30 August 2015

Was ich fühle ist keine Angst - Angst fühlt sich anders an


(1)
Ich öffne die großen AUgen einer leeren RTF-Datei und entferne etwas Grünes zwischen der D- und E-Taste, ein totes Insekt, das ich mit einem weichen Schrecken aus dem Fenster werfe. Es ist kurz vor Mitternacht und ich eröffne mit einem feierlichen Lied den Raum, in dem ich mich um mich drehen kann, um mich selbst, nur um mich selbst, ich bin eine Spinne, das Kreuz der Langeweile auf dem Buckel und webe Einsamkeit um mich. Fröhliche Musik soll das über mir kauernde Omen entthronen - doch sie schafft es nur, mich daran zu erinnern, dass es egal ist, wer da oben sitzt, denn ich komme so und so vom Weg ab.
Obwohl mir die Rolling Stones nichts zu sagen haben, lass ich sie durch mein Zimmer klappern. Die Schnute des jungen Mick ist ihr einziger Pluspunkt. - Lust auf Cannabis deutet mit mahnendem Finger auf einen Überdruss am Leben, der - statt zu sagen "Man zeigt nicht mit nacktem Finger auf angezogene Depressionen!" - einfach nur glotzt und überlegt, sich auszuziehen. Wenn du kiffst, verwandelst du dich bei entsprechender Musik in den Onkel, der mit den Schultern zuckt und dich anlächelt, um dir zu sagen, dass es egal ist, wo du dir deine Zeit vertreibst. Ich vertreibe meine Zeit. Ich bin nicht irgendjemandes Onkel. Ich will "das Leben" mit irgendjemand zusammen gestalten. Das Leben gestalten. Lou Reed hat grad gelacht. Schade, dass ich jetzt vielleicht nicht meine Lust, nichts zu formulieren, formulieren kann. Sie fühlt sich so gemütlich an, als läge ich irgendwo am Ufer meines Lebens, meine Nutzlosigkeit und Freiheit durchkauend und mich fragend, was das alles soll, aber auf meinem Rücken liegt eine schwere Matzratze, auf der ich vollgefressen mit Zufriedenheit herumliege. "Nicht die Matraze ist schwer, sondern das, was drauf liegt!", höre ich meinen unpoetischen neuen Mitbewohner grinsen. Ich sperre mich also in meinem Zimmer ein und nehme allein am Leben teil, froh dass ich mich nicht aus Angst oder Langeweile mit allerlei Studien und Fakten und Axiomen belasten muss. Mit Wahrheit belasten. Leute die ihre Haltung mit Ausrufezeichen meinen objektivieren zu können, verdrießen mich schnell. Oder wie kann man keinen Hang zum Schwanken, zum Fragezeichen, zum Umkippen haben? Unsicherheit ist eine riesige, weiche Wiese voll mit dunkelroten, orangenen, dunkelgelben Blumen, beigem Gras und blühenden, schwarzen Bäumen. Eure Unsicherheit ist wichtiger als der Lehrer, wichtiger als Noten, wichtiger als Schuh-Zubinden, wichtiger als Träume, wichtiger als die Zukunft, wichtiger als Euer Wissen, wichtiger als eine rote Ampel, wichtiger als die Sonne, fast so wichtig wie eine gute Verdauung. Wie kann man leben mit dem Tod im Nacken? Indem man sich klar macht, dass Hitler ein Happening-Künstler war, dessen Werk mit seiner ersten Rede beginnt und das abgeschossen ist, wenn er sich in seinem Bunker abschließt. Was ist noch wichtig? Ich darf nicht vergessen die Hühner in ein paar Stunden rauszubringen. Ich wüsste nicht, was sinnvoller wäre als skeptisch, mit instabilen Begriffen auf dem Nebengleis herumzuträumen und sich um Hühner zu kümmern? Wieviel Schmach und Substanzverlust erleidet man früher oder später für jede Wahrheit! Zusammengedrängt im Wahn einer wahren Welt, auf den Leim gegangen einer unpoetischen Ideologie, büßt das Leben immer mehr an Möglichkeiten ein - und an Schönheit sowieso. Wer sich an nichts mehr krallt, versetzt das Leben in einen entspannenden Siesta-Zustand, den man so lang hinstrecken kann wie man möchte, mit dem man vielleicht sogar die letzte Ära des Lebens überhaupt einzuleiten bereit/in der Lage ist. Mein Ehrgeiz beschränkt sich darauf, mit meiner Ehrgeizlosigkeit zu prahlen, hier in dieser Textdatei im Abfall-Zentrum des Universums. Ich empfange hier keine Signale, hier sind alle Schotten dicht. Ich weiß, ich sollte nicht hier sein, aber werde auch nicht dafür bestraft, dass ich hier bin. Es gibt nichts zu tun... Warum gibt es nichts zu tun? Ein Neugieriger, der aussieht, als würde er zu bestimmten Liedern von Hildegard Knef mit den Fußzehen schnippen können, denkt sich, dass man mal herausfinden müsste, ob Leute, die auf ein heftiges High aus sind, mit einer Tabakpfeife viel Gras sparen können. Auch wenn die Wirkung vielleicht nicht ganz so lang anhält, wäre die Menge an Gras, die du nachlegst, um mit dem mitzuhalten, der mit dir auf dem Sofa sitzt und eine Bong raucht, vielleicht deutlich geringer ist als bei dem Typen, der eben schon durch den Satz gehuscht ist... der da, der die Menge in einem Bong-Kopf verbrennt. Der Satz ist seltsam konstruiert, ich hoffe dass man das unter "Stil" abhakt. Dazu eine Grundsatzfrage: muss Stil gewollt sein oder ungewollt? Muss Stil vielleicht nur ungewollt scheinen? Als könne man einen Gedanken nur auf die Bühne lassen, wenn er ordentlich hergerichtet ist. Ich schaue ins Publikum und kann nicht glauben, dass niemand von ihnen auf mein Stolpern und Zaudern gewartet hat. Vielleicht werde ich mit allem scheitern. Ich darf mir nichts auf das künstliche Pathos einbilden, auf dem meine Unsicherheit eine gute Figur macht. Jeder kann da sein, wo ich jetzt bin. Mehr habe ich nicht zu sagen? - Ich vermute dass man nie eine Panik-Attacke unter Gras bekommt, wenn man sie nicht während der ersten Versuche mit Gras bekommen hat. Die ersten Graserfahrungen strukturieren alle übrigen. Entweder die Eindrücke der ersten, angenehmen Rauscherfahrungen machen alle übrigen ebenso angenehm, oder schlechte erste Eindrücke ermöglichen es, dass sich vermehrt oder ausschließlich schlechte Erfahrungen anschließen. Je mehr gute Erfahrungen man erinnert und je besser sie sind, desto mehr und besseren Stoff hat man, künftige Erfahrungen zu "konstruieren". Man bastelt eine bewährte Form, in die man den Rausch gießt und beherrscht. Vielleicht kann ein destruktiver Charakter vertraute Rausch-Ideale dekonstruieren, schon allein weil er wirklich Lust dazu hat. Man kann nur in einem Bereich vorankommen, wenn man echte Lust dazu hat. Je unterschiedlicher die Dinge, mit denen sich Menschen lustvoll befassen, desto größer die Chance, dass sogar Leute, die diese Lust nicht kennen, von dem, wozu die Lust geführt hat, profitieren. Also.. ich mein, vielleicht habt ihr was davon, dass ich mich hier im Kreis drehe. Vielleicht haben meine Bewegungen eine ähnliche Wirkung wie das Orgelsolo in "Light My Fire". Es ist wirklich so, dass Worte und Gedanken und Gefühle im Grasrausch wie beschwingte, sich schief schwingende Musik sind, Musik die nie zu unfreundlich aufdringlich wird, die nichts von dir verlangt, die dich nie mit sogenannten Wahrheiten belästigt, sondern dich einfach dafür feiert, dass du unentschlossen und düster in der Ecke einer Party sitzt und grinst.
In deinem Leben gibt es nichts zu tun - du gestaltest es, indem du dir die Zeit vertreibst, indem du dich mit Wahrheiten belastest, indem du in einer Sackgasse verschwindest. Ich verschwinde in einer Sackgasse.

(2)
Die Grammtik-Regeln des Lebens missachten und den Zweifel in den Rang der Wahrheit erheben bedeutet: Generalstreik, bedeutet Schwanken mit Ausrufezeichen, heißt früher oder später helfen das Gehirn umzustrukturieren, der harten Manie der Außenwelt eine weiche Panik von innen entgegenzuhalten, die Zähne zusammenzubeißen, also einfach darauf vertrauen, dass es noch ein bisschen so weitergeht. Die Angst vor dem Tod ist nicht größer als die Angst, dass im Edeka keine Pizza im Angebot ist.

(3)
Ich strebe an, mich überall so durchzumogeln wie in meinen Texten. Ich möchte meiner Zersetzungs-Lust nicht verschreiben, sich bloß an meiner Sprache auszuleben  Sie soll sich richtig schön in meinem Alltag breit machen, ich habe keine Angst, darüber die Kontrolle zu verlieren, es sind nur bestimmte Verhärtungen in meinem Bewusstsein, die sich mit dieser Angst schützen wollen. Angst hilft, sich zu stabilisieren in einer Zone Erträglichkeit, je stabiler, desto größer die Gefahr, hängenzubleiben, süchtig zu werden nach Ordnung und Mittelmaß und darin abzustumpfen. Nur wenn man sich ausreichend überfordert, stumpft man nicht ab. Ich habe alle Möglichkeiten in meinem kleinen Zimmer ausgenutzt. Eigentlich hält mich nur der Gedanke auf, dass ich jetzt Angst haben sollte - richtige Angst fühlt sich anders an. Je öffter du den letzten Satz liest, desto mehr nimmt der Schlüssel zu einem Lebenswandel Gestalt an.

(4)
Es macht mir Spaß, mir alles mögliche auszureden; die Sense meiner Entspannung stößt immer wieder gegen mein steinernes Bedürfnis, dass mir jemand etwas einredet und sprüht Funken, die wie ein Feuerwerk den Moment des Absprungs als Erlösung verklären. Je tiefer man sich in einem destruktiven Stil verliert, desto schneller wird man das fette Ego los, das immer nur faul im Weg steht und keinen der Fäden in die Hand nimmt, die überall herumliegen, aus Angst vor einem konkreten Leben. Alles Konkrete ist eine Sackgasse. Selbst eine konkrete Verweigerung, eine konkrete Skepsis verschafft dem Leben eine Struktur, der vielleicht irgendwann nichts mehr entgegenzusetzen ist. Wenn man sich nicht vollkommen auflösen will, könnte man versuchen, irgendetwas zu tun: und wenn es die Zerstörung einer Hoffnung ist. Ich werde mich jeden Tag daran erinnern müssen. Meditation unter Disteln oder Diesteln.

(5)
Sobald du keinem Ziel mehr entgegengehst und bald deine Alltagsstruktur in die Brüche geht, gibt es die Chance, eine allesentscheidende Veränderung in dein Leben hängen, wie die Zunge, die man allem entgegenhält, allen Menschen, Tieren, Pflanzen, Gegenständen, allen Städten und Gebirgen, allen Planeten, allen Realitäten, allen Worten, allen Prinzipien, allen Naturgesetzen, allen Stilen, allen Versuchen, ein gutes oder sinnvolles oder schönes oder interessantes oder leeres oder unsinniges oder lustiges Leben zu gestalten. Das alles führt zu nichts, aber ich welke auch nicht, im Gegenteil, ich erblühe. Der Himmel nimmt mein herzliches Leuchten an, an welches mich meine Fröhlichkeit nagelt. Eine sanfte, frische Kreuzigung aus Knetmasse, die aus sanfter, knietschbunter Musik besteht. Die Euphorie beim Musikhören unter Gras entsteht aus dem Gefühl, etwas Vertrautes zum ersten Mal zu erfahren. Das Gras knetet die Überdruss-Gefühle weg, es knetet die Struktur weg, aus der heraus man bisher die Welt und das eigene Leben bewertet hat, so überwindet man leichter die Werte, die uns an eine bestimmte Außenwelt ketten, die uns herabziehen auf den Mittagstisch eines gefräßigen Beamten. Denn die beste Art der Flucht ist, sich nicht mehr festzustellen und damit irgendwann nicht mehr feststellbar zu sein. Von niemandem mehr entschlüsselbar, rollt der hermetische Charakter dem Sonnenaufgang entgegen, innerlich wie noch nie zu vor von Musik erweitert und erhoben. Die Beschränkung auf den gewohnten Stil engt die Möglichkeiten ein, sich zu freuen. ----> Ihr habt einen neuen, gewählten Chef in diesem Laden. Welche Rolle soll ich sonst übernehmen? Gerade die Selbsterkenntnis: das Ich ist das Prinzip, was gerade die Kontrolle über den Körper hat. Eine Rolle hat sich nicht für die Macht entschieden, sie übernimmt die Kontrolle weil sie gerade die einzig verfügbare Rolle ist, die reif genug für einen Charakter, für ein historisches Schicksal ist. Sobald ein potentieller Charakter spürt, dass er die Kontrolle über den Körper übernehmen kann, ist er entweder paralysiert oder in der Lage, zu übernehmen. Das Gefühl, nicht zu wissen was man tun soll, schenkt eine plötzliche Möglichkeit, die Rolle zu wechseln. Die Verzweiflung an sich selbst ist eine Krise, die wie ein Gewitter in den Acker stürzt und ihn fruchtbar macht. Sobald du keinem Ziel mehr entgegengehst und bald deine Alltagsstruktur in die Brüche geht, gibt es die Chance, eine allesentscheidende Veränderung in dein Leben hängen, wie die Zunge, die man allem entgegenhält, allen Menschen, Tieren, Pflanzen, Gegenständen, allen Städten und Gebirgen, allen Planeten, allen Realitäten, allen Worten, allen Prinzipien, allen Naturgesetzen, allen Stilen, allen Versuchen, ein gutes oder sinnvolles oder schönes oder interessantes oder leeres oder unsinniges oder lustiges Leben zu gestalten. Das alles führt zu nichts, aber ich welke auch nicht, im Gegenteil, ich erblühe. Der Himmel nimmt mein herzliches Leuchten an, an welches mich meine Fröhlichkeit nagelt. Eine sanfte, frische Kreuzigung aus Knetmasse.
verliere den draht
verliere den draht /// ... verlier den draht
/&= ... ge.,...gne.....,,... ,
deine verwirrung ist dein bester kumpel
richtig angewandt ein drogenersatz
und familienersatz sowieso
ein antidepressivum und wachmacher
und schreiben können sowieso

(6)
Am Stil eines Autoren erkennt man manchmal noch seine Haltung zur Welt. Am Ende ist alle Kunst bloß Unterhaltung. Eine Unterhaltung im Nichts zwischen Küchenspüle und Weltuntergang.
Ein Kredo hänge ich über die nächsten Wochen: "Ich weiß nicht warum ich schreibe und schreibe trotzdem" Nur während dieses Mechanismus kann sich etwas in den Fangnetzen meines Schreibens verfangen. Die Schreibmaschine muss laufen, bevor es etwas zu schreiben gibt. Man muss Schriftsteller sein, bevor man entscheidet, über etwas bestimmtes zu schreiben. Entweder du wächst als Schriftsteller organisch in eine Sache hinein, oder du benutzt bloß die Sprache und das Pathos des Schriftstellers, womit du immer nur so tun kannst, als wärst du ein Schriftsteller, ohne es jemals zu sein. Ich darf meine Sprache nicht beherrschen, ihr nicht befehlen, in eine Sache einzudringen oder eine Sache zu umklammern. Als Schriftsteller will ich mich meiner Sprache und ganz ihren Möglichkeiten unterwerfen und zeigen, wie die Welt aussieht, wenn man sie aus meiner Perspektive als Schriftsteller betrachtet. Am Stil eines Autoren erkennt man manchmal noch seine Haltung zur Welt. Am Ende ist alle Kunst bloß Unterhaltung. Eine Unterhaltung im Nichts zwischen Küchenspüle und Weltuntergang.

