es wird politischer... Der erste Rausch der Kleinen war sehr gut dargestellt, die Musik hat gut passt und alles war glaubwürdig und sympathisch, keine Übertreibungen. Der Film sollte mehr Möglichkeiten bieten zur Ruhe zu kommen, sonst kann man bald nicht mehr folgen, aber das ist vielleicht mein Problem, *sympathisch grins* - oh Gott, ich darf niemals mich einer Kamera ausliefern, der Job den Benson macht ist großartig... Ein Untergrund-Netzwerk dokumentieren. Die Kontaktperson zur Unterwelt. Irgendwie müssen die Inhalte ja verbreitet werden. Das ist die Chance der Domokratie: dass man eben nicht dem Mainstream die Deutungshoheit über die Dinge überlassen sollte. - Zurück in den Film, der gern etwas sphärischer werden könnte... Oh je, es macht absolut keinen Sinn, dass der Typ jetzt so mutig ist... in einer Minute der Aufregung gestikuliere ich das Popcorn an meinen klebrigen Fingern über die Köpfe der Leute, die vor mir sitzen... Aber das ist meine Show, also bleiben sie sitzen und lachen nur ... Dass er sie mit der Zitrone beworfen hat, war total lustig.. Während er auf die Rehling kotzt, frag ich mich, ob nicht Abenteuer bedeutet, dass man mit allem rechnet. Ein Abenteuer mit Einschränkungen ist keins mehr.  - Dass er immer Drogen und Gras trennen will, ist erfrischend. Die Selbstfindungs-Sache war ein bisschen zu lahm, das eigentliche Ende... ja kann man machen. Der selbe Satz wie immer: "Je nach dem wie euch der Text hier gefallen hat, gefällt euch der Film."
- Ich gebe diesem eine 7,0. Nüchtern hätte ich ihm wohl eine 5.0 gegeben.

Warum sacke ich nicht einfach melancholisch zusammen? Warum lass ich mich nicht vollkommen gehen? -
Episoden-Filme drehen zu Liedern die Episoden erzählen. Darstellung einer Art zu leben, Musik zu hören, einer Art zu denken und zu fühlen. Irgendwas Inspirierendes, auf jeden Fall Offenes, gar nicht so richtig charakterisieren. Völlig ohne Namen. Jeder, der auch ohne Namen etwas macht, ist automatisch bei uns dabei. Ein offenes Netzwerk freier Künstler. Keine zentrale Verantwortlichkeit, es wird nie erklärt, was ernst gemeint ist und was nicht. Alles anonym unter dem Nichts mit Pseudonym: Netzwerk. Der Film macht Werbung für das Netzwerk. Irgendjemand muss mich anschreiben und mir sagen, dass er versteht, was ich an dieser Stelle meine... Vernetzwerken wir uns zu einem wirklich psychotischen, absurden Netzwerk freier Künstler und erzählen als Verbund von uns und der Sicht auf die Welt bzw. sie spielen mit der Welt, sie zeigen dass sie gestaltbar ist. Das lernen wir von Künstlern: was wichtig ist und was unwichtig ist. Ein Bild oder ein Film oder ein Text oder ein Bühnenstück wie dieses hilft, die Wirklichkeit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Immer auf der Suche nach neuen Verwicklungen und Risiken, Chancen und unendlichen Abwegen, schreibt der Berauschte ermutigend "Das muss ich einfach alles nur aushalten, irgendwann gewöhne ich mich dran und kann mich besser orientieren in diesem Zustand völlig neuer Handlungsmöglichkeiten. Ich glaube das ist gut, das mal hinzuschreiben, sonst sitzt du irgendwann wie verblödet in deinem verrauchten Zimmer und verlierst das Interesse an dem, was hier noch drauß werden kann. Bist du bereit, weiterzugehen? Oder willst du noch ein bisschen weiter hier unten herumdümpeln? Ich mein, hier gibt es nicht mehr viel zu holen. Kannst ja immer mal hier runter kommen, vorallem mit deinen Freunden, vergiss die niemals! Aber das Leben geht weiter... Dein Gehirn entwickelt sich weiter... bleib nicht zurück, wäre schade wenn sich all deine Energie ins Nichts stürzt.