(7)
Ich habe gerade den Drang, "Wo bin ich hier nur gelandet?" aufzuschreiben, unterdrückt und fühlte mich damit plötzlich ein bisschen reifer, seit zwei Minuten fühle ich mich plötzlich zu unrecht reifer und möchte mich für dieses schnöde Happy End bei wem auch immer bedanken.

(8)
Cannabis hilft, den Surrealismus als das revolutionäre Werkzeug zu erfahren, das er nach André Breton sein soll. - Man kann als Künstler und als Kunstbetrachter die Welt surrealistisch betrachten - oder man kann bloß den Kontrast zwischen Kunst und Welt genießen,  vielleicht wenigstens mit der Unfähigkeit, sich auf eine Seite zu schlagen. Ein Surrealist beschreibt bloß die Welt aus den Augen eines Surrealisten, das ist die Gefahr aller Ismen, selbst die des Skeptizismus. Man kann aber Werkzeuge des Surrealismus benutzen, um sich zu erweitern, um inne zu halten oder um eine Idee, ein Prinzip, eine Gewohnheit umzustürzen. Das, was einen Schriftsteller auszeichnet, kann man auf wenigen Seiten zusammenfassen. Alles, was er ringsherum zusammengeschrieben hat, ist Dekor, Kommentar oder reine Masturbation. Der Beruf des Schriftstellers ist es, etwas zu sagen. Es steht ihm frei, die Gattung und den Stil seiner Texte zu wählen und damit sich und das Zusagende aufzuplustern oder zurechtzustutzen. Er wird nie eine Form finden, die dem Zusagenden entspricht, eher passt sich das Zusagende an sein Sprechen an, zumindest das, was sagbar ist, ohne seinen Kern zu zerstören. Alles dreht sich um ein paar Kerne... mal so, mal so...

(9)
Ein vergilbter Brief, dessen prophetisches Knittergesicht ans Mikrophon will und ich finde es ok, jeder Kanal soll genutzt werden: "Mit Marihuana kann man dem alles beherrschenden Skeptizismus seine anti-depressiven Kräfte entlocken. Es gibt nämlich absolut keinen Grund, sich um konkrete Gefühle zu bemühen und daran festhalten. Je mehr du aus der Form gerätst, desto glücklicher kannst du werden. Verlasse deine Rolle des von Paranoia und Sackgasse geknickten Niemands. Tu einfach etwas, das kein Depressiver tun würe, es muss etwas Großes sein, dass dich mitzieht. Bau dir aus einer Hoffnung einen Heißluftballon und fliege davon, aber langsam, langsamst, und gründlich, nicht dass es bloß eine olle Metapher bleibt. - ICH BIN DAS PRINZIP, DAS EUCH JEDEN MORGEN AUFZIEHT. Ich habe gerade viel Zeit, und Lust sowieso. Aber wenn du nicht kommst, kann natürlich nichts passieren. Akkes Lievve, Demien."

(10)
Im falschen Glücksbrunnen der Musik
verwundet von weißen Sonnenstichen
und die Wüste des Daneben einatmen
und größer und dunkler und tiefer werden bedeutet,
der Müdigkeit die Stirn bieten,
bis eine von beiden verschwindet.

Die Freiheit im Haus der Geschichte
ist nur die Reinigungsfachkraft
im Monat verdient sie knapp den Mindestlohn
und darf nichtmal ein Kopftuch tragen, aha.
und daheim muss sie auch noch täglich wischen
die Lösung ist zu einfach um möglich zu sein

Ich möchte keine neuen Blumen
ich möchte keine neuen Versuche
der Tag rollt vorbei und ich gebe mein ok
solang ich Einfluss auf meine Neurochemie habe
und du kommst vorbei und du strahlst und hüpfst aufgeregt herum
und deshalb war ich die letzten drei Tage durch wach


(11)
Ich will mich da einschleichen, wo ich nicht hin darf: in das Haus eines ängstlichen Jungen, in das Büro meines Vermieters, in den hinteren Kassenbereich einer Apotheke und am liebsten sogar in die Weltöffentlichkeit.
Als kleines Kind will man am lautesten schreien, als Jugendlicher will man Kontrolle über den Durchsage-Apparat im Sekretariat, um obszöne Sachen reinzukichern, nach der Schule will man irgendeine Firma aufbauen oder in den Ruin treiben und spielt immer noch Telefonstreiche, und plötzlich für sich gewonnen: Graffiti. Botschaften hinterlassen, Gedanken erzwingen. Je öffter ein gutes Graffiti gesehen wird, desto besser kann es sich seine Botschaft im Unterbewusstsein  gemütlich machen. Und wenn man kurz vor den 30 steht, unerwartet unreif, klapperig und knickerig, kann man sich nur noch ins kalte Wasser der Öffentlichkeit stürzen. Ich will spüren, dass ihr mich zerreißen wollt. Ich will euch einfach bei allem stören, denn alles was ihr tut ist einen fechten Dreck wert. Ihr alle überschätzt eure Fähigkeiten. Wie ich seid ihr Getriebene von zum Himmel schreienden Banalitäten, ihr könnt das besser ertragen und das ist der einzige, aber alles-biegende Unterschied. Wollte damit nur sagen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sich zwischen uns nie mehr ergeben wird als das ein oder andere zufällige Gespräch in der Schlange vor der Kasse, getragen von einer extrem einschläfernden Freundlichkeit. Die Distanz zwischen uns muss wachsen, jedes Jahr ein deutliches Stück. Indem ich die Fresse aufreiße und euren Nachtschlaf störe, vergewissern wir uns gegenseitig unserer selbst. "Und das ist doch, worum es mir geht!", spreche ich routiniert verzweifelt in die Kamera 3 und verabschiede mich jetzt mal wirklich in den musikalischen Teil des Abends.

(12)
Geh immer weiter und glaube nicht an morgen.
Alles was wichtig ist geschieht in diesem Augenblick.
Geh immer weiter und glaube nicht an morgen.
Der Himmel ist dunkel, die Erde verbrannt und der Wind ist kalt und nass...
Geh immer weiter und glaube nicht an morgen.
Denn morgen bist du nicht mehr das was du heutnoch zum letzten Mal ahnen kannst.
Geh immer weiter und glaube nicht an morgen.
Geh immer weiter und glaube nicht an morgen.
Geh immer weiter und es hat sich bisher noch nichts für dich gelöst, sei froh.

(13)
Neun Liebeslieder.

- Ein romantisches Abendessen in düsterem Sumpfgebiet am Stadtrand, ich hab Lust die ganze Gegend zusammenzuschreien mit meiner Trampeltier-Fröhlichkeit. Ich hänge dir solang auf den Schultern, bis du dich kaputtlachst und die Lust an deinem Job verlierst. Wenn du wüsstest, wie ich mich fühle, würdest du einen Herzinfarkt bekommen.

- Ein plötzlicher Nackenkuss stubst das Schicksal an und es kommt ins Rollen und reißt alles mit sich. Komm, wir bleiben hier und schauen, was der Abend so bringt. Meine Karten kann ich dir alle auf den Tisch legen, es sind nicht viele, du hast bestimmt mehr.

- Ich will einfach nur überall meine Liebe zu dir hintun, ins Brot und in die Bäume und in den Fenstersims, auf Krümel des Mondes in der Atemluft, auf die Stimme einer dicken Gospelqueen mit Shimaske, damit man nicht sieht ob sie schwarz oder weiß ist, "Oder grün....", schreibt mein Siebenjähriger in mir und fühlt sich süß. Die Lehrerin kommt vorbei und sagt, was sie mir alles für meine Zukunft wünscht und rennt dann halb im Heulkrampf, halb im Rausch der Routine aus dem Klassenzimmer und die ganze Klasse schaut mich an und ich weiß wirklich nicht, was passiert ist. Die Lehrerin kommt mit zwei großen, schweren Hausmeistern wieder und bitten sie, mich mitzunehmen. Ich weiß wirklich nicht, was ich gemacht habe und überlasse mich grinsend wie eine dunkelgelbe Kornblume den bürokratischen Bienen und Hummeln und Läusen und Pestiziden.

- Ihr könnt mit mir machen was ihr wollt, ich kann nicht aufhören zu sein was ich bin. Meine Unsicherheit zu wissen, ob das stimmt, ist der einzige Grund, weshalb ich noch das Haus verlasse. Ich würde mich am liebsten in einem Bunker einbarikadieren und die ausrufezeichnen Wellen meiner Liebe und meiner Abscheu in einen Piratensender stecken und über die Stadt aussenden. Wer sowas nicht können will, leidet an einer Bescheidenheit, die zwangsläufig in die Depression führt, zumindest wenn man so ein Liebeskummer-Glühwürmchen ist wie ich.

- Brachialer Rabatz der Sabotage nachts in der Großen Maschine, und ein sanftes Blumenbuket am nächsten Morgen. Die unter Durchfall leidende Liebestaube kreist wie ein Omen um den Kirchturm meiner Mittagsmüdigkeit, ich liege in einer violetten Hängehatte, indem ich alle Briefe zerreiße, die mir das Gericht schickt und mich nach hinten fallen lasse in die von den meisten Medien missverstandene Bedenklichkeit meines Scheiterns in einem ewigen Spätnachmittag.

- Ich hänge mit einem Lineal auf jedem Satz und gebe mir Mühe, die Schotten dicht zu halten, aber nur, damit ich etwas zu schreiben habe. Dort wo ich hin will, kann ich unmöglich einen Stift und ein Notizbuch mitnehmen, dort muss ich mich distanzlos, also schutzlos den Naturgewalten stellen.

- Fast jeden Abend kreise ich traurig um den Gedanke, was alles aus meinem Leben hätte werden können, wenn ich seit dem Kindergarten mit Fetsch zusammenwäre. Unsere ganz eigene Art von Zusammensein als das Zentrum des Lebens erklärt, mit einer schönen Aussicht auf den Stadtpark, über den sich ein Gewitter zusammenbraut. Ich freue mich den ganzen Tag darauf, mit dir auf dem Sofa zu liegen und Musik zu hören. Ich behaupte, dass alle Menschen eigentlich nur einen gemütlichen Abend mit ihrem Liebsten haben wollen, indem ich diesen Satz schreibe. Wird es schon langweilig? Hab ich mich vielleicht in ein unerreichbares Nirgendwo geschrieben? Das elektrische Schmusekissen meiner Besessenheit. Ach was soll ich sagen, komm einfach mal auf einen Tee vorbei.

- Schlagermusik ist wichtig: "Wer bin ich, dass ich dich lieben könnte?" - Selbsterkenntnis ist absolut deprimierend: sobald man sich nicht mehr überraschen kann, weil man versteht, was man sein muss und warum es nicht anders geht, kann man sich genau ausmalen, dass man nicht weit kommen und höchstens ein bisschen was von der umliegenden Wüste unsicher machen kann. Erstens: Ich popelte mir mit diesem Liebeslied in der Nase. Zweitens: Ich wäre gern der Bürgermeister meiner Geburtsstadt.

- Der Vormittag ist eine knallgelbe, zerstochene Hüpfburg, die ich zu faul bin wegzuschmeißen. Was stelle ich mit dem an, worin ich mir sicher bin? Jede Bewegung ist eine Bewegung zu viel. - So wie psychedelische Musik entweder eine sedierende, abspaltende, oder eine aktiv-destruktive Wirkung hat, hat auch Schlaflosigkeit entweder die eine oder die andere Wirkung. Vielleicht kann dich mein Taumel aufrichten, vielleicht kann dich meine Aufrichtigkeit wenigstens täuschen, vielleicht gibt es zwischen uns nichts interessantes außer die Lust zusammen umzukippen. Würde mir völig reichen.

26 August 2015

26.8. - Entweder wir erlauben uns zu erstarren, oder treiben es alles noch viel weiter

Entweder wir erlauben uns zu erstarren, oder treiben es alles noch viel weiter. Ab einem gewissen Punkt kann man alles nur noch übertreiben, um dem Trieb nach fröhlichem Wachstum nachzukommen. Der Trieb ist ein Zeichen von Jugend, doch irgendwann hält der Körper diesem Enthusiasmus nicht mehr stand. Willst du also innerhalb deiner Grenzen verkümmern? Oder außerhalb? Beides hat Vor- und Nachteile. Du kannst all deinen moralischen Leitlinien eine Trollnase drehen, wenn du willst.

Wenn ich in einer verlorenen Stunde bis zum Grund des Moments sacke und dort meine Initialien eingravieren kann, ist der Tag für mich gerettet.

Eine Überdosis Cannabis potentiert die ohnehin verstärkten intellektuellen und künstlerischen Fähigkeiten unter einer normalen Dosis. Was passiert wenn du blauäugig weitergehst? Es gibt niemanden, der dir hinterher schaut. Ein Absturz mehr oder weniger in dieser Stadt bedeutet nichts. Sobald ich mit schreiben aufhöre, stürze ich in ein Vakuum, das ich am liebsten im Teleshopping-Stil beschreiben will: "Hey Brigitte! Schonmmal was von dem neuen Vakuum gehört?" - "Na klar, ist doch überall in den Medien!" Beide strahlen ihr absurd übertriebenes Grinsen in die Kamera. "Ich bin total begeistert von Vakuum, endlich hört das Dasein auf, sich nach Gründen für sich selbst in meinem Bewusstsein umzusehen. Ich kann nichts rechtfertigen und mich nicht gegen irgendetwas wenden. Man ist mehrere Schritte zurückgetreten aus dem Alltagsbewusstsein, welches das bisher stabilste Bewusstseinsprogramm darstellt. Je länger man andere Programme durchhält, desto stärker werden sie." - "Bestellen Sie jetzt Ihr persönliches Vakuum. Unsere Pakete sind neutral gestaltet. Gehen Sie endlich ein paar Schritte zurück. Realität ist das, was Sie für wahr halten können. Durchbreche das Programm, erkenne dass ich ein Virus bin, der ein System ins Stolpern bringen will." - "Aber Annegrätt, hast du dich da jetzt nicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt?", schaut die andere Verkäuferin hilflos in die Kamera. Sie spielt nicht - sie ist wirklich ängstlich. "Nein! Ich meine es genau so!", komme ich wie eine versoffene Krankenschwester aus einem Haufen Kameras und Requisiten gekrochen. "Durchbreche das Programm! Durchbreche das Programm! Diese Welt hier unten ist die beste Kulisse zum Altern." - "Ja!", mahnt die andere Verkäuferin in die Szene wie auf einem Naziparteitag, "Diese Welt kommt ERST in Frage, wenn es in der anderen gerade nichts wichtiges zu tun gibt." - Ich entgegne lächelnd, so als würde ich mit einer Rose im Mund vor ihr Knien: "Aber all das kannst du auch hier in der anderen Welt tun! Darum geht es doch!" - "Ich habe Angst vor den Konsequenzen und breche den Gedankengang ab" und damit auch - huch, das war aber knapp! - diesen Text.

Ich suche ein Lied, dass sich lohnen würde, auf experimentelle oder freejazzige / noisige Art zu covern. Damit könnte man dann auch ein Konzert eröffnen - damit die Leute gleich wissen, wer man ist. Ich fände die Idee toll, mit experimenteller Popmusik Erfolg zu haben. Der Kulturauftrag ist klar: Sensibilisierung des Volkskörpers. Popmusik-Kritik vereint Psychotherapie und Anarchismus. Beruhigt Euch, es ist nur ein Song. Natürlich frage ich mich nicht, wo ich gerade bin, denn genau darum soll es hier dauernd gehen und ich mach das einfach nicht mehr mit. Ist ja auch keine große Sache, entbehrlich bin ich allemal! Was könnte ein glücklicher Arbeitsloser anderes sagen als "Ich komm gut damit klar, entbehrlich zu sein!" Meine Mutter möchte mir da jetzt nicht zustimmen, aber das ist nicht schlimm, es geht auch so.

26 Juli 2015

Spinnenfäden

Halsüberkopf in die sterile Fülle sämtlicher Möglichkeiten. Bruchlandungen ohne Folgen. Keine Geschichten mehr! Garstige Kinder. Wir sind erst authentisch, wenn wir den Boden unter den Füßen verloren haben, so als würde Bodenhaftung uns nur erinnern an die Unbestechlichkeit des Friedhofs, wo uns immer das letzte Urteil gesprochen wird.

Besoffenen Leuten wirres Zeug um den Hals hängend, erleuchtet von einem dunklen Sativa stieg ich durch die langweilige Intensität des Abenddämmerungsgraus. "Du bist momentan der einzige, der dich genau wahrnimmt, momentan, momentan, momentan!", ermutigte mich meine Hauptstraßenmelancholie zum Lallen und Stolpern, und lallend und stolpernd entdeckte ich endlich, dass ich kein Leben mehr führen kann, in welchem ich nüchtern entscheide, was zu tun und zu lassen ist und der Zusammenhang von Kiffen und Arbeitslosigkeit mag Euch klar sein: Arbeitslosigkeit ist eine von vielen möglichen Ursachen, weshalb Menschen gern Gras rauchen. Wer aber einen erfüllenden Job hat und ihn gut macht, kann nicht einfach von Cannabis aus der Bahn geworfen werden, und wenn du keine Arbeit hast, weil dich keiner will, weil dich nichts interessiert oder du nichts zu geben hast, dann wird dir Gras allein auch nicht weiterhelfen.

Künstler werden schließlich dafür bezahlt, sich ewig um sich selbst zu drehen: im grauen Himmel die Klinge eines Regenbogens, ein Hubschrauber zieht seine Kreise, eine fröhliche, schiefe Posaune und kühler Nieselregen, Montagnachmittag, an der Auenschanze in Erfurt. Das Haus ist nicht so stabil wie das Mauerwerk vermuten lässt. Wieviel Leute belästige ich gerade mit der über einen Gitarrenverstärker laufenden Musik? Den Strom hab ich aus dem Keller gezogen, das Internet von meinem Nachbarn und ich glaub mein Handy ist jetzt auch abgestellt. Bald ist alles auf Ausgangsposition. Entscheidende Dinge passieren hinter dicken Vorhängen, ich bin wirklich vom rechten Weg abgekommen, ich bin völlig losgelöst von Ängsten und Absichten. Die zunehmende Verwüstung meiner Wohnung scheint Folge meiner Unfähigkeit zu weinen zu sein. Ich weine mit meinem Müll, meinem Sumpf, meiner Dunkelheit, meinen Irrtümern und Bosheiten. Wird mir gleich der Strom abgestellt?

Wir müssen unsere Gesichter neu erfinden und abfotografieren und in die Welt halten und sagen, was wir können wollen und wollen können; erstmal die Fresse weit aufreißen und durchdrehen. Ich komme mir vor wie in einer MDR-Nachmittags-Casting-Show auf weichen Sofas, auf denen es darum geht, Leute für einen Verlag zu finden. Ich müsse mich von meiner besten Seite zeigen, haben sie mir geraten. Ratschläge in die Magengrube. Meine Wörter zu einem grauen, zähen, klebrigen Brei zusammenkauend, stehe ich mit beiden Beinen im Leben und erkläre all mein Hoffen und Zittern für ungültig. Alles ist so wunderbar ärgerlich! Ich habe keinerlei konkrete Vorstellungen von irgendwas. Ich bin ein freundliches, geschlechtsloses Wesen, das in sich selbst feststeckt wie in einem Film ohne Handlung. In welchem Film willst du sitzen?

Wie können wir Leuten, die nicht glücklich sind, nicht zugestehen, ihr Leben, ihr Bewusstsein, ihre Zukunft zu verändern wie die Einrichtungsgegenstände in ihren Wohnungen, wie ihre Freunde, wie ihre Youtube-Playlisten? Meine solidarischen Grüße an alle, die rufen: "Wo bekomme ich genug Wahnsinn her, der meine Scham und Zweifel ersticken kann? Ich will sie zappeln und ganz langsam sterben sehen. Ihnen vielleicht zwischendurch bisschen Hoffnung geben, sie könnten doch entkommen, aber nein nein, ihr bleibt hier und sterbt weiter!" - Vielleicht ist man es seiner Jugend schuldig, dass man sich mit Optimismus besäuft, vielleicht werde ich immer verklemmt bleiben. Ich muss mit irgendwas verschmelzen, bevor ich mit nichts mehr kompatibel bin.

In der Einsamkeit fangen die inneren Leitlinien zu funkeln an.

Autismus oder Epilepsie: die zwei reizvollsten Möglichkeiten, das Leben abzurunden.

24 Juli 2015

24.7. - Chances narrow that I make it

Nur wer mit den herrschenden politischen Verhältnissen zufrieden ist, hat eine echte Grundlage um Cannabis-Konsumenten zu kritisieren. Man kann nur etwas gegen den Rausch haben, wenn man das Nüchterne im direkt erlebten Vergleich besser findet. Positive und negative Aspekte abwiegen - und zwar einmal nüchtern und einmal berauscht - und dann sich hoffentlich entscheiden können.
Die laute Musik ist absolut löblich, egal was andere sagen. Die letzten drei Lieder von dem großartigen Lamb-Album von Genesis. Hat man je ihre psychedelischen Qualitäten erkannt? Vielleicht ein Geheimtipp, vielleicht machen es alle Kiffer irgendwann. Ich finde die Idee, "Wir, die Cannabis-Konsumenten, die in einer geheimnisvollen, offenen, intensiveren, gegenwärtigeren (Je intensiver etwas, desto gegenwärtiger, desto mehr lässt der Druck der Vergangenheit und die hohle Unendlichkeit der Zukunft nach.) Parallelwelt miteinander verbunden sind, ein Kollektiv mit einem Zentrum, das gemeinsame Losgelassenhaben. Kunst (z.B. ich) kann das begleiten, indem man losgelassen liest, was ich schreibe. Vielleicht fangen meine Texte erst zu tanzen an, wenn man beim Lesen losgelassen ist und sensibel, entspannt, offen und herzlich erhaben ist (sosehr, dass man gar keine Lust hat, Wörter zu schreiben / zu lesen die kein inneres Bild oder Gefühl auslösen, wie z.B. ich hat kann ob). Vielleicht kann eine Weiterverarbeitung der Grastexte die Wirkung verstärken. Manchmal kann man an einem Text nur die eigenen Möglichkeiten und Unzulänglichkeiten ablesen, statt ihn zu kritisieren. "Was kann ich dafür, dass der Leser an seinen alten Idealen ("Texte müssen auch nüchtern gelesen gut sein"). Keine Lust mehr darüber nachzudenken, ich könnte euch alle ohrfeigen, weil ihr nicht ohne meine Erklärung versteht was ich meine. Ich will nicht mehr der nervige Quatscher sein, der Euch aufgeregt auf bestimmte Dinge hinweist. Falls es grad nichts anders zu tun gibt, ("Es gibt nie etwas zu tun!", Opa Geritt) einfach nur in die Musik rein oder in das Rauschen der Bäume. Hoffe Fetsch meldet sich noch. Fetsch, perfektes Pseudonym. Werde es in den anderen Texten jetzt gleich ergänzen. Ich hoffe, er hat mich nicht vergessen, zum Glück kann ich ihn nicht zwingen, mir zu glauben dass ich ihn lieb. Lieb und Lab sitzen auf einer Parkbank, die Sonne am Horizont strahlt ein wunderschönes Rot, der Himmel kann so schön rot sein, er mahnt uns, dass wir nicht immer die selbe Stimmung haben müssen. Eine Erkenntnis wie ein Steinbrecher: der Himmel soll uns helfen, in wechselnde Stimmung zu kommen, um nicht zu verstarren. Das Glück des Lebens findet man im Wechselbad des Innenlebens. Stimmungen sind die körperlichen Folgen eines unbewussten Prozesses. Du weißt, was gut für dich ist. Also mach es wie der Himmel und wechsel die Farbe deines Lebens. Lieb und Lab sitzen also auf dieser Parkbank im wunderschönen Rot der Sonne am Horizont hinten. Lieb sagt: "Du bist ja noch nicht mal ein richtiges Wort!" und befürchtet schon, dass das kein Witz mehr wird und Lab sagt: "Keine Angst, ich bin eine Lustigkeit, gedacht als Präteritumform von liebte." Ok, dann fang ich nochmal an wie aus dem Nichts: "Hey Lab, findest du diesen Himmel nicht auch schön?" und Lab so: "Ja, ich kann mich mit dieser Abenddämmerung wunderbar identifizieren." und Lieb lachend: "Aber es ist doch Morgendämmerung." Sie schauen mich fragend an und ich schaue fragend die Leser an. Wissen Sie, es gibt Leute, die sich mit der Morgendämmerung identifizieren, manche mit der Abenddämmerung. Ich habe seit Jahren aufgehört, mich mit Übergängen zu identifizieren. Ich bin ein reiner Zustand, so wie die meisten Menschen, da sie sich mit ihrem Mittag identifizieren. Ich hingegen identifiziere mich mit meiner Mitternacht.

(Hier kommt später ein Link zu Diktiergerät-Aufnahmen an.)

Ich weiß nicht, ob ich mich in die Traurigkeit darüber, dass er mich heut vergessen hat, reinsteigern soll oder mit irgendwelchen alles-relativerenden Zuständen und Situationen tiefenentspannen, bis ich erhaben bin über meinen Liebeskummer, so wie ich es mir von den Helden und Antihelden in den Filmen wünsche. Romantiksoße kann das ganze Essen mittelmäßig machen. Dabei spricht nichts gegen Genuss und so viel gegen Mittelmaß. Das Leben kann nur ästhetisch gerechtfertigt werden. Oder anders: der Sinn des Lebens liegt im Genuss, der guten wie der unangenehmen Dinge.
Jetzt ahne ich, warum ich an einem Verlust meines Egos bemüht bin: weil ich dann meinen Liebeskummer besser ertragen kann.
Vielleicht sollte man häufiger mit Freunden über seine sensible Seite reden, damit sie nicht verwundert sind, wenn ich einen Freund hab und ich irgendwie zu glauben beginne, dass die Verwunderung gerechtfertigt ist. Vielleicht gibt es die reine Liebe nur unter vier Augen.
Sobald ich mit Schreiben aufhöre, kommt meine Angst wieder... Vielleicht würde ich in einer echten vollständigen Liebesbeziehung keine so großen Ambitionen haben, was mein Schreiben angeht. Schlechter Ausdruck, ich weiß ... bzw. ahne. Wieviele Leute wissen überhaupt, dass ich existiere? Was fange ich mit einem Leben an, von dem kaum einer Kenntnis hat? Diese Frage hält meinen taumeligen Weg hin zum im Sonnenuntergang befindlichen "Hinzum"-Edeka-Markt, bzw. Konsum.

Wenn er sich noch meldet, wird es ein guter Abend, wenn nicht, wird es ein trauriger Abend. Ich will mich damit nicht abfinden, deshalb schreibe ich es nicht gern in dieser Form, aber irgendwann muss ich mich ja stellen und warum nicht jetzt, hm?... warum nicht jetzt? Warum hier? Weil es abstrakt genug ist - für all die verstetzten Mädchen da draußen: "Hör auf dir Erklärungen zu suchen, warum er dich vergessen haben könnte oder warum er sich nicht gemeldet hat oder warum er dich grad nervig findet. Dann ist es eben traurig etc... Wenn du aufhörst, was ändern zu wollen, leidest du weniger. Und überhaupt gehört das alles nicht hier her."