Also, wohin könnte es gehen? Ich brauch mehr Leute. Die müssen den Grashalm kennen und sympathisch finden, an den ich mich hier kralle. Ich genieße das existentielle Taumeln. Das hier ist kein Moment, auf den es nicht ankommt... (guter Refrain für ein Lied) - Könnte bei einer Panikattake nach hinten los gehen... Wichtig ist ferner zu unterscheiden, ob man Musik hört, die gemacht wurde von bekifften Musikern, oder ob die Musik nur die Schwingungen erreichen will, die bekiffte Musik trifft... Man sollte auch nüchtern Musik machen, um sie dann bekifft zu hören. Solche Musik würde zweitelsohne anders funktionieren, aber vielleicht beeinflussen sich beide Ebenen ja... Ist es absolut nötig, einen Gedanken zu Ende zu denken? Ich fühle mich, als wäre ich in einer Situation, in der ich der einzige bin der nicht das Bedürfnis hat, panisch wegzurennen. Was kommt da auf mich zu? Haha, absolut gar nichts... Das Nichts fliegt wie ein freundlicher, superweich geflügelter Affe über unsere Köpfe hinweg, die Poesie drückt mich immer tiefer in die zweidimensionale Welt meines Bettes. Ich weiß nicht, ob dieser Zustand gut ist oder nicht... Es ist als verliere ich endlich die Kontrolle über mein trauriges Leben... Mir ist, als spiele ich die ganze Zeit nur, das alles ganz okay läuft. Und jetzt schau ich Cioran an und bin sofort getröstet, sofort zurückgeholt in die überstrahlende Glückseligkeit die in meiner Weltferne möglich ist. - Wenn ich jetzt sterbe, wird man wenigstens etwas von meinen letzten Minuten mitbekommen haben... Es lief "More fool me" von Genesis. Die Kiffer-Communitiy muss die Band willkommen heißen. Wenn Bach und Led Zeppelin bekifft sehr gut funktionieren, dann auch Genesis. Zumindest von 69-83. Danach künstlerisch nicht mehr so interessant... Die Band wird schnell unterschätzt, wegen ihrer Hits in den 80ern. - Ich kann jedenfalls nicht weinen und Cioran ist der größte Trost, die Ermutigung, dass alles so richtig ist. Perfekt. Hoffe Schildi meldet sich demnächst wieder. Wir kommen immer besser klar. Es ist sehr gemütlich, nur zu selten. Es ist gut, das mal so auszusprechen. Wir ertragen das Leben besser, wenn es wenigstens noch als Grundlage für Kunst taugt. - Ich erkenne klipp und klar, was mein Beruf ist. Ich weiß, welchen Job ich habe... Ich hab es im Bauch, keine Worte haben Zugriff da... Mein Job hier ist, an die Möglichkeiten zu erinnern... Oder du spielst einfach nur mit mir... Die Sprache zerfällt innerlich, kann es grad so auffangen und ordnen, was ist da oben los? Ja, ich weiß nicht, wir sollen jetzt Pause machen, wird gesagt, hier blinken schon tausende violette Alarm-Leuchten und gleich beginnt der laute Teil des Liedes, also ich würde zusehen, dass ich da so schnell wie möglich rauskomme, nein, jetzt bück dich nicht und bring die Worte in Ordnung, hey hey, hör auf zu korrigierten und hör mir zooooooooooooooo. Pause. Einszweidrei. Gut, wir können weitermachen. Es geht verdammt nochmal daraum, verdammt verdammt, ja genau, worum geht es hier, verdammt? Und wieder ist etwas Wirklichkeit zurückgestoßen worden, wieder ist etwas Ballast abgestürzt... Ballast ist abgestürzt... Mein Ich war Ballast.... Und wer schreibt? Nein, nicht auf die Finger gucken jetzt... Warte, was jetzt passiert.... Es wird plötzlich ganz still... Man müsste mal einen Western zu "Los Endos" drehen, einen Miniatur-Western von 6min. mit irgendwelchen surrealen Show-Downs und Monstern und Mienenschächten. Knallige Comic-Art, mit tausenden Erzählebenen. Eine euphorische Überflutung. Steig mit drauf ein. Schau nicht von draußen zu. Mach es dir gemütlich. Denken zerreibt. Du musst auch mal was anderes tun. Ständige Selbstreflexionen, Selbstanklagen. Das ist alles gar nicht nötig... Hier geht es um was ganz Anderes: wie das Nichts füllen, das an unsere Freiheit gebunden ist? Man muss nicht immer linear leben. Also ich komme heute nicht mehr vorwärts, ich fühle mich so fremd mit einer konkreten Aufgabe in der Hand, aber welche ist es denn nun? Was schreibe ich hier? Ich habe nichts, ich war nichts, ich werde nichts... das ist das Mantra, das mich in einen Trance-Zustand versetzt ... Ich bin abgeschnallt und kann mich umsehen ... Hier auf dieser neuen Ebene... Allein der Zwang, die Ebenen als solche zu definieren, macht alles ganz undeutlich... Einfach sacken lassen...