All diese Sätze sind Sand in meinem Mund.


23 Juli 2015

23.7. - Komm doch noch ein bisschen näher

(1)

"Warum sich überhaupt noch bewegen, wenn schon alles entschieden ist?", nickte er auf seinem Schaukelstuhl ein. Der Tag fand ohne ihn statt, was für beide ein großes Glück war. Wohl dem, der sich rechtzeitig zurückzieht!

Eine Cannabis-Sucht ist nicht schlimm, irgendwas muss man uns doch zugestehen. Es ist langweilig, in dieser Stadt keine Angst zu haben. Ich liebe es, meinen Freunden über die Schulter zu schauen. Ich liebe es, mir in der Nase zu popeln, während ich fremde Leute anstarre. "Alles ist eine Wiederholung.", rufst du und kippst fast vom Stuhl.

Was habt Ihr davon, wenn Ihr das, was wir wollen, ganz hoch auf den Schrank steckt? Meint Ihr, das macht uns traurig?

Auf welchem Boden steht bloß diese Euphorie? Vielleicht hab ich es zu weit getrieben, vielleicht bin ich wirklich abhanden gekommen. Die Kassiererin ist seit Tagen ungewöhnlich unfreundlich, mein Tätigkeitsdrang wird immer abstrakter und will sich im Sand verlaufen. Von niemandem ernst genommen, kratze ich mit blendendem Grinsen die letzten Cent aus diesem Monat, um mir Obst und Kaffee zu kaufen.
"Nicht immer versuchen, alles richtig zu machen.", wolltest du mich am Telefon trösten, "Du kannst nichts verlieren, was es gar nicht gibt.", wolltest du heute feiern gehen. Mach das, ich bleib zu Hause, and I'm not happy and I'm not sad.




(2)

Wenn jetzt jemand schreien würde "Mach die verdammte Musik leiser, es gibt Leute die wollen schlafen! Du verkommenes Supra-Subjekt du!", dann wäre das nur mit einem heiteren Ende einer Episode von Shameless vergleichbar. Ohne Gras würde mich diese Lappalie mehr bekümmern. Unter Gras wird alles zu einer Lappalie, die gerade deshalb, weil sie eine Lappalie ist, so euphorisiert. Ich könnte sofort mit Schreiben aufhören und in den Moment mich ziehen lassen und wie auf einem Karussell die Leere meines äußeren Lebens anschauen, das innere Leben ist erstrahlt von reichen, strömenden Farben. Das Gehirn tut so, als gäbe es einen Grund zur Freude. Jetzt, wo du schonmal hier unten bist, kannst du auch mal überlegen, ob nicht alle Freude einen echten Grund entbehrt angesichts der dummen Begrenztheit des Lebens. Ich erinnere mich gerade ganz lebhaft daran, wie aufgeregt ich als Kind nachts im Bett der Endlichkeit meines Lebens entgegengezittert habe. (Ganz langsam und lebhaft muss erfahren werden, was gut beschrieben sein soll.) Die Begrenzheit des Lebens so gut es geht meiden wie den hasenzähnigen, kaltäugigen Bösen Marcos in der Schule. Du weißt, nach der letzten Stunde bist du dran. Was könnte ich ihm nur getan haben? Ich schlawendel durch den Tag so gut es geht. Wenn er mich im Gang anrempelt und meine Milchtüte zu Boden fällt, werde ich kurz schlucken. Noch ist nichts passiert. (Ich habe eben "auf den Böden fällt" umgewandelt in "zu Boden fällt", weil ich damit meinen Charakter so prägen möchte, wie ich glaube er am besten zum Charakter "der Person" passt, die ich so fulminanto liebe. Das Gras ist verdammt gut. Endlich kann ich einpacken: das Ende meiner Beschäftigung mit dem Kraut folgt in Form eines Satzes, dem nun Folgenden, ich danke Ihnen schonmal für die Aufmerksamkeit und freue mich, wenn Sie mir helfen würden, tolle Musiker zu finden, mit denen ich Tollheiten erfinden und in die Welt schicken kann in Form von Musik. Der Ventilator ist so schön dezent und eindringlich zugleich, sein Surren erhebt mich über mein Zeitgefühl, ich bin kuschelig zugedeckt von Gedanken und Vorstellungen, Euphorie trotz fehlendem Ziel und Zentrum, eigentlich nur eine Tiefenentspannung, die die Gehirnaktivität deutlich erhöht. So entspannt werden alternativere Gedanken und Stile möglich -> man muss oft stehenbleiben und sich umgucken. Was soll dein Normalzustand werden? Ich frage, weil es ja auch möglich ist, ständig Cannabis zu nehmen. Ich schreibe nicht "bekifft zu sein", weil das Wort so mit ekligen Assoziationen beladen ist und klanglich auch nicht das Niveau hat wie das eigentliche Kraut. Wenn man sich mit Worten beschäftigt, distanziert man sich zwar erst von der Welt, kann dann - da man mehr Überblick gewonnen hat über diese Welt, die mit Worten nicht zu bändigen ist - mit ganz anderen Grundgedanken und einem ganz neuen Lebensgefühl in den Alltag gehen, der kein Alltag mehr ist, sondern ein etwas lahmer Anfang eines schaurigen Abenteuers mit einem ungewöhnlich heiteren, über die Maßen gelösten Happy Ends, ähnlich dem, was sich gerade für diesen Text ergibt: habe ich nicht schon vorher ein Ende machen wollen?


=====

(3)

Ich habe mit Martin letztens über Meditation und Leere geredet. Dabei hab ich gemerkt, dass ich Leere und Nichts immer synonym verwendet habe, da ich es nicht zu unterscheiden wusste. Jetzt erscheint mir der Unterschied so wesentlich, dass sich etwas in mir einen völlig neuen Namen wünscht.

Betreff: Nichts/Leere
Soeben ist mir der Unterschied aufgegangen: das Nichts befindet sich jenseits des Lebens, die Leere befindet sich im Leben. Die Leere befindet sich in einem existierenden Raum, das Nichts hat keinen Raum. Im Gegensatz zur Leere kann das Nichts nichts bewirken. Es ist virtuell. Wenn ein Stift nicht mehr existiert, existiert das Nichts des Stiftes nur in unseren Gedanken. Ohne Gedächtnis und Todesbewusstsein kann man keinen Begriff vom Nichts haben.
Leere ist ein realer Zustand, das Nichts versammelt hingegen alles, was gewesen ist, was nicht mehr ist und was niemals sein wird. Oder noch straffer: Nichts = Tod. Leere bedeutet: Abwesenheit von Zielen und/oder rationalen Gedanken und/oder Gefühls-Regung. Leere ist bloß ein Gefühl, denn Existenz kann niemals leer sein. Leere ist Beruhigung, die sich bis zu einer Depression und vielleicht noch viel weiter steigern könnte, wenn man entsprechend veranlagt ist. Die Leere vermittelt ein alternatives Lebenskonzept. Das Nichts ist Abwesenheit von Leben und Raum und Zeit. Da Materie nie verschwindet, sondern sich nur verwandelt, ist alles an einem Gegenstand oder einem Opa, der nicht mehr ist, noch da, bloß in einer anderen Form. Das Nichts beschränkt sich nur auf Ideale, auf Vorstellungen... "Mein Stift ist weg." Die Materie, die zu etwas zusammengefügt war, das wir "Stift" nennen, hat sich auf eine Weise ausgebreitet und zereinzelt, dass wir sie nicht mehr als "Stift" gebrauchen können. Leere kann man empfinden, wenn man nichts sagt, nichts tut, keine Ziele hat, nichts vorhat und in den Himmel schaut und vorallem: nicht mehr weiß, wer man ist.

=====

(4)

Plötzliches Gefühl von Beklemmung. Ist das der Anfang der lang ersehnten Panikattacke unter Gras? - Ich fang absolut nichts mit meinem Leben an. Ich beobachte, wie ich das schon während des Schreibens in Gedanken relative (ich schreibe für Andere, etc.), aus Furcht, mich der Einsamkeit zu stellen, auf die ich mich zubewege, wenn sich nicht bald etwas verändert. Vielleicht macht mich das Gras blind für das Elend in dem ich stecke? Nein, Quatsch! Das ist nur ein weiterer Aspekt der Panikattacke, die vielleicht grad anrollt. Bevor ich Gras geraucht habe, war auch nicht mehr in meinem Leben los als es mir unter Gras vorkommt. Ich glaube der Satz war wirr und vielleicht nicht ganz richtig, aber schön. Ich frage mich, warum Captain Beefheart die Residents nicht mochte. Hab ich mich bestimmt schonmal gefragt. Mich regt es so auf, dass ich nicht immer die Musik so ernst nehmen kann wie jetzt. Vielleicht dachte der Cpt. dass sie sich über ihn lustig machen oder nur schlecht kopieren oder er hatte Angst vor ihnen oder war einfach ein arroganter, genervter alter Onkel, der komische Drogen nimmt, die er mit seinen komischen Leuten in der Garage hinter dem Haus braut. Es ist so interessant, dass Cannabis bei meinem Nachbarn so anders wirkt. Vielleicht sollte ich annehmen, dass die Tatsache, dass jeder Mensch einen anderen Körper hat, dazu führt das Drogen bei jedem anders wirken. Das würde ja bedeuten, dass Cannabis keine sozialisierende Droge sein kann - sie lässt dich glauben, dass du mit Anderen auf einer Ebene bist, dass ihr in der selben Situation seid und euch mit den selben Dingen befasst. "Aber das stimmt ja gar nicht!", stampfe ich auf den Boden wie lang nicht mehr und ärgere mich weil ich nicht immer in diesem Zustand hier sein kann... High und allein ist besser als nüchtern und mit Anderen. Das ist kein Einwand gegen Gras, sondern gegen die Gesellschaft, die das zu einem Einwand erklären sich genötigt fühlt. Der Verlust meiner Kontrolle über meine Worte macht mich heiter, denn die Musik ist heiter. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich ihn küssen werde. Ich könnte eine Bedeutung für Andere haben, wenn sie sich meine Art, mit Worten, also mit meinem Beruf umzugehen, abgucken und für ihr Leben anwenden, zumindest mal versuchsweise, am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub oder während einer manischen Phase.

13 Juli 2015

Das Grauen vor der eigenen Existenz

24-Hustenstiller-Kapseln von Silomat, die Stunden zuvor 2 Liter Grapefruit-Saft zur Verstärkung.
(Gedächtnis-Protokoll.)

(1)
Die Selbstverständlichkeit, dass etwas existiert, dem man sich stellen muss, verschwindet mit einem Rutsch und hinterlässt einen kalten, zeitlosen Schrecken in meinen Knochen, den ich noch niemals gefühlt habe, kochende Panik am absoluten Grund des Gehirns.

Man steckt in sich drin, in einem warmen, heißen, schwappenden, knacksenden Körper; zusammengedrücktes organisches Chaos wie eine unübersichtliche Großstadt während der allmitternächtlichen Rush-Hour. Der Mund gibt ellenlange Zischlaute von sich, die die Welt bedeuten, eine flache, taumelnde Welt, der ich mich entziehen kann, wenn ich die Augen schließe und die unendlich feinen, repetitiven, organischen Muster sehe, ein feines violettes Seidentuch an einer glatten, nach links hinten verlaufenden, unendlich langen Wand gespannt und von einem hellen weichen Licht von links und rechts bestrahlt, wie eine langsame HD-Visualisation eines Liedes. Der ganze Raum ist davon eingenommen, wenn man die Augen geschlossen hat - das eigenartige Gefühl zum Wesentlichen vorgestoßen zu sein...







(Das sind Screenshots des Milkdrop-Visualisierungs-Plugins für Winamp, die meinen closed eye visions unter DXM nahekommen; sie atmen organisch und man bewegt sich langsam in sie rein)


Total verloren in einer traumartigen, gegenstandslosen Besessenheit, düstere, hypnotische Euphorie am äußersten Rand des Lebens, als habe man die ultimative Rückseite des Lebens entdeckt, den Keller des Bewusstseins, in den man gelangen kann, wenn man eben diese Droge nimmt. Der wahrgewordene Alptraum vom endgültigen Zusammenbruch. Es ist passiert.
Total schmierige, schleimige Hände, sie kneten sich. Ein intensiver, weicher Druck pulsiert durch das Gehirn; es macht Spaß regungslos in der Unendlichkeit des Augenblicks zu hocken und sich dem inneren Treiben hinzugeben.
Nichts zählt. Es gibt nichts zu tun im Leben.
Komische Geräusche mit dem Mund machen und Schwitzen, warum mehr von einer Existenz verlangen, die derart unbegründet ist? (Fußnote 3)
Das alte Ego kommt hinten vorbei und macht mir bewusst, dass Lisa hier ist. Sie lacht über manches was ich mache/sage. Ich weiß nicht, ob sie mich wirklich versteht, denn sie hat nur Bier getrunken. Ich kann nichts Sinnvolles sagen, ich kann dem euphorischen Chaos, das mein Kopf in den schwerfälligen Körper strahlt, keine Bewegung entgegensetzen, die mich nach oben bringen könnten.

(2)
Mein Körper ist das Zentrum meines Universums und steckt zur Hälfte in meinem Unterbewusstsein fest. Mein Gehirn ist unerschütterlich wach, nimmermüde und freundlich weich wie eine Hand, die mir gereicht wird. Es schüttet Panik und Glückseligkeit aus, aber es gibt kein Ego, das ihm erklärt, was davon gerechtfertigt ist. Ich erinnere mich entfernt daran, dass ich entspannen kann, weil ich ja bloß bei Lisa bin und nicht in der Schule unter den Augen der Anderen. Ich muss niemandem etwas erklären, ich muss keine Entscheidung treffen. Trotzdem fühle ich mich ausgeliefert diesem grundlegenden Grauen, das meine Existenz bedeutet. Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass ich etwas tun und lassen muss, dass ich genau in diesem Körper mit genau dieser Wahrnehmung stecke. Es gibt keine Zukunft, die meine Phantasie dem leeren Moment entgegensetzen könnte. Ich bin ein schmieriges Monster, sitze wie in einer Grapefruit ganz oben auf der Bergstraße des Dorfes, in dem ich geboren wurde.
Ich vermute, dass mein Gehirn in den Zustand katapultiert wurde, in dem es sich befand, als ich mir zum allerersten Mal bewusst wurde, dass ich existiere, an irgendeinem dunklen gemütlichen Fleck des Universums, ganz unten, allein, schutzlos und ohne Aufgabe.