Hier ist nichts zu holen, was wolltest du hier? Ich fühle mich wie ein Detektiv, den keiner beauftragt hat. Sowas langweiliges... Könnte auch mal was Anderes sein.. zum Beispiel das Gefühl, einer wichtigen Sache auf der Spur zu sein oder wenigstens Leute zu haben, die etwas mit meiner Wahrnehmung anfangen können. Der Autor sucht Leser, der Leser ist nicht so sehr auf einen bestimmten Autor angewiesen, denn dass ein Autor keinen Nutzen hat, schadet dem Autoren wesentlich mehr als dem Leser. Der Leser steht über allem. Der Autor ist auf den richtigen Leser extrem stark angewiesen. Er muss ihn suchen... Er muss gebraucht werden... Vielleicht ist all mein Schreiben total sinnlos. Ich glaube ich hab eben ganz gut erklärt, warum. Auch wenn ich es jetzt nicht mehr weiß. Warum auch? Mein Instinkt ist schon richtig, einfach nur weiter in den Moment, bloß nicht rausgucken. Ich sitze in keinem dunklen Schwimmbecken ohne zu wissen, was für fischige Ungeheuer da drin sind. Ich sitze bei mir zu hause, es gibt keinen Grund zur Sorge. Ich schlüpfe in eine Endzeit-Melancholie wie in einem Traum, in dem meine Stadt von Außerirdischen angegriffen wird... Zumindest läuft ein Film darüber im Fernsehen und wir trauen uns nicht aus dem Fenster zu schauen, weil wir nicht wissen, ob es ein fiktiver Film oder ein Nachrichtenbeirtrag war. - So viel Endzeit ist gar nicht. Ich verlasse nur dieses Haus. Das sollte ich verkraften. Oder? Oder? Vielleicht ist es nicht schlimm, mich einfach ein bisschen zurückzuziehen... Unvorstellbar, nicht mehr zu schreiben. Vielleicht sollte ich noch viel mehr schreiben, aber viel mehr zurückgezogen. Wenn ich nur nicht dauernd einkaufen müsste... Und verdammt, ich muss den Leuten etwas bieten, damit sie sich für mich interessieren... ich bin immer noch in der Phase, mein Leben interessant zu machen, um daran zu wachsen und ein Recht auf Anerkennung zu haben. Ich glaube, so ist es noch nie formuliert worden, oder?
Ich bin die letzte Zeit dauernd bekifft. Eine angenehm sumpfige Schutzatmosphäre, ich darf einfach keine Panik bekommen, also rasch ein bisschen Gras ... Herunterkommen... Mir über Dinge klarwerden.... Die kreisen uns ein... aber wir sollten kooperieren... Nicht paranoid werden... So schnell wie möglich aus der Schlinge heraus... Eine neue Wohnung klingt gut.... Bloß nicht zu voreilig. Solange zwei Zimmer (WG-Option) und nicht im Randgebiet oder Ghetto ist... Und wehe die Nachbarn sind Psychopathen. Hoffentlich niemand der mich zu gut leiden kann. Wenn man sich heute diesen süßen Luxus überhaupt noch leisten will. Ich versuche nicht auseinanderzuklappen, irgendwo geht es schon hin, warte einfach ab, alles wird sich ergeben, die Kamera zoomt heraus, der Abspann läuft zu "Grand Parade Of Lifeless Packaging", deutet an das hier noch etwas ganz anderes passiert, ach ja, gar nichts... Hier passiert gar nichts... Hahaha..