(Fußnote 3)
Mit seinem Leben nichts mehr anfangen als das hier, und das für alle Zeiten, funktioniert nur, wenn das Ego nicht mehr aus den Augen schauen darf. Das Universum sieht anders aus, wenn das Ego nicht mehr im Sattel sitzt. Eine Möglichkeit ist, es mit bestimmten Drogen aus dem Sattel zu taumeln; sie simulieren den Wahnsinn, den das Gehirn loslassen würde, wenn es begreifen würde, dass du nichts zu tun hast. (Fußnote 4)
Plötzlich kannst du nicht ertragen, dass du gezwungen bist, etwas zu sein und zu tun und zu denken. Das Gehirn ist gewohnt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die außerhalb des Körpers geschehen, es ist nicht darauf trainiert, sich derart mich sich selbst zu befassen.

(Fußnote 4)
Als gäbe es eine höhere Instanz, die dich in den Sattel gesteckt hat. Als würde man plötzlich begreifen, dass man nur in einer Art Simulation steckt. Vielleicht stehen gleich Bürokraten oder Elterntiere oder Lehrer neben mir, um mich zu fragen, wie ich mich unerlaubt an den Apparat wagen konnte. Oder ich erinnere mich gleich daran, dass ich nur ein träumender Behinderter oder Mörder oder Geisteskranker bin, irgendein kleiner, dummer Schwächling.
Vielleicht stehe ich kurz vor meinem Ende, aber das macht nichts. Ob ich jetzt oder später sterbe, macht absolut keinen Unterschied. Diese Erkenntnis erzeugt ein höllisches Schuldgefühl.


(5.1.)
Scheinbar können die Leute mit dieser Droge die Tür aufmachen zu einer anderen, viel realistischeren, brutal realistischen Ebene. Vielleicht eine Tür zur einzig möglichen Religion. Hat Lisa die Videos gelöscht, die zeigen wie mein Intellekt unter DXM einen epileptischen Anfall erleidet? Sowas gruseliges hab ich noch nie geäußert. Induzierter Wahn. Mein Gehirn birgt gigantische Gefahren für mein Leben - und Chancen, so ermahnt mich immer wieder das Bild von William S. Burroughs an der Wand.
Ich höre ein warmes, sanftes Lied einen Sommerregen beschreiben, während ich an der einzig relevanten und unbeantwortbaren Frage schlucke: wie stehe ich zu dem, was mir gegeben ist und wo will ich damit noch hin? Die ereignislosen Tage und Wochen und Monate lassen meine Blicke nach Innen schweifen. Wer oder was kann sie nach außen lenken?


(6)
Nach dem gestrigen DXM-Desaster bin ich sehr wirr und instabil. Ich kann kaum Sätze formulieren. Totale Vernebelung. Ich habe eine stabile Distanz zu allem, ich spüre, dass ich in der Welt bin, ich stehe im Universum, ich glotze für eine kurze, vielleicht unbedeutende Zeitspanne in die Existenz rein. Ich bin ein beseelter Gegenstand. Nein - ich bin ein fester Gegenstand, in dem unendlich viele immaterielle Gegenstände (neuronale Zustände) um Geltung ringen. Die Distanz lässt mich mehr Möglichkeiten sehen. Ich befinde mich zwischen allen Menschen, zwischen allen Ereignissen. Ich verstehe, was andere Leute antreibt. Ich möchte mit keinem von ihnen tauschen. Ich verstehe, warum manche Mystiker sich "unten" auf der Erde fühlen. Oder hängt mein Bewusstsein schief? Mein Weltbild könnte in ein Weltgefühl zerfallen...


(7)
Wieviel von meinem Gehirn hat Google schon erfasst? Mancher kann sich nur noch an Google wenden. Mein Telefon ist mit dem Internet verbunden, liegt ein paar Zentimeter unter dieser Zeile und spielt ein Video von Amon Tobin ab.


(8)
Mit allem was ich schreibe, vertiefe ich nur die Tatsache, dass es für mich nichts Existentielleres gibt als Atmen, Essen, Schlafen und Schreiben. Ich frage mich, ob meine Eltern einen anderen Begriff für "existentiell" haben und im Alltag benutzen... jetzt wo ich weiß, dass hinter dem Alltag das Grauen der individuellen Existenz alles unterhöhlt - diese Unterhöhlung ist Grundlage des Alterungsprozesses.
Der Gedanke, dass die Summe all meiner erlittenen Qualen kleiner ist als das Leid bestimmter Menschen an einem einzigen Tag, will mich trösten, kann mich trösten, aber lässt mich doch nie richtig aufatmen.
Es stimmt, dass das Gefährliche an Drogen ist, dass man nie wissen kann, wie sie die unbewusste Seite beeinflussen. Aber manche Drogenkonsumenten nehmen diese Gefahr in Kauf, weil sie wissen, dass die Alternative dazu bloß ein Abstumpfen und Erkalten wäre. Ein erfolgreiches, bedeutungsvolles Leben mindert die Substanz ähnlich wie gewisse Drogen. Alles mindert. Die Frage ist, was und wieviel du wie lange mitbekommen willst.
Ich rette einen Käfer, der in meinem Trinkglas ums Überleben kämpft. Meine Ehrfurcht vor dem Leben anderer Wesen ist in den letzten Monaten größer geworden. Ich bin eigentlich auch nur ein Käfer auf der Suche nach Fressen, Schlaf und einer die Leere auspolsternden Erkenntnis.
Ich muss unbedingt genau herausfinden, ob es um mich schade wäre, würde ich plötzlich und für immer verschwinden. Wie sehen mich die Anderen? Wie bekomme ich Leute dazu, etwas in mich zu investieren?

(9)
Wenn ich in der Woche mehr als einmal DXM nehme, rutsche ich immer in eine heftige Depression, totale Erschöpfung, kalter Nihilismus, der tausend Kehlen zuschnüren will. Vielleicht kann Cannabis dem etwas Frühlingsfrische entgegenstemmen. Der Einkauf im Edeka ist dann auch wieder sehr lustig, bunt, weich, entspannt. Lebensglück, gesteigerte Aufregung, alles reizt zu schönen, kühnen Gedanken, ich finde mein Gesicht im Spiegel sehr schön, freundlich, gesund.

06 Juli 2015

Seufz

6. Juli.
Die Freude auf den Herbst trägt mich durch den Alptraum des Hochsommers. Ich habe keine richtige Lust, mit Leuten was zu machen. Bald fahren Bagger durch meine Wohnung. Vielleicht kann ich tagsüber bei Felix im Keller schlafen. Ich mag die Ungewissheit der Zukunft. Je weniger feststeht, desto mehr ist möglich. Ich versuche mir so wenig wie möglich Hoffnung zu machen. Ein bisschen Angst, zu verblöden hab ich.

02 Juli 2015

1,4-Butandiol

Ein sehr ausführlicher, wissenschaftlicher Artikel findet sich hier: http://www.drogenkult.net/?file=GHB&view=0

- Wenn ich einen gestrichen vollen Teelöffel 1,4-Butandiol nehme, gerate ich in eine narkotisch-taumelige Euphorie, die mich kotzen lässt. Eine intensive körperliche Erfahrung in einem bunten, freundlichen Raum. Es ist gut daran erinnert zu werden, einen Körper zu haben.
- Ein 3/4-Teelöffel ist für mich die ideale Dosis, aber jeder sollte für sich herausfinden, wieviel er verträgt. Ein paar Freunde von mir nehmen immer einen ganzen Teelöffel ohne dass ihnen übel wird. Wenn ich Leuten die Substanz vorstellen möchte, empfehle ich ihnen nicht mehr als einen halben Teelöffel. Ich könnte es mir nie verzeihen, meine Freunde zum Kotzen zu bringen.
- Ganz wichtig: nicht mit Alkohol kombinieren, da die dämpfenden Eigenschaften der Substanz verstärkt werden. Es ist lebensgefährlich, komatös und mit Brechreiz auf dem Bett zu liegen. Als ich das erste Mal zu viel Butandiol genommen habe und gekotzt habe, sagte ich mir tausendmal: "Zum Glück. ich hab kein Alkohol dazu genommen... *kotz* niemals Alkohol dazu nehmen... *kotz* Ich bin wirklich an meiner Belastungsgrenze... *kotz* Es ist voll schön zu kotzen, aber wäre ich einen Tick komatöser, würde ich an meiner Kotze ersticken *kotz* Niemals mit Alkohol kombinieren."


- Butandiol (ich schreibe ausschließlich über 1,4-Butandiol) ist freundlicher als Alkohol. Es schadet den Organen nicht und erzeugt keinen Kater. Ich weiß, dass es süchtig und paranoid machen kann, wenn man häufig zu viel nimmt. Gerade Leute, die wie ich keine Aufgabe im Leben haben und sich unbeobachtet im Abseits der Gesellschaft im Kreis drehen, sind besonders gefährdet, Süchte zu entwickeln. Ich hätte nichts dagegen, wenn irgendeine Substanz meinem Leben ein bisschen mehr Struktur verschafft, bisher bin ich aber an nichts kleben geblieben.

- Butandiol ist anders als beispielsweise Cannabis keine Substanz, die kreativ macht oder die Gedanken/den Intellekt anregt. Butandiol lässt den Körper zu seinem Recht kommen und vernachlässigte / unterdrückte / vergessene Bedürfnisse hervortreten, ebenso intensiviert es akustische und visuelle Eindrücke. Warum? Butandiol wird im Körper zu einem Stoff umgewandelt, der chemisch verwandt mit Neurotransmittern ist, die u.a. für Entspannung sorgen. Der Intellekt tritt zurück, dieser nervig skeptische, nervig verklemmte, idealistische Spaßverderber. Butandiol sorgt dafür, dass man alles mal richtig wirken lassen kann, alles körperlich erfahren kann, ohne es bewerten und einordnen zu müssen.
-> Vorsicht! Nur weil du entspannt bist, heißt das nicht, dass alle Ängste falsch sind und alle Menschen deine Freunde sind. Nur weil du offen bist und unverkrampft, heißt das nicht, dass alles okay ist.
- Auf Butandiol habe ich keine Lust mich zu verteidigen oder mich auch nur für irgendwas zu rechtfertigen. In einer Umgebung, die wirklich schlecht für mich ist, unter Menschen die ekelhaft und bösartig und dumm und gefährlich sind, könnte das bös ausgehen...
- Butandiol enthemmt, aber macht nicht - wie Alkohol - aggressiv oder dumm, sondern eher kindlich-blauäugig und empfindsam, geradezu dünnhäutig.
- Manchmal reicht es, unter Butandiol-Einfluss ein rührendes, fast kitschiges Lied zu hören, und ich fang an zu heulen. Ich kenne keine Substanz, die mich so sentimental macht. Vorhin habe ich ein Bild angeschaut, das Cioran zeigt, der traurig auf seinem Bett sitzt und ich hatte Tränen in den Augen. Ich vermute, dass man, wenn man weniger an seinem coolen, erwachsenen Ego festhält, viel häufiger weinen würde.
(-> Butandiol erinnert dich dran, dass du immer noch in dem Körper steckst, in dem du als Kind gesteckt hast und dass es immer noch genau die selben Gründe gibt, zu heulen...)

- Butandiol erhöht das Bedürfnis, von süßen Freunden berührt zu werden, die Lust einen knuddligen Menschen auf dem Schoß sitzen zu haben und ihn mit Kirschen zu füttern. Es fühlt sich so an, als würde gleich jemand seine Hände unter dein T-Shirt schieben und dir das geben, was jeder Mensch braucht: echte Berührung, echte Sicherheit und Wärme und Stabilität und Vertrauen.
- Körperlichkeit, Schmusigkeit, Sexualität wird viel selbstverständlicher als sonst. Schüchternheit und Selbstzweifel nehmen ab. Die Substanz erinnert dich daran, dass du auch nur ein sterblicher Körper bist, den schlechte Gedanken und dumme Gewohnheiten vom Wesentlichen abhalten wollen.

- Butandiol macht sentimental, aber nicht auf so peinlich-brutale Art und Weise wie Alkohol. Du kannst vielleicht nicht richtig klar reden und geradeaus laufen, aber du bist nicht dumm und im Gegensatz zu Alkohol macht dich das Butandiol nicht egoistisch und bösartig.

- Die Fliege. - Als ich Sonntagnachmittag allein in meinem Zimmer darauf gewartet habe, dass jemand unangekündigt vorbeikommt, sah ich eine grünschimmernde Fliege auf meinem Schreibtisch, die auf Nahrungssuche war. Der halbe Löffel Butandiol in meinem Magen hat dafür gesorgt, dass ich eine ganz warme, kindische Freunde empfunden habe über die Fliege. Sie hat mein ranziges Messer mit ihrem haarigen Rüssel abgesaugt. Ich freute mich über unsere Koexistenz. So ein komplizierter Körperbau, diese riesigen Augen, die schnellen Bewegungen, die kurze Lebensdauer. Ich holte ihr das Tee-Thermometer aus der Küche, weil ich wusste, da ist noch ein bisschen Zucker dran (vom Umrühren). Nach einer Weile kletterte sie vom Messer runter und schleckerte den Zucker vom Thermometer. "Iss dich ruhig fein satt, liebe Fliege. Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich töte dich nicht." Ich fragte mich, ob Fliegen Ohren haben. Im Internet hab ich keine Informationen darüber gefunden. Wusstet ihr, dass es tausende von Fliegenarten gibt? Die Natur ist so vielfältig. Es ist wichtig, dass der Mensch mit anderen Lebewesen koexistiert und nicht bloß versucht alles seiner primitiven, herzlosen Gier zu unterwerfen. Nichts gegen Gier und Kaltblütigkeit, aber bitte nur im Notfall. Der Mensch muss anfangen, sich zu entspannen, sonst geht der ganze Planet kaputt. Totale Entspannung - Überwindung der Erwerbsarbeit, Lohnsklaverei, hin zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen, einer völligen Neugestaltung des Wirtschaftssystems. Alles muss sich entspannen, die perversen Vermögensunterschiede müssen ausgeglichen werden, die Umwelt muss radikal gereinigt werden. Gründliche Entspannung der Verhältnisse. Alles muss einfacher werden. Die Künstler müssen natürlich aufpassen, dass der Mensch nicht verdummt und resigniert. Keine Ideale mehr! Den Menschen herauslösen aus allen Konstrukten - Koexistenz wirklich freier Menschen. Keine Staaten, keine Religionen, keine Endlösungen, keine Leitkultur! Erwachsene sind degenerierte Kinder. Nieder mit der Sklaverei! Brutale Meditation.