Was soll ich über das Nichts schreiben? Vielleicht das, was es in mir ausgelöst hat. Ja, willst du das? Oder geht dir schon wieder auf die Nerven, dass es keine Linearität gibt? Was willst du denn damit? Dauernd auf dem einen Pfad bleiben, heißt immer hinter seinen Möglichkeiten bleiben, viele Lösungen, viele Möglickeiten sich durchzusetzen zu verpassen. Der Kausalität abschwören. Dem Denken sein lassen, schweifen konnten rote Blitze, psychedelische Sachen passieren, über die man nicht schreiben kann und es ärgert mich auch nicht mehr, dass ich es nicht festhalten kann, und ich hab gemerkt dass der Ärger meine Sicht eingegrenzt hat. Wenn etwas davongleitet, wird es sich irgendetwas beeinflussen, für dass ich noch Worte habe, und so schabe ich als Autor an den Grenzen des Ausdrückbaren und rücke immer mehr dem Eigentlichen an den Kragen, das bei genauerer Überlegung auch einfach gar nichts sein kann. Mal sehen, was alles einer Grundlage entbehrt... Das könnte der Schlachtruf einer jeden psychedelischen Schlacht sein. Ich liege, lehne mit dem linken Ellenbogen schräg auf meinem Bett, wenn ich meinen Oberkörper oder Arm bewege, glaube ich das angespannte Schultergelenk beeinflusst meinen Herzschlag und und muss laut lachne, krampfhaft lachen, dmait ich heil aus diesem Moment komme, der beinahe alles zum kollabieren gebracht hätte, nein nein schau nicht zurück. Erstmal ordentlich ahhaha hinsetzen... Pünktlich zum neuen Lied eine neue Position, schön wenn das Leben solchen Regeln folgt. "Wer will, darf nach jedem neuen Lied eine neue Richtung einschlagen." Bedeutet das, dass wir zu langsam oder zu schnell vorankommen? Oder vielleicht ganz normal.... Ich mag all diesen Wortzauber. Ich spüre, dass das die eigentlichen Spuren meines Lebens sind. Ich weiß trotzdem nicht, was das ist, das ich hier überhaupt erkunde. Ich bin bloß froh, das so formulieren zu können. Was sonst ist sicher? Ich habe Angst, in einen neuen Lebensabschnitt zu springen. Wenn ich mir vorstelle, was Genesis P. Oridge alles schon gemacht hat in ihrem Leben... Die ist wirklich verrückt... Ich meine der... noch besser... Zum zweiten Mal Genesis... Der Ursprung. Ausgangsposition. Ist es wirklich so einfach? Nach Steves weggang hätten sie sich umbenennen sollen, denn die Ursprünglichkeit, Experimentierfreude ging fort. P. Oridge kann man sowas nicht vorwerfen. Er wie Cioran bestätigen mir, dass es sich lohnt eine Weile so zu leben wie ich lebe. Das hier ist immerhin die Grundlage von allem. Irgendwo muss meine Karriere ja anfangen. Und ich komme nur an mein Ziel, wenn zur beliebtesten Freizeit-Beschäftigung die Selbstdistanzierung durch Rauschmittel gehört. Wenn es zum guten Ton gehört, sich zu verlieren. Erst dann können meine Texte etwas bewirken. Ihr müsst euch fragen: Was würde passieren, wenn alle so wie ich mit der Droge und der Kunst und dem Leben überhaupt umgehen. Lohnt es sich, die Welt so zu sehen wie ich sie sehe? Lohnt es sich, wenn jemand so mit der Literatur umgeht? Wen beauftragen wir, uns zu definieren, was gute und schlechte Literatur ist und uns dann auch noch Literatur vorsetzen, die diesen selbst-erfundenen Kriterien entspricht. Anders ausgedrückt: was können Nüchterne über die Möglichkeiten eines bekifft konsumierten Kifferfilms wissen? Wenn ich sage, dass man dieses Buch nur für einen Preis nominieren kann, wenn man bekifft ist, bedeutet das, dass ein Nüchterner in keinster Weise kritisieren darf, weil er eben nicht die Absicht des Films versteht, so wie ein Stoner den Wert bestimmter Regeln zu akzeptieren verlernt. Ich wünschte, der Satz eben würde keinen Sinn ergeben, denn dann würde jeder verstehen, was er aussagen soll, was aber auch noch mit diesem Zusatz funktionieren könnte, oder hab ich mich jetzt verrannt. Jedes Lied will eine andere Abschniedsstimmung auf den Moment drücken.