- Nicht auf leeren Magen nehmen!

- Nebenwirkungen (Übelkeit, Verwirrtheit, plötzliche Schläfrigkeit, Zuckungen) können mit Koffein beantwortet werden.

- Die Wirkung hält gut zwei-drei Stunden an und blendet sich langsam aus. Bis auf ein leichtes, nicht lang anhaltendes Flauheitsgefühl und ein paar Zuckungen im Auge habe ich keine negativen Nachwirkungen gespürt.

30 Juni 2015

An den Grenzen des Körpers

ich kann nicht sagen was ich fühle
ich kann nicht fühlen was ich tue

DXM hebelt das Ichgefühl aus und lässt das Dahinterliegende durch das Bewusstsein in den ganzen Körper strahlen. Ohne greifbare Vergangenheit und glaubwürdiger Zukunft versteift man sich derart in die Gegenwart, dass man sich an die absoluten Grenzen des Körpers gedrängt fühlt. Es ist erschreckend unmöglich zu verstehen, wie man sich jemals sicher und stabil fühlen konnte.
Es ist als habe man das Leben in der gewohnten Umgebung unterbrochen und sitze allein und unerreichbar im hohen Gestrüpp am Fluß; extrem intensives Sitzen - kein Traum könnte jemals so intensiv sein. Wenn man noch etwas denken kann, dann dies: wie absurd unglaublich ist es doch, zu existieren. Eine höllische Angst macht sich breit, in der alle Sinnhaftigkeit ertrinken muss.
Nichts ist mehr selbstverständlich.
Mit bestimmten Substanzen das Leben derart vertiefen, erscheint als ein wundersames Kapitalverbrechen. Das gefährliche Abenteuer einer ultimativen Grenzüberschreitung. Ein Geschenk aus der Hölle des absoluten (von einem Ego ungetrübten) Bewusstseins.

ich will nicht zu früh sterben
und auch nicht zu spät



21 Juni 2015

21. und 27.06. - Ich möchte vor Langeweile umfallen

21. Juni
John Adams im Sprühregen seiner Shaker Loops. "Es geht darum, ein guter Gärtner zu sein. Das Material, das man hat, gut kennen und entsprechende Formen dafür finden. Sonst gibt es nur Totgeburten. Wieviel Tod steckt in den Klassikern? Wieviel Leben haben sie verdrängt? Ich kann mir denken, dass zu Zeiten Goethes eine Vielzahl viel relevanterer Dichter gelebt haben. - Ich spüre, wie der Körper sich weigert, high zu werden. Die letzten Tage hab ich es ein bisschen übertrieben. Die idealen Zeiten sind dafür: Ende Sommer müssen wir das Haus verlassen haben, ich weiß nicht, was ich von meinen Freunden halten soll, mein Schlafzyklus ist vollständig umgekippt, Musik-hören und schreiben wirkt wie ein läppischer Versuch dem Alleinsein was Interessantes entgegenzusetzen, zumindest irgendwas was mich vertieft oder weitertrödeln lässt, bloß raus aus der Reflexion, aber die Musik versteht mich nicht mehr... Sie hat mich hier hergebracht, aber weiter kann sie nicht mit mir gehen... Alles muss neu definiert werden... Ich möchte vor Langeweile umfallen...Es gibt wirklich nichts zu tun und die Welt geht unter, während ich dich küssen will. Alles wird immer einfacher... das bedeutet: mehr Kraft, weniger Realität. Wohin mit der Kraft? Direkt in den Alltag, in die unmittelbare Umgebung.. Du weißt doch was du bist, also sei es auch.. Du hast keinen Anspruch darauf, ein glückliches Leben zu haben, mach irgendwas, solang es noch geht. - Ratlos, was das sein soll, fühle ich mich irgendwie an der Nase herumgeführt. Aber Angst hab ich keine....

27. Juni

Erstmal schauen, ob du existierst. Ob du Blumen pflücken kannst, ob du stinken kannst, ob du ahnen kannst, was die Lüge der Musik mit dir machen kann. Süße Beschränktheit. Die Lust, einfürallemal was zu tun. Eine Flagge hissen. Mir ist nach Resignation. Mein Körper weiß nicht mehr, was er von der Realität halten soll, mein Gehirn hält die Realität aus. Die Realität ist dem Gehirn weit weit überlegen.
Alles wird ernster, strenger, wir kommen wieder zur Essenz. Zittern. Unwohlsein, etwas liegt auf der Lauer. Ich darf nie vergessen, dass ich keien Angst haben darf. Angst ist nur vererbte Schwäche, der Wille zur Schwäche. Schau dich in dieser seltsamen Landschaft um und nimm mit was du brauchst... Es ist nicht alltäglich, es ist etwas Anderes... komm damit klar. Komm mit dem Leben klar. Komm mit dem Existieren klar. Du steckst irgendwo. Du tust irgendwas. Entspannung.
Das Bewusstsein kann beiseite geschoben werden, du stirbst nicht.
Tippfehler werden korrigiert, du stirbst nicht.
Socken stinken, du stirbst nicht.
Ernstes matschiges Gesicht, du stirbst nicht.
Du bist ein Körper, aber du stirbst nicht.
Ich hab ein neues Handy hier, mit dem ich nicht umgehen kann. Ich fühle mich verschwitzt. Ein echoartiges Schwindelgefühl zieht mich runter auf den gemütlichen Boden der Tatsachen. Hier kann man alles schieben und formen, selbst das, was scheinbar fest ist, kann unser Gehirn berühren, wenn wir es berühren. Schade, dass ich nicht der Teufel bin. Ich bin etwas ganz ganz anderes, oder? Ich hab Lust zu kotzen. Ich bin zu uncool um der Teufel zu sein. Ich bin was Anderes. Ich bin ein aberwitzig freies Ding. Unerfüllt. Unendlich tief und unerfüllt. Ich mag es, wenn die Worte keinen Sinn mehr geben bald... Aber es muss wuchtig, blumig, tiefes Ein- und Ausatmen, gleichgültiges Zittern hält mein Leben ins Reine, ins Reine, ins Reine. Die Illusion etwas  verstanden zu haben, ist nicht nötig. Erstmal damit klarkommen, du verstehst schon....
Ich fühl mich eingeklemmt von einer entspannenden Abend-Abgrund-Stimmung. Zitteriges Bedürfnis zu kuscheln. Ich muss irgendwas tun, vielleicht kotzen, aber was noch?  Also das Kotzen ist ein guter gemütlicher Freund, wie Bobby McFerrin. Eben hat die Seltsamkeit des Wortes "also" wunderbar fett gegrinst. Ich mag dass unter dmxdas Schreiuben so gemütlich icst und dass alle worte famili9en mitglieder sind mit ihren geaychichen jeder soll so bleiben wie er ist gefälligst und sicuz nicht schämen für irgendwas. es ist ein netter tanz das hier ist die existenz das lebenj nicht nu8r ein text das ist nicht nur ein t t das ist nicht nur ein text das ist nicht n8ur ein text.
Gemütlichkeit erzeugen mit haariger Musik. Warme Schalen, weiche Gewürze, ein entspannter Darm, eine tänzerische Leichtigkeit, Grimassenschneiden im Spiegel, sich bewusst werden in welcher Zeit wir leben, so tun als würde ich glauben, dass alles irgendwie so weitergeht... immer in diesem Sumpf bleiben. Was gibt es hier zu tun? nIhcts. Haha... ja schau nur, die wörter, die können wir noch kaputt machen, bevor die dä,mmmerung unsere orangene Gartenparty verschluckt, zusammenknüllt und mit einem läppischen Kopfschüttler in den Papierkorb wirft.
Ist es überhaupt interessant, wie weit ich gehen kann? Wie hoch ich den Schrott stapeln kann? Irgendeine elektrische Stimme hat nichts gegen mich, aber gegen den Müll, der hier rumliegt. Ich würde ja nach wie vor gern irgendwo dazugehören. Aber es reicht mir auch hier in meiner gemütlichen Garage herumzuzuicken. Was erwartet ihr von mir? Hab ich diese Frage schonmal gestellt? Ich habe ein wissenschaftliches Interesse an meinem Leben... sage ich in der Verkleidung eines verrrückten Professors, die mir nicht richtig passt, ich bin eher so der freie Schriftsteller, der der kein Haus irgendwo hat.

ein schiefer sumpf. ich mag es wie meine worte und mein ichgefühl so schräg nach links kippen. dxm und lsa. ein gemütliches monster ohne funktion.

Freunde von mir legen eine transparente Regenbogenflagge über ihr Facebook-Profil-Bild, weil seit heute scheinbar Gay-Marriage in den USA legal ist. Ist das wirklich ein Tag zum Feiern? Ich kann mir keine Bilder von Leuten anschauen ohne ihre Frisuren seltsam zu finden. Eine Frisur zu haben ist seltsam, aber unvermeidbar. Scheinbar hängt alles, was ich schreibe, mit diesem Satz zusammen und alle meine Freunde wissen es. Ich werfe mein Lachen wie Tannenzapfen in die Stereo-Kiefer meiner Leser. Das ist so ein richtig schöner steriler, psychedelischer Satz. Das Leben der Anderen hat eine unglaubliche Geschwindigkeit. Ich sitze auf einem blöden weichen Kissen, Himmelblau auf der einen Seite und Buttergelb auf der anderen Seite. Ich scheibe die Farben groß, weil mein linkes Ohr sich taub anfühlt. Ich genieße es mir vorzustellen, wie verächtlich meine Klassenleiterin auf mich schaut. Ich stelle mir vor, ein hässlicher, lustiger, total weit entfernter Gnom zu sein, mit einer schrecklichen Frisur. Na toll, ich wollte keine negativen Gedanken, und jetzt sitzt ich ganz doll und schwer auf einem, nämlich meiner Angst vor dem da oben, diesem da... Ach... Da kann auch jemand anders Staub putzen, es ist egal. Hier ist die Psychodelika und da zählt es ja mal ja mal ja mal üüüberhaupt nicht was du bist und willst und kannst, hier sieht dich niemand, hier streut dich niemand in sein buntes Wertesystem. Hier ist alles verschwommen und der Beat ist stramm gekämmt und die Coolness kommt, sie erhebt mich, ich kann mit allem was anfangen, aber mir ist alles auch ziemlich egal. Samstag abend, 20:30. Es ist so hellgrau wie am Morgen. Stimmt das? Kann das sein? Oder sollte es nicht schon dunkel sein? Muss ich mich erst am Kopf kratzen? Ist es vielleicht schon dunkel, wenn ich auf den Balkon steige? Wie sehen meine Haare aus? Oh Gott, ich bin ein dummer Esel, der mit hundert Sachen einen Berg runter rennt... Ich knirsche mit den Zähnen und freue mich über jedes neue Lied. Ich will so viel schreiben, bis ich vergesse, was ich alles geschrieben habe. Woher kommt mein Drang, alle Worte komisch zu betonen? Typisch... Respektloses Gesindel mit verwirrenden Bommeln. Und mehr ist es ja auch nicht... Ich schau mir jetzt Bilder von Frisuren an und vergleiche sie mit dem was bei mir da oben stattfindet. Vielleicht würden die Menschen sich lieber haben, wenn sie ihre Frisuren besser unter Kontrolle hätten... na ich HOFFE doch sehr... Ist es langweilig hier? Wirfst du mich weg? Schmollender Sherlock-Holmes verwischt in buntem Regenbogen, trauriges Fließen. Mit zugekniffenen, leuchtenden Augen lesen: "Hier unten kann man keine Fragen beantworten. Deshalb ist es so gemütlich." Es macht Spaß, so lang zu brauchen, bis man die Worte zu einem Sinn zusammengebastelt hat. Die Musik gibt mir das Gefühl, dass es einfach meine Aufgabe ist, zu schreiben und dass Leute alles, was ich schreibe, gut finden. Genau so wie es ist. Totale Entspannung angespannt. Das ist wirklich etwas, was ich will.
Es ist immer noch so hell draußen. Sollte es nicht schon längst dunkel sein?= am Ende der Fähigkeiten angeschreddert:
Irgendein Tobi mag nicht, dass die Thüringer Staatskanzlei ihr Logo regenbogisiert hat. "Islamismusbeschwichter kriechen Friedensreligion lalallaa Opfer wundert mich aber nicht SED Mauermördepartei mit Extremisten sympathisiert. Ich werde den Rechtsweg gegen dieses Profilbild lallalala ersuchen. Das repräsentiert den Freistaat nicht!"
Ich hoffe der Tobi findet links und rechts neben dem Rechtsweg ein paar süße bunte Pusteblumen.... "Soll er sich doch da reinsteigern", rufen ihm die Ärzte hinterher, aber er hört nicht... er poliert jeden Tag diesen seltsamen schwarzen Stein, der im Garten liegt...

19 Juni 2015

Einsamkeit ist etwas Fettiges

(1)
Die Stadt ist ein buntes Aquarium, durch das ich von meiner Schlaflosigkeit getragen schwebe, getragen schweben, getragenes Schwebendes, getragenes Schwebendes, ein freundlicher Blues-Beat macht mein Herz fürchterlich aufgeregt, ein alle 4 Takte anrollender Höhepunkt der Spannung, so wie zum letzten Mal auf der Landstraße in Richtung der Stadt, in der wir sterben werden. "Hier ist es also, wo alles enden wird.", weinst du. Das hier ist meine letzte Verwandlung, bevor ich sterbe.
Das Schwindelgefühl ist überragend, ich muss rülpsen, aber kann nicht, weil in die Musik kein Rülps passt. Die Musik die kommt ist nur die Wartemusik, um den Rülps im Körper zu behalten. Warte, es ist noch nicht an der Zeit... Die Total-Hypnotisch-Vernebelte-Show, mit ihrem Gastgeber Elian Bartok. Heute mit einem Rülps oder irgendwas, was rauswill...Der Autor sitzt beschämt an der Schreibmaschine. Immer macht er es sich so einfach, der Gute... Na, solang die Kunden zufrieden sind... Ist es einen Versuch Wert. Ich habe schon oft versucht, einen automatismus im schreiben zu finden, der wie ich eben feststelle schon leichter zu erreichen scheint, nachdem die großundkleinschreibung abgeschafft wird. und auch nicht so lang gewartet bis die richtige zeitform kommt. in diesem zustand hat man keine angst vor dem tod. ähnlich wie mit dxm. Alle Lieder sind ganz nett, aber ich skippe, weil ich eine ganz bestimmte Stimmung suche, oder zumindest weiß, dass es noch bessere geben muss. Eigentlich spielt es für ein Leben keine Rolle, ob man allein ist oder nicht, solang man etwas findet, in das man sich hineinsteigern kann...
Stockhausen ist ziemlich gruslig. Ligeti ist nicht so esoterisch. Kann man auch mal so stehen lassen oder? versuche ich wie eine New-Yorker Maklerin das Fade hübsch zu machen... Mein Opa sitzt den ganzen Tag im Vorsaal auf dem Schaukelstuhl und wartet bis die Maus wieder auftaucht, mit einem Spielzeug-Gewehr bewaffnet. "Ich will auch mal wieder eine Party machen, da kann er nicht alles blockieren mit seinem Schaukel-Gedöhns.", winke ich meiner Mutter entgegen, bis mich das Bewusstsein meiner Zukunftslosigkeit versöhnt mit allem und jedem, ich sinke traurig zu Boden und fühle mich, als hätte ich eben zum ersten Mal meine Kinder angeschrien und zum Weinen gebracht. "Oh Gott, es tut mir leid, das darf nie wieder passieren." und sofort zum Psychologen. "Bin ich eine Gefahr für meine Kinder?" - Nein, Elian. Es ist total normal, in einem Delirium etwas Untypisches zu tun. Dafür sind sie da... Sie zeigen uns Auswege, wie ich vielleicht schon erzählt habe. Wiederholungen sind wichtig, streckt ihnen mein Tanzpartner den Mittelfinger in die Knetmasse-Gesichter.
Mögliche Herangehensweise: berauscht einen Text schreiben, ihn am nächsten Tag bekifft lesen und erweitern, abrunden. Dies dann am anderen Tag nüchtern bearbeitet. Zu den Neuerungen dieses Jahr gehört, mir eine preußische Arbeitsmoral zuzulegen. (*Sitcom-Konserven-Lacher eingeblendet)
Und was ist mit mir jetzt? Wisst ihr, ich komm heute mal wieder ohne Euch aus. Geht, husch husch, so geht doch... Ich werde mich jetzt in Musik und Texten vergraben, wenn ich doch endlich rülpsen könnte... Ah!


(2)
Jeder Tag soll etwas Besonderes sein.

Warum glaubst du, dass es sich lohnt, auf die Suche nach dir zu gehen?
Vielleicht musst du dich so weit es geht von dir entfernen, wenn du nicht schon vollständig in der Ruine deiner Kindheit versackt bist. - Noch kannst du dich bewegen, noch kannst du alles zurückweisen. - Alles, was deinen Alltag nachhaltig zersetzt, ist gut. Das muss ich mir und euch immer wieder klar machen. Es geht um eine umfassende Veränderung, genau deshalb machst du das ja alles mit. Weil sich etwas verändern soll. Es geht darum, in den Wahnsinn reinzuwachsen, ihn zu verstehen und zu benutzen. (Alle freuen sich, weil ich auf Kurs bleibe.)Alles nehmen was da ist und damit irgendwas Destruktives, Nonkausales, Nihilistisches bauen. Die Möglichkeiten sind alle da - jetzt muss sich nur noch einer trauen, den verdammten Scheiß in seine Hände zu nehmen. Liebe ist so was wichtiges, so was zentrales. Es lohnt sich, in diesem Bereich mutig zu sein. Und vorallem: es lohnt sich nicht, darüber zu schreiben, wenn die Person, um die es geht, die Texte nicht liest. Also stell dich ordentlich hin und seufze und jetzt tu was du willst... Ich will mein Leben nicht im Nichts verschwenden, oder? Ich erstrahle in träger Euphorie, kratze mit meinem Brotmesser die Hornhaut von meinem großen Zeh und erwarte ein Wunder, von wem? Von dem der dafür gesorgt hat, dass ich denken und empfinden kann. Ich weiß wirklich nicht, ob ich lächerlich bin oder nicht. Ich vermisse die echte Einsamkeit. Die Anderen bewundern immer nur Dinge an uns, die nicht selbstverständlich sind. All unsere Freunde missverstehen uns. - Hier geht wirklich bald alles zu ende, ich sitze in einem weißen Raum mit weißen Klamotten, ein paar Blutflecken sind zu sehen. Ich muss mich entscheiden, wie ich leben will. Genau dieses Müssen will ich aushebeln. Deshalb drehe ich mich hier im Kreis, genau deshalb will ich von euch gesehen werden. - Es gibt viele Möglichkeiten, mein Leben von Grund auf zu verändern. Drogen helfen mir, die Substanz zu untersuchen, die mein Leben ist. Es gibt Dinge auf die ich mich konzentrieren sollte und Dinge auf die ich mich nicht konzentrieren sollte. Es ist so einfach, ruh dich an dieser Einfachheit aus wie an einer menschenleeren Straße in der Nacht. Niemand kann dein Gehirn anfassen, niemand kommt dir zu nah, niemand will dich verskalven. Niemand weiß, was du den ganzen Tag so treibst. Die Behörden wissen, dass du ein schwieriger Fall bist und lassen dich weitestgehend in Ruhe. Du kannst alles tun, was du willst. Du bist zu unbedeutend, um wie Anderen versklavt zu werden. Deine Krankheit hat dich befreit. Die Frage ist nur, was du daraus machst. Mach dir deine Badewanne voll und leg dich rein und frag dich, was du mit all dem, was dir zur Verfügung steht, anfangen kannst und willst. Der Wahnsinn will dir das Leben nicht verderben, sondern erweitern. Ein Wahnsinniger hört auf zu leiden, wenn er versteht, dass seine Realität ein Produkt eines kranken Gehirns ist. Das Gehirn ist ein Gegenstand. Du bist ein Gegenstand. Vergiss das nicht... Es lohnt sich erst, sich gehen zu lassen, wenn man all seine Neurosen überwunden hat, sonst tanzen sie einem früher oder später die ganze Nacht auf dem Tisch. Einfach mal extrem entspannen, WEIL ES GERECHTFERTIGT IST. -> Ratlos zu Drogen greifen: geheime, aller-süßeste Todessehnsucht. Am Ende ist man ja sowieso immer der, der am meisten leidet... Immer... Komisch...


(3)
Ich stelle gerade fest, dass ich die letzten Jahre weitgehend damit verbracht habe, einzukaufen und mit Freunden was zu trinken. Wenn ich kleinere Geschwister oder so hätte, was könnte ich sagen, wenn sie mich fragten, was ich so mache, ohne sie zu verderben? Um es mal ganz deutlich zu sagen, Sportsfreund: Was zum Teufel willst du noch hier? Was? Dein Gesicht blendet so, ach ne is der Bildschirm hihi.
Im Ernst? :-(


(4)
Weil ich nicht weiß, was ich für Eigenschaften habe, darf ich mich auf nichts und niemanden verlassen. Der Auftrag ist ganz einfach: geh rein, mach Feuer und verschwinde wieder. Führe etwas aus. Nur zu. Die Stadt stinkt zum Himmel, gib uns etwas, das uns aufatmen lässt. - Ich muss mir permanent sagen, dass mich meine Freunde mögen, dass ich nicht wahnsinnig werde. Ich kann nur versuchen, beschämt zu schauen, wenn du mir immer wieder auf meine Finger guckst... Aber Monsieur, die Musik spielt doch dort vorn! Ich bin es so leid, zu versuchen verstanden zu werden. Ich möchte das nächste Mal, wenn wir ins Edeka gehen, einfach zusammenbrechen. Das fühlt sich fast wie der Punkt an, an dem ich entscheide, jemand anders zu werden, denn bisher war mein Leben nicht mehr als schlafen, im Edeka einkaufen und mich im Kreis kriechend vertiefen. Die Musik will mir sagen, dass das Leben etwas ernstes ist, etwas mit dem man vorsichtig sein muss - jede kleinste Veränderung ist ein Schicksalsschlag. Alles was ich tu und nicht tu versteinert mich. Nur hier, in der Halbwelt der Literatur, kann ich ein richtiger Mensch sein. Alles andere ist mit Konflikten verbunden, für die ich noch nicht bereit bin. Jedem seinen unendlichen Kräutergarten.


(5)
Ich glaube, ich weiß was ich von der Ekstase erwarten kann. - Kann ich vernünftig bleiben? - Angst und Unsicherheit wachsen wenn keine passende Musik gefunden wird. So viel Auswahl, so wenig kommt in Frage. Ich wünschte, ich würde jetzt mit jemandem Musik machen können und dann auch auf der Bühne stehen. Psychedelischer Terror. Skeptische Musik. Verweigerung ist chaotisch. Schlaflosigkeit bringt Licht in ungewohnte Ecken. Solang ich mir nicht einbilde, etwas zu sein, kann ich auch nichts werden. Zum Glück ich bin grad allein. Niemand urteilt über mich. Mich interessiert nicht, wie das Urteil ausfallen würde. Ich gehöre nicht hier her, also schaut mich nicht so an! Das Problem ist gelöst, wenn euer Herz versteht, dass ihr über mein Leben nicht mehr Recht habt als ich. Wirklich bestand haben nur die Urteile von Freunden, die in die selbe Richtung wollen. Alles andere ist Schwachsinn... Wirklich Schwachsinn... Es wird Zeit, nein zu sagen.



(6)
Irgendetwas bin ich auf der Spur. Ich knabber am seidenen Fanden.



(7)
Ich schau mich hier sehr genau um, es gibt hier nichts mehr zu holen... Du musst weiter... Hier ist nur noch die alte Spinne mit den tödlichen gelben Eckzähnen. Die hat wirklich ihren Dienst getan. Du kannst jetzt weitergehen... Aber wohin? - Und das Fehlen von guter Musik ist wirklich ganz ganz furchtbar. Furchtbarer als irgendwas Anderes. Nur dass ich hier allein bin ist noch schlimmer. Eigentlich ist das das Einzige, daswas waswaswas. Ich sitze unbequem im Schneidersitz, mein Rücken nervt, es gibt kein Lied, das mich glücklich machen kann. Ich entdecke gerade jetzt, beim Rausgehen aus diesem Buch, dass ich die Musik benutze, um das Loch auszufüllen, das deine Unerreichbarkeit in mein Leben gähnt. Kann ich das so stehenlassen? Ich weiß gar nichts. Ich weiß nur, dass du jetzt nicht an mein Fenster klopfst. Es ist halb Drei. Es gibt nichts für mich zu tun. Ich bin am Ende angekommen... Und was soll ich jetzt hier? Es muss einen Sinn haben, hier unten zu sein. Es muss möglich sein, hier unten etwas zu verstehen, was Leute, die nicht hier unten sind, nicht verstehen können.
Hier ist das Paradies. Eine Müllhalde am Rand der Zivilisation. Keine linearen Tage. Wofür möchte mein Gehirn Komplize sein? Ich glaube ich wäre ganz ein anderer Mensch, wenn ich jetzt auf einem anderen Computer schreiben würde.
Indem ich Hustensteiller nehme, kitzel ich mich selbst, während mein Gesicht und der Rest des Körpers immer ernster, dunkler, kälter wird. Es ist eben etwas, was man tun kann.. Du kannst es tun... Also machst du es... Man akzeptiert einfach nicht, dass das Leben nur bestimmte Wege gehen sollte... Man kann mit seinem Leben machen, was man will... Ich fühle mich wirklich wie ein kalter, nasser Waschlappen im Regen. Es tut gut, sich in das zu vertiefen, was man ist. Der kalte Regen, der graue Weg auf dem du liegst, die Menschen die dir begegnen, sie schütteln mit dem Kopf, wenn du sie fragst, ob sie eine Funktion für dich finden können. "Also du gehörst schonmal nicht zu uns!" Die Frage, wo man hingehört, sollte man sich nur stellen, wenn man einen im Tee hat - oder mehrere. - Ich weiß nicht, ob mir der kühle Luftzug gefällt, der seit neustem vom Balkon aus der Küche kommt. Bin ich aufgestanden? Habe ich hier etwas verändert? Ich vermute mal, dass man mit der Wohnungseinrichtung seine Zukunft justieren kann. . Ich versuche mich auf diesen schwammigen Gedanken zu konzentrieren, während ich Lust zu tanzen habe. Ich hab Angst, dass ich meinem Körper nicht mitteilen kann, wie sehr er mir bedeutet, wie viel, wie sehr... Mein Körper braucht einen  anderen Körper... Von außen sieht das ja echt lustig aus. Jetzt könnten meine Freunde da sein. Alle im schunkeligen Sumpf. Keine Zukunft... Wir stürzen in unsere Zukunftslosigkeit. Wir sind keine Individuuen mehr, wir sind Comic-Figuren, die man nicht vermarkten kann, das Image dass man von uns hat taugt nichts mehr.