Jetzt kann ich nichts Sinnvolles mehr rausschütteln. Es ist auch gleich 9.00Uhr morgens. Ich sollte mir etwas zu essen holen oder? Ja, ein kleines Abenteuer, bevor ich schlafen gehe. Herrje, das wird wieder was... Oh Gott, ich bin immer noch ein kleiner Wanst, der sich nicht gehen lassen kann....Dieses ständige Reflektieren... Dieses überbewerten und unterbewerten... Keine Ahnung, was überhaupt noch richtig klar ist... Sehr wenig, worauf es ankommt... Meine Einsamkeit reduziert meine Möglichkeiten. Das ist wieder das Klarste, was ich noch bekennen kann. Ich stehe im Regen und je mehr Freunde ich verliere desto kleiner werde ich - und vielleicht hängt meine Zukunft nur noch an dir... Ja, Liebe ist etwas sehr Stabiles. Etwas das alles durcheinanderbringen kann. Echtes Leben, echte Bindung. So nah und doch so fern... Der Gedanke ist nur erträglich, wenn ihn zwei schäbig animierte Kakerlaken in einem kleinen Lied vortanzen... So nah oohhh und doooch sooo ferneäääaäaä . heul doch, kleiner Pimmel! So, jetzt hab ich mir also noch eine verpasst, was das soll, weiß ich nicht und langsam finde ich es beunruhigend und dann beruhige ich mich mit einem Blick auf Cioran und Ton Steine Sterben mit der Live-Version von "Bist du's" im Ohr. Da ist der Anflug von Neuer Deutscher Welle, von der ich vorhin gesprochen habe. Wäre die Geschichte in dem Song besser, bzw. die Metaphern, was genau so gut ist... hätte man das Lied hinnehmen können als neuartiges Statement der Band. Okay, also einkaufen. Hoffentlich sind nicht so viele Leute. Mal sehen, ob es noch was gibt, was ich allein in solchen Zustanden machen kann. Vielleicht brauch ich wirklich bald Arbeitskollegen.... Schöner Gedanke für den Abschied heute. Bis bald wieder... Kuss.





13 Juni 2015

13.6. - Wo glitzere ich auf einmal hin?

Irgendwann musst du dich stellen, dröhnt es schwankend. Meiner Zuversicht müde, steige ich in die Treppe herab.
Man kann sich von allem Bedrückenden lösen, bloß nicht von der Lust, bedrückt zu sein.

Ich schichte viele Ich-Fiktionen von mir in meinem Hirn übereinander wie Folien, sie kommen nicht mehr zur Geltung, wenn mein Gehirn erleuchtet ist. - Man sollte unter Menschen nicht für dies abstrakte "Ich" sprechen, sondern für das konkrete Gehirn im Kopf. Unser Gesicht verhindert, dass wir uns den anderen richtig nähern können. Alles was uns unterscheidet, hemmt das Vertrauen in unsere Gemeinsamkeiten, lenkt uns ab vom Wesentlichen, also unserer Neurologie und unserer Sprache.

Seltsam. Steuert diese Ich-Idee meine Finger und Hände? Was in diesem Körper kontrolliert seine Bewegung? Was in ihm schreibt diese Frage? Wen in mir frag ich, ob mir die Musik gefällt und ob ich diesen Typen da mag und welche Partei ich wähle? Welches Lied meint es ehrlich mit mir? Wäre es gut, wenn ich alles, was man mir als mangelhaft oder uninteressant vorwerfen könnte, ganz bewusst und so brutal wie lustvoll übertreibe? "Ich tu alles dafür, richtige Aufmerksamkeit zu bekommen!", rufe ich durch die menschenleere Straßen bei Sonntagswetter und Musik, die ich noch nie so laut mit Kopfhörer gehört habe.

Wenn man nicht spüren kann, ob die Zeit zu schnell oder zu langsam vergeht, steckt man in der Zeit fest und altert nicht. Man altert nur, wenn man sich den Älterungstrieben in sich hingibt, die bei bestimmten Verhaltensweisen aktiv und beim Wegbleiben dieser inaktiv werden.

Alles, was ich von mir sagen kann, lohnt, manisch vertieft zu werden. Wenn man lang genug drauf kaut, fängt es zu blühen an. Die Langeweile öffnet den Samen einer langweiligen Idee, aus der großartige Gedanken wachsen können, wenn man Glück hat und der Boden fruchtbar ist. Dein Gehirn ist eine gigantische Sammlung von Gedanken, die Handlungen auslösen können. Die Langeweile, also die Beruhigung, Entschleunigung, Ziellosigkeit, pflügt den Acker um, auf dem dein Ich wächst. Ich stemme ein hartes Lächeln gegen den weichen Ernst der Wahrheit.