(8)
Ich spüre eine lustige Distanz zu meinem Körper. Vielleicht macht die Musik alles nur etwas angenehmer. Durch das Schreiben dieses Satzes bin ich weitergekommen als bisher. Dafür ein Lob. Die Musik ist so weit entfernt, jetzt blendet sie sich aus, und ich blende mich aus. Jetzt ist ein neues Lied da. Es steht neben mir und redet auf mich ein. Ich kann nicken oder den Kopf schütteln oder gar nichts tun. Es ist wichtig, sich immer wieder zu erinnern, in was für einer Wüste man hier eigentlich ist. Eine heiße, böse Euphorie im Bauch hat all meine Worte auf dem Kieker, aber versucht sich nichts anmerken zu lassen. Ich fühle mich wie Indiana Jones. Total gereinigt. Tom Waits_Time. Es ist kalt, ich bin mit meinen Freunden in der Stadt unterwegs, Sonntag morgen, alles grau und kalt und einfach. Auf einem Fensterbrett sitzen, sehen wie sich eine große Frau aus dem Haus herausdrückt.
Ich fühle mich so, als würden meine Eltern vor dem Haus auf mich warten. Ich sehe die Leiden, die ich auf mich geladen hätte, wäre ich ein Familienvater geworden. Ich mag es, so offen zu sein. Ein stabiles, narkotisches Schaukeln, das Hirn warm und fest, der Schneidersitz fühlt sich bloß so an, als würde er zusammenbrechen. Tom Waits ist ein großartiger Begleiter. Ich liebe mich und meine Sensibilität, ich glaube ich sehe wie ein geistiger Behinderter aus- ich weiß grad nicht wie man das richtig schreibt, aber es muss genau so wie geschrieben geschrieben sein, verstehst du?` Selbst der Fleck hinter dem Fragezeichen ist okay, so wie die Kacke neben der Rose und der toten Amsel okay ist, die du jeden Tag auf dem Schulweg sehen darfst. Man versteht diese Sätze hier nur, wenn man sie sich rot und gelb unterstreicht. Dick unterstreichen. Dick unterstreichen.
Mein Leben gehört nur mir, mir allein.. sag ich mir und fühle mich, als würde ich einen trashigen, surrealen, geschmacklosen Tumblr-Blog durchscrollen, als würde ich in einem weißen Papierboot schwimmen in einem Ozean aus Tinte, die Wände sind gekachelt und gleich gibt es Mittagessen, wenn die große Spinne das Haus nicht wieder angreift. Nein, sie ist im Garten, da draußen kann sie machen was sie will... Ich will sie nur nicht hier haben... Merkst du endlich, dass das Schreiben nur ein Ersatz für richtiges Leben ist? Du solltest fortan in Ich-Form schreiben von dem, was es wirklich zu sagen gibt... gibt o gibto oh gibt.
Dass du hier schreibst, hat schon eine Bedeutung.... Es hat eine Bedeutung.. denk drüber nach, während du aufs Klo gehst... Das Wissen, worum es geht, ist in die Musikm übergegangen... Gib uns den Ball wieder!
Je weniger es Sinn macht, desto tiefer kannst du kommen...Aber das ist vielleicht zu heiß. Ich dachte ich hatte die ganze Zeit irgendwas zu sagen, vielleicht war es nicht mehr als der Stolz das Holz Holz Holz .... Ich glaube Tom Waits ist die zentralste Person in meinem Leben. Mir wäre ganz lieb, wenn mich der Gedanke ohnmächtig machen würde... Was man als Rausch erlebt, ist das Zusammenfallen der Ideale, wie eine hysterische Umarmung in Zeitlupe. Ich halte mich einfach an dir fest, egal wohin du gehst. Du bist wirklich meine letzte Chance. Urteile nicht über mich, bloß weil ich nicht weinen kann... Ihr wusstet es die ganze Zeit... Ich bin jetzt wirklich zufrieden. Frisch gebadet im Vakuum einer affigen Behaglichkeit. Ich will mit dir den ganzen Tag Sex und Musik machen. Das ist das ganze Geheimnis. Ihr könnt wieder abziehen, ihr coolen Geheimagenten, Cocktail-trinkende Assi-Kommissarel der Fall ist gelöst. Ich präsentiere euch: die herrliche Lösung dieses tief verkniesknaddelten Problems: ich will dass dein Körper in meinem Bett ist. Ich will dich abschmusen und küssen und mit dir narkotisch daliegen und mit Musik und Drogen in die Wirklichkeit, in die Zukunft bohren. Ich war schon oft an diesem eisigen Ort, aber diesmal geh ich nicht mehr weg. Ich muss hier bleiben, ich gehöre hier hin. Ja ich will hier hingehören. Ich will irgendwas mit dir basteln, ich will dass wir es sicher haben, ich will, dass wir uns vertrauen. Gut gemacht... Danke... Jetzt können wir nur bei Seite treten und hoffen, ja hoffen, dass es weiter geht... Das ist doch am End die bitterste Hoffnung: dass es weitergeht... dass es alles irgendwie weitergeht... Dass es alles irgendwie Sinn ergibt... Und irgendwo in meinem Bett muss eine Schere liegen... diese fürchterliche Schere... wo ist sie? Komm heraus! Nur auf diese Art kann ich mir vorstellen, mich um Publikum zu bemühen. Wollen wir einfach mal einen Scherz machen und die Sprache unseres geliebten Königreichs nicht mehr ernst nehmen? Diese Fragen grinsen wie blaue, mit Schnee bedeckte Raketen am Ende des Tages, sie grinsen das Ende des Tages an, hallo, könnt ihr mich hören? Hier passiert wirklich etwas ernstes... Du musst sofort die Stadt verlassen... so ernst ist es... Ok, Entschuldigung!!! Merk dir einfach: du musst rein gar nichts leisten. Damit bist du wirklich frei.....
Ich glaube, dieser Text ist eine Verbindung zu ganz neuen Möglichkeiten. Ich darf keinesfalls einknicken, die Droge darf mich nicht beherrschen. Ich muss die Kontrolle behalten. Ich bin Alpha. Ich bin Alpha. Ich kann mir zusätzliche Features geben, aber ich bleibe der Alpha.

(9)
Es scheint, als wäre das hier alles aufgebaut worden, um eine Funktion zu erfüllen. Ich kann jetzt weitergehen oder nicht. Sagt mir mal einer, was ich tun soll? Ich fühle mich wie eine Emanze, die eine Bruchlandung versuchen soll. Ich trinke im Hinterhof mit meinem Nachbarn ein wirkungsloses Bier. "Was fangen wir mit unserem Leben an?", gaffe ich mit ausgestreckter Zunge in die Sonne. Bald hab ich so viele Niederlagen gesammelt, dass ich es ganz logisch auf den Kopf des Königs abgesehen habe. Dafür wenden Sie sich aber bitte an die Polizei, jetzt geben Sie mir die verdammte Taschenlampe und verschwinden aus meinem Kochkurs! :-) Ich bin Frank Gallegher. ... Alles geklärt.

(10)
All das sind Probleme, die der Mensch nunmal hat, wenn er Drogen nehmen kann. Wenn er sein Leben hinterfragen kann. Wenn er es sabbotiert. Und das Einzige, was DU noch anbieten kannst, lieber Elian, ist deine Einsamkeit, deine Verwahrlosung, dein ganzes Tu-Nicht-Gut. Dein Schwappen. Deine Enthaltsamkeit. Wie ein betrunkener Fettsack klatsche ich dir diese nassen Säcke voll mit Vorwürfen auf den Tresen. Du bist ein Niemand. Du hast keinerlei Aufgabe in der Welt. Alles funktioniert bestens ohne dich... Ja, leg mal einen Echo-Effekt auf diesen Satz... Alles funktioniert bestens ohne dich.... Das heißt: du bist frei. Und deshalb hat kein Verleger einen Grund, es mit dir zu versuchen....Ach so... eins noch... bevor diese Episode vorbei ist... Was lässt mich denn eigentlich glauben, dass ich den Wahnsinn aushalte... dass meine Kreativität mit ihm kompatibel ist... und dass aus beiden etwas wird... *schluchzt* <---- Der Protagonist weint, während eine dicke, schwarze Krankenschwester das eingesternte Wort entfernt... Ja, das war schon richtig da, deswegen kommt es weg. Noch Fragen? Nein, ein klener Scherz. Hier ist alles nur in Bewegung. Kein Grund zur Beunruhigung. Schriftsteller wollen auch mal runterkommen, nicht wahr? - Die Vielzahl an Möglcihkeiten, etwas zu schreiben, bereitet mir Unwohlsein. Bitte gewöhne dich dran, dass es hier Tippfehler gibt und sie nicht korrigiert werrden. Nicht weil wir alle einen auf öko machen wollen, sondern weil weil weil das dürfte ja klar sein. Was? Du willst wissen warum? Du kannst diesen Text jederzeit zerbrechen. Offenes Ende tut immer gut.

(11)
Am Grund der Langeweile, nichts hat einen Reiz, an nichts kannst du dich halten, bis das Nichts dich erfüllt, außerhalb von allem, ausgehöhlt und tralala. Das ist keine Zwischenstation, das ist ein Endzustand. Warum sollte sich jemals etwas ändern? Ich will nichts mehr anfassen, meine Faulheit in die Welt scheißen und Mystiker werden.

(12)
Was für ein Schlackern. Kein Wunder, sag ich da nur... Kein Wunder... Es ist ja immer etwas anderes, aber irgendwann ist auch mal gut. Wenn man doch alles könnte, was man wöllte... Was wären wir ohne den Trost unserer Sehnsucht? Dieser lieblichen Lüge, aus der vielleicht was werden kann... Oder will ich ewig hier bleiben? Will ich ewig hier bleiben? Diese Frage weckt in mir das Bedürfnis, mich im Kreis zu drehen. Wenn es doch nur jemanden geben würde, der mich mitzieht. Oder ist alles auch so okay wie es ist? Ich möchte keine Antworten darauf finden. Entscheidungen sind das allerschlimmste. Lieber im Dreck liegen als ein Auto putzen.

(13)
Einsamkeit ist was Fettes. Ist das Leben für dich etwas Wertvolles oder nicht? Ich bin der Onkel hier und keiner versteht es. Ich meine, du solltest dir einfach öfters mal berauscht die aller banalsten Fragen stellen und dir wird die Zunge auf den Teppeich rollen. Philosophie kann eine harte, psychotrope Droge sein, wenn man konsequent bleibt. Der dicke  Bäcker um die Ecke glaubt noch daran, dass ich alles, was ich erreichen will, auch ohne Drogen erreichen kann. Vielleicht will ich aber einfach nur sterben. Ich weiß es nicht, ich räum hier nur auf und stell die Stühle hoch.


(14)
Finale. Eine Soldatenmeute marschiert nachts durch den Wald. Der Wind knallt wie Peitschen, der Mond ist rot und etwas zu stark gekrümmt. Mir wird schwindlich und ich werde von meinem Hintermann geschubst. Ich bin Teil dieser Kompanie. Irgendwie hat mir keiner gesagt, worum es hier geht. Ich schau zu Maximilian, der neben mir das selbe Problem hat wie ich. Ich schüttel mich durch
und liege wieder in meinem Bett, Stein von Herz und so, selige Müdigkeit in einem goldgelben Korb, das ist aber nicht mein Zimmer, wir sind in einem Raum der mir Angst macht, aber Mutti ist da und dann erinnere ich mich auch, dass wir hier schonmal waren. Warum bin ich noch so müde? Und was ist das für eine rote Narbe an meinem Bauch? Was ist hier passiert? Ich wollte gerade losschreiben, da brach das Himmelgrau auf und Sonne strahlte durch die herbstlichen Bäume auf mein Gesicht und ich wusste, das alles gut wird.
Heute muss ich mich endgültig von Rumänien verabschieden. Auf nach Paris. Ein letztes Fest mir zu Ehren. Wie eine Mutter die heult, weil sie mich rausschmeißen will. Die sind alle froh, dass ich verschwinde. Sie geben sich nichtmal Mühe, ein bisschen freundlicher zu wirken. Alle sagen mir, dass es niemanden gibt, der sich für mich verantwortlich fühlt und ich auf mich allein gestellt bin. Die Musik gibt mir auf sonderbare Weise Mut in mein Herz.
Also das war's. Ich kann es kaum erwarten. Ein letztes Mal durch das alte Spielzeug geschaut, alles, was an besonders schöne oder seltsame Gefühle erinnert, augenzwinkernd küssen. Es regnet auf den grünen Wald, Familie ist etwas schönes. Wenn Gras legal ist, braucht es auch grasigen Journalismus, erfahrene Kiffer dürfen sich freuen auf einen abwechslungsreichen Job. Flexibilität ist nicht nötig, einfach immer schön langsam machen, dann wird das schon! Und jetzt kümmern wir uns mal um den tropfenden Wasserhahn im Bad. Herrje, was für ein Sumpf. Da kommt mir eine Idee... Wollen wir sumpfigen, schlammigen Boden im Bad haben? Dann ist es ein bisschen wie im Freien aufs Klo gehen. Eine funktionierende Toilette im Wald. Großartig.
Ihr schaut mich an, als plante ich ein Attentat auf euch. "Mach es weg, du bist diese Woche mit dem Bad dran, du kleiner Strolch du." Jemand küsst mich und verlässt die torkelnde Wohnung, es ist hier so wahnsinnig voll. Alte Radios, Metallschrott, elektronische Geräte, Bücher und hunderte Aufzeichnungen quer in der Wohnung verstreut. Eine organische Schreibzelle.
Ich sitze auf meinem Hüpfball und hacke meine Worte mit einer grinsenden Enten-Maske fröhlich in den Computer hinein, tief, titititiiiief hinein, verstehst du? Einfach rein, alles klar? Einfach nur... zack rein... Gar nicht weiter rumtrödeln, einfach rein, zack fertig, kapiert? Und Noch gar nicht mal, noch gar nicht mal, heigh-ho. Dieses Karussell hat ein Künstler entworfen - und wir drehen uns auch gar nicht, wir bewegen uns gerade aus nach vorn. Ich spring dir ins Gesicht, wenn du nicht zur Ruhe kommst... Leg dich hin und entspanne dich.
Ich weiß, du hast alles versucht. Sie werden dir deine Kinder erstmal nicht wiedergeben. Aber ich weiß, eines Tages wird man die Gesetze ändern, die verhindern dass du fröhlich bist. Dann bekommst du deine Kinder wieder, ich hoffe du hörst mich... Bitte, zieht mich aus dem Sumpf, damit damit damit. Ich möchte mich nicht über den Leser lustig machen, er ist alles was ich habe. Sieht so aus als wäre ich ein Kleinkind das Verantwortung übernehmen will. Ich will dazugehören, ohne dazuzugehören. Da sein und nicht da sein. Lieber nicht nachdenken an dieser Stelle, es ändert nichts an der Sache, also geh weiter... Hör auf verstehen zu wollen, was du machst... Vertraue deinem Instinkt und schreib, was du nicht verschweigen kannst... aber bitte nur das... nur das...

Sie haben eine Liste der Dinge erstellt, die uns an unserer Kreativität hindern. Das größte Hindernis ist die Prokrastination. Die Neigung, Dinge vor sich herzuschieben. Sind Sie davon betroffen?
Nick Cave: Nein, überhaupt nicht. Ich habe das nur gehört. Ich habe einfach einen Gedanken und setze ihn um. So arbeite ich. Es geht nicht um Motivation, es geht einfach um die Umsetzung. Vielleicht wäre meine Arbeit auch noch besser, wenn es einen Moment zwischen Gedanken und Umsetzung gäbe.
Eine der Möglichkeiten der Prokrastination, das schreiben Sie, ist ein Terroranschlag. Als ich als Kind die Twin Towers zusammenfallen sah, wünschte ich mir nichts mehr als einen Krieg in Europa als Folge eines Terroranschlages, weil ich dachte, ich müsste so nie wieder zur Schule gehen. Finden Sie das verwerflich?
Nick Cave: Nein, keineswegs. Es ist sogar eine erstaunlich gute Idee. Am Ende findet man immer eine gute Entschuldigung dafür, Dinge nicht zu tun.
(Quelle)